Für einige begann der „Erkenntnisprozeß“ vielleicht erst im Jahr 2020, für andere vielleicht viel früher. Das spielt letztlich keine große Rolle für das, was ich hier schreiben will. Im Zwischenmenschlichen kann es allerdings schon eine große Rolle spielen. Diejenigen, welche sich schon lange mit „all diesen Themen“ beschäftigen, haben vielleicht einen Wissensvorsprung, den sie nicht als Podest nutzen sollten, um besser dazustehen, sich als etwas besseres zu fühlen, um auf die anderen herabzublicken, als seien diese kleine dumme Kinder. Es würde ihnen zur Ehre gereichen, wenn sie stattdessen ihr Wissen gerne den anderen anbieten, zur Verfügung stellen würden, ihnen dabei helfen würden, so manches herauszufinden, sie in die „Selbständigkeit“ zu begleiten, anstatt sie zu beleidigen. Diejenigen, welche noch nicht so lange mit „diesen Themen“ vertraut sind, sollten mutig und selbstbewußt so viel und so lange Fragen stellen, um immer mehr zu wissen und immer mehr zu verstehen. Sie sollten sich freuen, diesen neuen Weg gefunden zu haben, auch wenn sie erst wenige Schritte darauf gegangen sind, sich nicht schrecken lassen von der Fülle dessen, was sie gefühlsmäßig „noch zu lernen haben“. Zwischen beiden Gruppen besteht in einer Hinsicht kein Unterschied: sie sind alle Brüder und Schwestern und haben ein göttliches Wesen in sich, wenn ich das einmal so sagen darf. Und so sollten sie einander begegnen und zusammenarbeiten. Auf Augenhöhe, mit gleicher Würde, einander zugewandt, einander Wert schätzend.

Wir wissen es doch längst: es wird keine Regierung kommen, die dieses anordnet, die Behörden erschafft, um dies umzusetzen und so weiter. Wir müssen es selbst tun, ein jeder, und jeder genau da, wo er gerade steht. Wir haben zum Teil Jahrzehnte damit verbracht, diese Dinge zu lesen, zu lernen, zu diskutieren, und ja, wir sind in eine Falle getappt: wir haben sie zuletzt nur noch intellektualisiert. Wir haben uns damit beschäftigt mit unserem Verstand und uns darin wohl gefühlt. Mit Menschen darüber gesprochen, die das gleiche denken, das gleiche damit tun, sich gleich wohl damit zu fühlen. Und das wars auch schon. Es ist jetzt Zeit, es umzusetzen, ganz ohne Verordnungen von oben, ganz ohne staatliche Strukturen, ja, sogar ganz ohne Bezahlung! Wir müssen es ins Leben bringen, in den Alltag, all das, was wir wissen, was wir für richtig halten, was wir uns als Erneuerung ausgedacht haben, was wir als Ideal in uns tragen. Egal, was es ist: wenn es wirklich „gut“ ist, kann es sofort von jedem umgesetzt werden. Kann es das nicht, ist es nichts weiter als intellektuelles Hirngespinst.

„Ja, aber wie soll ich das denn machen?“, das ist, was immer als erster Einwand kommt, und es wird als Totschlagargument genutzt und an dieser Stelle ist das Gespräch dann auch zu Ende und die Tat wird nie getan. Und oft spüre ich, wie da Angst ist. Angst vor der eigenen Idee, vor dem eigenen Ideal, Angst davor, vielleicht erkennen zu müssen, dass man im Kopf ein Held ist und in der Umsetzung geradezu ein Grünschnabel. Wie gut! Daran kann man vielleicht erkennen, dass man sein eigenes Ego etwas zu sehr aufgebläht hat und die Würde der Mitmenschen, die keinen so großen Kopf, dafür die kräftigeren Hände haben, zu gering geschätzt hat. Und das ist richtig so, das zu erleben, denn daran erkennen wir, dass ein jeder gebraucht wird mit genau den seinen Fähigkeiten, und dass keiner der Bessere ist, dass alle gleich wertvoll sind. Daran fehlt es schon lange, sehr sehr lange. Es wird Zeit, das zu ändern.

Ich kann hier nur wenige Beispiele anbieten, doch kluge Menschen (1) werden verstehen und dies einfach auf ihren eigenen Bereich sozusagen übersetzen und und in die Tat umsetzen.

