Es genügen schon die sogenannten Nachrichten aus aller Welt, die uns rund um die Uhr überfluten, wenn wir das nicht bewußt abschalten. Hinzu kommen noch Steitereien und Gezänke, wohin man auch schaut. Momentan fällt mir auf, dass die Nerven der Menschen blank liegen müssen.

Sogar jene, die ich als besonnene Mitmenschen kenne, Menschengruppen, die sich für das Gute einsetzen wollen, verfangen sich zunehmend in Streit, Mißgunst, Häme gegen andere und verpulvern viel von ihrer Kraft und Zeit damit, auf anderen herumzuhacken. Sei es mit Mißgunst oder Konkurrenzkämpfen, wo es gar nichts zu konkurrieren gibt. Man wollte doch zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen, die Begabungen eines jeden bestmöglich für die Sache nutzen. Will man darauf aufmerksam machen, ruft man danach, wieder an die eigentlichen Ziele zu denken, kann man sich eines sicher sein: Es gibt Prügel, denn diese Wahrheit scheint nicht leicht verdaulich zu sein.

Eine sehr bekannte Geschichte

Eines Abends erzählte ein alter Indianer seinem Enkel vom Kampf, der in jedem Menschen tobt:
„In unserem Herzen leben zwei Wölfe. Sie kämpfen oft miteinander.

Der eine Wolf ist der Wolf der Dunkelheit, der Ängste, des Misstrauens und der Verzweiflung. Er kämpft mit Zorn, Neid, Eifersucht, Sorgen, Schmerz, Gier, Selbstmitleid, Überheblichkeit, Lügen und falschem Stolz.

Der andere Wolf ist der Wolf des Lichts, des Vertrauens, der Hoffnung, der Freude und der Liebe. Er kämpft mit Gelassenheit, Heiterkeit, Güte, Wohlwollen, Zuneigung, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit, Mitgefühl und Zuversicht!“

Der kleine Indianer dachte einige Zeit über die Worte seines Großvaters nach und fragte ihn dann: „Und welcher Wolf gewinnt?“

Der alte Indianer antwortete: „Der, den du fütterst.“

Die Wölfe in dir

Jeden Tag ringen wir mit beiden Wölfen und füttern einmal diesen und einmal jenen. Dieser Kampf, der stattfindet im Außen, er ist genau genommen ein Kampf in jedem Menschen mit seinen inneren beiden Wölfen! Oft sind wir nicht bewußt genug in unseren Gedanken, Gefühlen, mit unserer Rede und mit unseren Taten. Wie schnell passiert es, dass wir viel Zeit des Tages damit verbringen, Negativität in uns hineinzusaugen. Hinzu kommen noch unfreundliches Kommunikationsverhalten. So schnell geschehen heute Unterstellungen und Vorwürfe, wo mit ein wenig Achtsamkeit doch erkannt werden könnte, dass man ein gemeinsames Ziel hat und die Menschen eben verschieden sind und das auch sein dürfen. Viel zu schnell rutschen heutzutage unschöne Wörter raus, die nichts Gutes bewirken. Da muß ich mich selbst auch manchmal an der eigenen Nase fassen.

Ich beobachte eine seltsame Art der Rechthaberei. Ist man mit jemandem nicht einer Meinung, entsteht so schnell ein Konflikt, der gar nicht sein müßte. Dann wird „gekämpft“ ums Recht haben. Das Traurige daran ist, dass es nicht einmal dann ein Ende damit gibt, wenn einer bereit ist, einzulenken oder einfach aufzuhören. Jetzt wird noch nachgetreten, und nochmal, und dann nochmal. Besonders schade ist es in Gruppen, die ein edles Ziel verfolgen. Es sind keine bösen Menschen, doch sind sie unbewußt, geschwächt durch einen langen Kampf gegen diese Dunkelheit, die uns alle so sehr bedroht seit einiger Zeit. Sie wissen nicht oder haben vergessen, dass sie den bösen Wolf damit füttern.

Wir müssen bewußter werden. Selbstkritischer. Es wäre wirklich gut, zu lernen, „es auch einmal gut sein zu lassen“, Dinge auch einmal stehen zu lassen. Vielleicht kann man mal eine Nacht darüber schlafen, bevor man neue Patronen reinschiebt in das Gewehr.

