Zugegeben: ich bin ein Liebhaber von schönen Rittergeschichten und Büchern, in welchen es Wesen oder Völker gibt mit edler Gesinnung und ebensolcher Sprache. Ritter konnte man offenbar nur werden, wenn man bewiesen hatte, dass man die Rittertugenden verinnerlicht hat und diese lebt. Und heute begegne ich Menschen, die eine Art nostalgische Sehnsucht haben nach den „Guten alten Zeiten“, in welchen die Welt noch in Ordnung schien (Da gehöre ich wohl auch dazu). In welchen der Mensch noch wußte, wie er sich zu benehmen hat, zu welchem Volk er gehört, welches Land sein Vaterland ist und seine Muttersprache in Ehren hält. Das fällt uns Deutschen sichtlich schwer, nicht einmal die genannten Begriffe kommen uns geschmeidig über die Lippen, geschweige denn, dass sie unser Herz wärmen, wie es allen anderen Völkern der Welt gestattet ist, ganz unabhängig von ihrer Geschichte und Vergangenheit.

Nostalgisch“ – diesen Begriff schreibe ich absichtlich, denn tatsächlich habe ich nach Worterklärungen zu mancher Tugend gesucht und dabei stand hin und wieder: „…überholt“. Was soll das heißen: „überholt“? In meinem Artikel „Seele in Isolationshaft (https://www.hexen-heuler.de/seele-in-isolationshaft/) habe ich erwähnt, wie George Orwell in seinem Roman „1984“ genau beschrieben hat, wie man Menschen ent-menschlicht. Man beginnt mit der Zerstörung der Sprache, so, dass der Mensch die Fähigkeit des Denkens und dann des Fühlens verliert und damit auch sich selbst und seine Anbingung an die geistige Welt – seiner eigentlichen Heimat. Übrig bleiben Maschinenwesen. Wir leben mitten drin, in dieser bösen Geschichte und bemerken es wohl nicht.

Weil es sich lohnt, dafür zu kämpfen….

Unsere Sprache wurde die letzten Jahrzehnte schleichend verändert und zuletzt böse zensiert und umgestaltet. Wörter, die das Wesentlichste des Mensch – Seins ausmachen, sind nun „überholt“, also veraltet, altmodisch. Und unsere Muttersprache wurde zur Unkenntlichkeit verfälscht. Es fehlen die Wörter und deren lebendige Inhalte in unserem Sprachgebrauch, und nicht nur für die Tugenden, und man kann feststellen: die Tugenden selbst sind auch schon nahezu verschwunden. Und warum? Weil sie die Menschen kräftigen und ermutigen, weil sie dafür sorgen, dass sie miteinander verbunden sind und bleiben können, sich füreinander einsetzen und einander schützen. Weil sie das Volk erst zum Volk machen, weil sie Identität herstellen, weil sie Charakter bilden und stärken, weil sie Grundlage der Kultur sind. Weil sie den Grund bilden und der Grund sind, für den es sich lohnen könnte, zu kämpfen.

Was sind Tugenden?

Ich frage das Internet und bekomme folgende Antwort:

Der Begriff Tugend bezeichnet im allgemeinen Sinne, die gute Eigenschaft oder vorbildliche Haltung einer Person sich gemäß einzelner Werte zu verhalten. Ein tugendhaftes Leben zu führen bedeutet umgangssprachlich, das zu tun, was gut und erstrebenswert ist, und das zu vermeiden, was schlecht und nicht verträglich ist. Tugenden werden in der ethischen Bildung als erstrebenswert geltende Charaktereigenschaften von Personen verstanden, um das sittlich Gute zu verwirklichen.“

Werte sind tief-verwurzelte, bedeutsame und durchdringliche Überzeugungen, Haltungen (Einstellungen), Ideale und Bedürfnisse, welche gewöhnlich von den Mitgliedern einer Gesellschaft auf unbestimmte Zeit individuell geteilt werden und zumeist das unvermeidlich Gute oder Schlechte betreffen. Sie tragen im Wesentlichen zum Charakter, der Identität und Kultur des Menschen bei. Wir verstehen die Welt um uns herum durch Werte und orientieren uns an Ihnen. Auch in den unvermeidlichen Fragen und Herausforderungen, mit denen wir als Menschen in unserem Leben konfrontiert werden, wie: Was möchten wir für uns und was möchten wir für andere, was ist zu tun und wie sollten wir uns verhalten?“

Schau ich auf Deutschland in der Nacht …..

. bin ich um den Schlaf gebracht. Wollen wir wieder in unsere Kraft kommen, wollen wir wieder das Volk sein mit all den schönen und edlen Eigenschaften, das wir einmal waren, was uns ja in die Seele eingeschrieben ist, wird es nötig sein, wieder zu begreifen, was der Inhalt dieser „Tugend-Wörter“ ist. Dann werden wir wohl nicht darum herumkommen, uns in Selbsterziehung diese Tugenden wieder anzueignen, zum Leben zu erwecken. Ansonsten bleibt der Nostalgische Ruf einfach nur deppert. Niemand wird kommen, und uns zu den Menschen machen, die wir so gern sein wollen. Das müssen wir schon selbst tun. Die gute Nachricht lautet: Dies ist keine Strafarbeit, denn sie belohnt einen jeden, der sich auf den Weg macht. Wer nach Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde ruft, sei aufgerufen, sich selbst darum zu kümmern. Dies versteht jeder, der nach seinen eigenen Wurzeln ruft, nach der Kraft seines Heimatlandes und seines Volkes. Dies wird jeder wollen, der Knechtschaft abschütteln will.