Wir wissen, oder wir können es wissen, dass die Welt sich gerade verändert, von oben verordnet, sozusagen. Sie wird zur Zeit in Trümmer gelegt. Trotz dem wir das wissen, verhalten wir uns wie der Vogel, der seinen Kopf in den Sand steckt. Wir leben unser Leben und unsere „Über“ – Zeugungen einfach weiter. Wir bemühen uns geradezu verzweifelt, unsere Grundschulkinder mit der sogenannten Heimbeschulung aufs Abitur vorzubereiten, die Noten müssen stimmen, damit später Jura studiert werden kann. Es wird vielleicht kein Abitur mehr geben und auch kein Studium, wenn unsere Kinder „so weit“ sind. Was tun wir da also? Wir erfüllen Systemvorgaben, die uns einschläfern, uns beschäftigt und gehorsam halten. Wir können es anders machen:

Ich behaupte einmal, etwa neuzig Prozent der „Hausaufgaben“ der Heimbeschulung sind nicht lebensnützlich und auch nicht lebenstauglich, vor allem nicht in einer Zeit wie dieser, in der das Leben faktisch verboten ist, das echte Leben, welches uns „gesund und am Leben“ erhält. Kinder brauchen echtes Leben. Sie brauchen kein totes Wissen, welches man in ihre Hirne stopft.

Macht Schule selbst! Backt mit ihnen ein echtes Brot. Setzt Sauerteig selbst an, findet zusammen mit den Kindern heraus, wie das geht, woher das Mehl kommt, welche Getreidesorten es gibt und wofür sie sich jeweils eignen. Findet mit ihnen heraus, was eine lebendige Pflanze ist, was sie braucht, wie Getreide in der konventionellen Landwirtschaft angebaut wird und wie in einer biologischen oder Demeterlandwirtschaft und was der Unterschied ist, wenn wir das essen. Wie viel Leben ist da jeweils noch drin? Solche Fragen kann man bewegen. Das ist eine sehr wertvolle Unterrichtseinheit! Nebenbei kann man das Rezept ändern. Wir wollen also nicht 1000 Gramm Mehl nehmen, sondern 1500 Gramm, dann haben wir 2 Brote und können eins zu Oma bringen. Das ist schon einmal die erste Botschaft: wir backen und denken nicht nur für uns, wir denken auch an andere. Und jetzt: wie viel Wasser brauchen wir hierfür? Der Dreisatz wird jetzt ganz anders gelernt als aus dem trockenen Rechenbuch.

Die Kinder werden danach nicht dümmer sein als „beschulte“ Kinder, sie werden klüger sein, sie werden lernen, an andere Menschen zu denken, sie werden lebenstauglicher sein. Und sie werden etwas mit ihren eigenen Händen gemacht haben, es wird ein Produkt geben! Sie lernen, dass man die Hände auch für anderes benutzen kann als eine Maus und den Rechner damit zu bedienen. Aus dem Drucker kommt nämlich kein Brot und es gibt da nichts zum Abendessen. Und sie haben etwas für die Familie beigetragen, sind nützlicher Teil der Gemeinschaft. Für das ein oder andere Kind eine ganz neue Erfahrung. Das ist die Grundlage von Gesundheit und Glück! Das ist auch „Salutogenese“, die Lehre davon, wie man Gesundheit erlangt und erhält, nicht zuletzt durch Selbstwirksamkeit, durch die Erfahrung der eigenen Nützlichkeit für die Gemeinschaft, das Glück, etwas erschaffen zu haben, zusammen mit anderen.

Vielleicht braucht in der Nachbarschaft jemand ein Hochbeet oder einen Kompostbehälter. In dieser Krisenzeit denken viele Menschen daran, ihren Garten vielleicht ganz neu zu nutzen. Und zufällig ist man handwerklich geschickt. Na dann! Ran an den Speck. Am besten, wie immer: die Kinder mit einbeziehen. Es zeigt sich ja deutlich, dass es nicht gut ist, wenn Kinder in einer Art Parallelwelt heranwachsen. Ja, es dauert länger, all das Erklären, das Zeigen, wie man mit einem Hammer, mit einer Säge umgeht. Man kann sogar vorab gemeinsam einen Bauplan zeichnen! Was für eine tolle Schule! Und die Zeit, die man braucht…., Hand aufs Herz! Die „fehlt“ einem doch oft nur in der Zeit, die man vor dem Fernseher oder am PC hockt oder Prospekte mit Sonderangeboten blättert. Und diese Zeit des gemeinsamen Schaffens macht glücklich. Und die Kinder, sie sind immerhin unsere Zukunft. Wünschen wir ihnen für ihre Zukunft nicht das Beste? Dann schenken wir ihnen doch hierfür unser Bestes: unsere Zeit, unsere Erfahrung, unsere Fertigkeiten, unsere Zuwendung. Nebenbei bemerkt: man kann seinen Mitmenschen durchaus auch etwas schenken, man muß nicht alles „aufrechnen“. Die Frage: „Was hab ich davon, anderen zu schenken?“ stellt sich jetzt, nach dem bisherigen, was ich geschrieben habe, hoffentlich nicht mehr. Man hat mehr davon als Geld! Wer nur Geld will, verdient auch nichts weiter als Geld.

