In einem Artikel bei Rubikon Magazin werden einige wichtige psychologische Gesichtspunkte angesprochen, welche ich ausschnittweise zitiere im Text unten. Nicht mit allem, was gesagt wird, bin ich einverstanden, manches fehlt leider, was sehr wichtig wäre. Es wird etwa fälschlicherweise suggeriert, es wäre ein „Ausbruch eines Virus“, welcher diese unsere Welt in kürzester Zeit zur Hölle gemacht habe. Es heißt dort, die Welt würde sich neu organisieren, was nicht der Fall ist. Eine Hand voll Leute „organisieren“ und zwingen dies der ganzen Welt auf. Das ist etwas anderes.

Der Autor und der Psychotherapeut erwähnen nicht oder denken nicht, dies alles würde einem Plan folgen. Es wird eine Hoffnung angesprochen, dass aus all dem etwas Schönes entstehen könnte. Eine Hoffnung auch, das totalitäre System würde an sich selbst zugrunde gehen. Solcherlei Hoffnungen teile ich nicht.

Doch interessant sind die Erklärungen, weshalb die Menschen so bereitwillig die Maßnahmen toleriert und brav mitgemacht haben, viele sogar sichtlich erleichtert. In wenigen Worten wird auch aufgezeigt, wohin das alles noch führen wird: Diese Menschen sind zu allem fähig. Nein, ich meine nicht die Eliten, diese ja sowieso, ich meine die „Mitmenschen“.

https://www.rubikon.news/artikel/turmbau-zu-dystopia: Turmbau zu Dystopia von Patrick Dewals

Ein Schreckensszenario, wie es sich Science-Fiction-Autoren nicht schauriger hätten ausmalen können, ist derzeit im Aufbau befindlich. Nur wenige Phänomene haben sich weltweit so schnell ausgewirkt wie der derzeitige Ausbruch des Coronavirus. In kürzester Zeit hat sich das menschliche Leben völlig neu organisiert. Der Autor fragte Mattias Desmet, Psychotherapeut und Professor für klinische Psychologie an der Universität Gent, wie dies möglich ist, welche Folgen es hat und was wir in Zukunft erwarten können.

Die psychologischen Dimensionen der aktuellen Corona-Krise werden stark unterschätzt. Eine Krise wirkt wie ein Trauma, das dem Einzelnen seinen historischen Sinn nimmt. Das Trauma wird als isoliertes Ereignis betrachtet, obwohl es in Wirklichkeit Teil eines kontinuierlichen Prozesses ist.

So wird beispielsweise leicht übersehen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung während der ersten Abriegelung seltsam erleichtert war und sich von Stress und Angst befreit fühlte. Ich hörte regelmäßig Leute sagen: „Ja, diese Maßnahmen sind hart, aber wenigstens kann ich mich ein bisschen entspannen.“ Weil die Hektik des Alltags aufhörte, kehrte Ruhe in die Gesellschaft ein. Die Lockdown-Maßmahmen befreiten die Menschen oft aus einem psychologischen Trott. Dies führte zu einer unbewussten Unterstützung der Maßnahmen. …

Wenn wir die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit ihrer Existenz nicht berücksichtigen, werden wir diese Krise nicht verstehen und nicht lösen können. Übrigens habe ich inzwischen den Eindruck, dass die neue Normalität wieder zu einem Trott geworden ist

Darüber hinaus gibt es eine unheilvolle Verbindung zwischen der Entstehung dieser Art von absolutistischer Wissenschaft und dem Prozess der Manipulation und Totalisierung der Gesellschaft. In ihrem Buch „Die Ursprünge des Totalitarismus“ beschreibt die deutsch-amerikanische politische Denkerin Hannah Arendt auf brillante Weise, wie dieser Prozess unter anderem in Nazi-Deutschland ablief.

So greifen aufstrebende totalitäre Regime typischerweise auf einen „wissenschaftlichen“ Diskurs zurück. Sie zeigen eine große Vorliebe für Zahlen und Statistiken, die schnell zu reiner Propaganda verkommen, gekennzeichnet durch eine radikale „Missachtung der Fakten“.

Sie beschreibt auch, wie das Aufkommen dieser Art von Wissenschaft und ihrer industriellen Anwendungen von einem unvermeidlichen sozialen Wandel begleitet wurde. Die Klassen verschwanden, und die normalen sozialen Bindungen verfielen, was mit viel undefinierbarer Angst, Unruhe, Frustration und Sinnlosigkeit einherging.