Futter für die Dunkelheit oder Futter für das Licht?

Die Dunkelheit ernährt sich von all dem Gezänke und der Negativität. Wir sollten ihr gezielt und vollbewußt die Nahrung entziehen. Man kann tagsüber immer wieder darauf achten, womit man gerade beschäftigt ist. Oder man schaut am Abend noch einmal auf seinen Tag zurück. Hat man festgestellt, zu viel Futter dem Falschen hingeworfen zu haben, nimmt man sich das für den nächsten Tag vor, genau an diesen Stellen, in diesen Situationen aufmerksamer zu sein, es anders, besser zu machen.

Stellt man fest, dass man es auch hin und wieder geschafft hat, den guten Wolf zu füttern, bekräftigt man das nochmal mit seiner Aufmerksamkeit und nimmt sich vor, noch mehr davon zu tun – gleich morgen!

Vergiß nicht, die Freude zu füttern, singe dem guten Wolf deine schönsten Lieder vor und höre mit ihm Musik, die die Seele erbaut. Laß den guten Wolf mit dir und den Kindern mitspielen, nimm ihn auf deinen Spaziergang in die Natur mit. Lade ihn mit ein, wenn du liebe Menschen einlädst zu dir nach Hause. Feiere mit ihm das schöne Leben. Versprich ihm, täglich so oft wie möglich andere Menschen zu loben, ihnen Anerkennung zu schenken, sie anzulächeln, gute Worte zu ihnen zu sagen. Gib ihm so richtig zusätzliche Nahrung, in dem du ganz bewußt einmal einen sinnlosen Streit vermeidest oder schlichtest oder darauf verzichtest, das letzte Wort zu haben, unbedingt Recht haben zu müssen.

Heißt das, man soll das Böse ignorieren? Nein, ganz und gar nicht. Du sollst nicht danach süchtig werden. Erkenne es, benenne es, kämpfe dagegen. In meinem Artikel „Ent – Machtung der Dunkelheit“ https://www.hexen-heuler.de/ent-machtung-der-dunkelheit/ habe ich das aufgezeigt. Doch das bedeutet ja nicht, dass du dich Tag und Nacht damit berieseln sollst. Tu, was nötig ist, kümmere dich um Wissen und Wahrheit, handle entsprechend. Komme deiner Verantwortung nach, das Böse zu bekämpfen. Und dann laß los und wende dich wieder dem guten Wolf zu. Und vergiß das Leben nicht.

Fürsorge füttert den guten Wolf

Fürsorge bedeutet: Wem hilfst du beim Wachsen? Worauf fokussierst du dich? Das wird wachsen. Kümmerst du dich genug um etwas Schönes, pflegst du es ausreichend, damit es entstehen kann? Bist du wohlwollend und unterstützend? Beschützt du es auch, wenn es bedroht oder angegriffen wird?

Wenn du etwas gutes erschaffen willst: konzentriere dich darauf, pflege es, füttere es.

Sei mit dem ganzen Herzen dabei! Dann nimm das Wissen des Verstandes und den ganzen Mut, und komme in die Handlung, in das entsprechende sinnvolle Verhalten. Das ist Bewußtsein.

Wir sind als Menschheitsgemeinschaft deshalb in einer solchen Not gelandet, weil die Menschen sich um nichts mehr kümmern wollen. Um sich selbst nicht und um die Welt und die Mitmenschen nicht. Nicht nur von New Age – Anhängern bekommen wir pausenlos eingeträufelt, nichts zu tun, nichts tun zu müssen. Wir konsumieren doch hauptsächlich nur noch und schauen nur noch auf uns, um uns selbst zu hätscheln. Wir erschaffen nicht, sind nicht verantwortlich, handeln kaum noch. Faulheit, Feigheit, Gleichgültigkeit und Ignoranz sind das Gegenteil von Fürsorge.

Werde jetzt fürsorglich. Sei verantwortlich, kümmere dich! Und füttere den guten Wolf.

Wir selbst müssen die

Veränderung sein,

die wir in der Welt sehen wollen.

(Mahatma Gandhi)

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