Vielleicht ist man Steuerberater oder geschickt im Umgang mit Amtlichem, Formulare etwa. So kann man vielen Menschen damit helfen, man braucht sich nur in seinem direkten Umfeld umschauen. Als „Dank“ kann man um eine Einladung zum Abendessen bitten. Ja, Sie haben richtig gelesen. My Home is My Castle – kann man einmal die Zugbrücke runterlassen? Kann man es wagen, eine fremde Burg zu betreten, wo die Menschen dort vielleicht ganz anders leben als man selbst? Kann man seinen Horizont erweitern, feststellen, dass diese Menschen auch Menschen sind?Es muß kein Festessen sein, es kann ganz einfach sein, aber mit Liebe gekocht. Dann sitzt man beisammen, lernt einander auf der menschlichen Ebene kennen, nicht nur auf der Sachebene. Oder möglicherweise kann man etwas für jemanden tun und bittet darum, dafür einem das Fahrrad frühjahrsfit zu machen. Man kann jemandem anbieten, beim Reifenwechsel am Auto zu helfen. Oder die Apfelbäume mal zu beschneiden.

All das „kann man nicht“? Na, dann weiß ich Abhilfe: gibt es da Kinder, denen man regelmäßig etwas vorlesen kann, aus einem echten Buch? Gibt es einen alten Menschen, der allein lebt, den man mal besuchen kann oder mit ihm auf einer Bank in der Sonne sitzen kann, um mit ihm zu sprechen, einander zu erzählen? Kann man Socken stricken und dies einem jüngeren Menschen beibringen, bevor diese Fertigkeit „ausstirbt“? Geht jemand in der Nachbarschaft immerzu allein spazieren und würde sich ab und an mal über nette Gesellschaft freuen?

Wer denkt heute, in dieser Krisenzeit, wirklich noch, diese Dinge seien belanglos? Wir haben alle schmerzlich erfahren, was „die Maßnahmen“ mit uns machen, wir haben alle spüren müssen, wie es ist, voneinander so distanziert, ja, regelrecht isoliert, abgeschnitten zu sein. Dass es genau diese Dinge sind, die „das Leben“ eigentlich ausmachen. Und wir reden immerzu, wie sehr es fehlt, wie es uns regelrecht kränkt. Jetzt brauchen wir nur ein klein wenig Mut, es selbst in die Hand zu nehmen, auf Menschen zuzugehen, ganz anders mit ihnen umzugehen. Die gute Botschaft ist: der Mut wächst, in dem man ihn anwendet. Und der Lohn ist groß. Wir werden vielleicht in diesen Momenten, wo wir genau das wirklich leben, erkennen: wir sind gerade sogar glücklicher als vorher, vor der Krise. Wo wir nämlich oftmals all das vor lauter Hamsterrad und Unachtsamkeit versäumt haben.

Es ist jetzt die Zeit, in der wir alle miteinander in Freiheit, aus eigenem freien Willensentschluss, das Leben mit und zwischen uns Menschen neu ordnen, im Alltag, im Wirtschaften, in allen Lebensbereichen. Es sind genau diese beschriebenen Dinge, die unser Mensch – Sein ausmachen. Und genau an dem Fehlen derselben leiden wir, wir sehnen uns danach, bewußt oder unbewußt. Und nicht erst seit der „Krise“, sondern schon lange, doch jetzt ganz besonders.

Ach ja, bevor ich es vergesse zu erwähnen: ich würde mich freuen, wenn jemand mit mir spazieren ginge, ab und zu. Ich könnte auch mal wieder ein Paar schön gestrickte Wollsocken gebrauchen. Ich bin nämlich nur noch am Löcher stopfen. Oder ist da jemand, der mit mir gemeinsam singen würde, zwischendurch einmal? Vielleicht ist einer ein Musikant und spielt mir mal etwas vor, was meine Seele ein wenig streichelt und erhebt. Ich könnte dann auch einen Kuchen backen oder ein Abendessen kochen. Mit Liebe, natürlich!

(1) Ich nutze in meinem Text weder Gender noch andere Formulierungen, die den Text unlesbar machen und zudem vom Thema ablenken. Kluge Menschen sind diejenigen, welche ihren gesunden Menschenverstand nutzen können, ob sie nun studiert haben oder Handwerker sind, ob sie nun jugendlich oder erwachsen sind. Und ich mache auch keine Verrenkungen, um „alle Menschen anzusprechen“, in dem ich „Menschen (w,m,div,*)“ schreibe. Wer jugendlich ist, wird sich wie ein Jugendlicher benehmen, ein Erwachsener wird sich erwachsen benehmen, ein Mann männlich, eine Frau weiblich, Diverse vielleicht divers und Sternchen, na, Sie wissen, was ich meine. Diese Verrenkungen bewirken überhaupt nichts in der Welt, und eine Veränderung oder gar Revolution schon gar nicht. Ich mache im Text nicht einmal den Unterschied zwischen „Kindern und Jugendlichen“. Kluge Jugendliche mögen es begreifen, dass sie keine Kinder mehr sind und ihre Rolle und Aufgabe in ihrer Lebensphase erkennen oder erfühlen.

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