Unter solchen Umständen entwickeln die Massen ganz besondere psychologische Eigenschaften. Alle Ängste, die die Gesellschaft heimsuchen, werden mit einem „Objekt“ verbunden — zum Beispiel mit den Juden —, sodass die Massen in eine Art energetischen Kampf mit diesem Objekt eintreten.

Und auf diesen Prozess der sozialen Konditionierung der Massen wird dann eine völlig neue politische und konstitutionelle Organisation aufgesetzt: der totalitäre Staat.

Heute kann man ein ähnliches Phänomen beobachten. Psychisches Leid, Sinnlosigkeit und schwindende soziale Bindungen sind in der Gesellschaft weit verbreitet. Dann taucht eine Geschichte auf, die auf ein Angstobjekt, das Virus, hinweist, woraufhin die Bevölkerung ihre Angst und ihr Unbehagen stark mit diesem gefürchteten Objekt verbindet. Währenddessen wird in allen Medien ständig dazu aufgerufen, den mörderischen Feind gemeinsam zu bekämpfen. Die Wissenschaftler, die der Bevölkerung die Geschichte nahe bringen, werden im Gegenzug mit enormer sozialer Macht belohnt. Ihre psychologische Macht ist so groß, dass auf ihre Anregung hin die gesamte Gesellschaft plötzlich auf eine Vielzahl sozialer Bräuche verzichtet und sich in einer Weise neu organisiert, die Anfang 2020 niemand für möglich gehalten hätte. …

Der gemeinsame Kampf gegen das Virus erzeugt eine Art Rausch, der zu einer enormen Verengung der Aufmerksamkeit führt, sodass andere Dinge, wie die Sorge um Kollateralschäden, in den Hintergrund treten. …

Die soziale Konditionierung der Massen hat noch einen weiteren merkwürdigen Effekt: Sie führt dazu, dass der Einzelne egoistische und individuelle Beweggründe psychologisch beiseite schiebt. Auf diese Weise kann man eine Regierung tolerieren, die einem einige persönliche Annehmlichkeiten nimmt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Gaststätten, in denen Menschen ihr ganzes Leben lang gearbeitet haben, können ohne großen Protest geschlossen werden. Oder auch: Der Bevölkerung werden Aufführungen, Feste und andere kulturelle Vergnügungen vorenthalten. Totalitäre Führer verstehen intuitiv, dass die Quälerei der Bevölkerung auf perverse Weise die soziale Konditionierung noch weiter verstärkt.

Ich kann das jetzt nicht vollständig erklären, aber der Prozess der sozialen Konditionierung ist von Natur aus selbstzerstörerisch. Eine Bevölkerung, die von diesem Prozess betroffen ist, ist zu enormen Gräueltaten gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst fähig. Sie zögert absolut nicht, sich selbst zu opfern. Dies erklärt, warum ein totalitärer Staat im Gegensatz zu einfachen Diktaturen nicht überleben kann. Er verschlingt sich am Ende sozusagen selbst. Aber dieser Prozess kostet in der Regel viele Menschenleben.

…Ein vortotalitärer Staat zum Beispiel, so Arendt, durchtrennt alle sozialen Bindungen der Bevölkerung. Einfache Diktaturen tun das auf der politischen Ebene — sie sorgen dafür, dass sich die Opposition nicht zusammenschließen kann —, aber totalitäre Staaten tun das auch in der Bevölkerung, im privaten Bereich. …

Der Totalitarismus ist so sehr auf totale Kontrolle ausgerichtet, dass er automatisch Misstrauen in der Bevölkerung erzeugt und die Menschen dazu bringt, sich gegenseitig zu bespitzeln und zu denunzieren.

Die Menschen trauen sich nicht mehr, ihre Stimme gegen die Mehrheit zu erheben, und können sich aufgrund der Beschränkungen nicht mehr so gut organisieren. Es ist nicht schwer, solche Phänomene in der heutigen Situation zu erkennen, zusätzlich zu vielen anderen Merkmalen des entstehenden Totalitarismus.

Und die Blindheit, die die gesellschaftliche Konditionierung und Totalitarisierung mit sich bringt, wird denen die Schuld geben, die nicht mitmachen und/oder sich weigern, sich impfen zu lassen. Sie werden als Sündenböcke herhalten müssen. Es wird versucht werden, sie zum Schweigen zu bringen.

Und wenn das gelingt, kommt der gefürchtete Wendepunkt im Prozess der Totalitarisierung: Erst wenn er die Opposition vollständig ausgeschaltet hat, zeigt der totalitäre Staat seine aggressivste Form. Er wird dann — um es mit Hannah Arendt zu sagen — zu einem Monster, das seine eigenen Kinder frisst. Mit anderen Worten: Das Schlimmste steht uns vielleicht noch bevor. …“

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