Wie kommt man da hin?

Die Tugend bezeichnet ganz allgemein also die Fähigkeit und innere Haltung, das Gute, das einem zur innersten Natur geworden ist, mit Neigung, also leicht und freudig zu tun. Es geht also darum, sich zuerst selbstständig etwas zur eigenen Natur zu machen. Was gilt es also, sich zu erringen? Fangen wir doch einfach mal an. In der anthroposophischen Literatur finde ich dies (alle folgenden kursive Textabschnitte sind aus aunthroposophischer Literatur entnommen):

Der Mensch hat bestimmte Tugenden auszubilden, die er nicht außerhalb der Erdenpilgerschaft ausbilden kann. Sieben solcher Tugenden sind es. Mit den Anlagen zu diesen Tugenden kam der Mensch auf die Erde, und am Ende seiner Erdenpilgerschaft soll er diese sieben Tugenden voll entwickelt haben …“

Gerechtigkeit

Mäßigung – Urteilsenthaltsamkeit

Tapferkeit – Starkmut

Klugheit – Weisheit

Die Klugheit faßt alles das zusammen, was uns befähigt, über unsere irdischen Verhältnisse ein Urteil zu fällen und dadurch selbst einzugreifen in den Gang der irdischen Verhältnisse. Durch das Sich-Erarbeiten dieser Fähigkeiten gewinnt der Mensch die Kraft, durch die er kraftvoll und führend in die Welt eingreifen kann.“

Glaube

Hoffnung

Liebe

Wenn der Mensch in allem, was er sehen und hören kann, ein Sinnbild sieht für ein Ewiges, das es ausdrückt, dann hat er den «Glauben». Das Zweite ist, ein Gefühl dafür zu entwickeln, daß der Mensch nie auf dem Punkte stehenbleiben soll, auf dem er steht. Das ist die Hoffnung. Wir haben also den Glauben an das Ewige, und dann das Vertrauen, die Hoffnung auf die höhere Entwicklung. Die letzte Tugend ist die, welche als letztes Ziel unseres Kosmos auszubilden ist, es ist die Liebe. Deshalb nennen wir auch unsere Erde den «Kosmos der Liebe». Was wir in uns entwickeln müssen, indem wir der Erde angehören, das ist die Liebe, und wenn wir unsere Erdenpilgerschaft vollendet haben werden, dann wird die Erde ein Kosmos der Liebe sein. Die Liebe wird dann eine selbstverständliche Kraft aller menschlichen Wesen sein.“

In wenigen Worten bedeutet das:

Der Mensch bringt die Anlagen für Tugenden mit in sein Leben und bildet sie selbsttätig weiter aus bis zur vollen Entwicklung. Damit wird er fähig, richtige Urteile zu fällen und auf richtige Weise in die Geschehnisse der Welt gestaltend einzugreifen. Durch den Glauben an ein großes Ewiges strebt er voller (berechtigter) Hoffnung seine Vollkommenheit an, um das letztliche Ziel für sich zu erreichen: ein Wesen der Liebe zu sein in einem Kosmos aus Liebe.

Freier Wille zur Tat

Wir müssen das, was wir mitgebracht haben aus dem Geistigen, in die Wünsche hineingießen. Wenn ich das Höchste will, so muß ich das Höchste mit dem Wunsche umgeben.“

Mit ganzer Willens (Wünsche-) Kraft kann man also sich daran machen, seine Anlagen der Tugenden zu ergreifen und sie auszubilden. Es ist leichter als gedacht, das Schwierige ist nur, es zu tun, regelmäßig, wie man sich eine Regelmäßigkeit bei der Nahrungsaufnahme und beim Schlaf angewöhnt hat. Es sind alltägliche Aufmerksamkeiten, die man erbringen kann. Fängt man an einer Stelle an, erhält man reichen Lohn. Doch schnelle Ergebnisse darf man nicht erwarten. Immerhin: Beharrlichkeit und Durchhaltekraft sind ja auch Tugenden!

Übt man sich etwa in Ehrfurcht, entsteht daraus mit der Zeit die Tugend der Opferkraft.

Sorgt man sich darum, immer mehr in ein inneres Gleichgewicht zu kommen, wird man bemerken, dass man fähig wird, Fortschritte zu erreichen in seinem Leben und seiner Entwicklung.

Übt man Ausdauer, Standhaftigkeit und Durchhaltekraft (etwa damit, sich Tugenden zu erringen), führt das dazu, dass man die Fähigkeit zur Treue entwickelt.

Erlangt man ein gutes Maß an Selbstlosigkeit, stellt man fest, dass man sich zunehmend frei fühlt von seelischen Konflikten.

Das Entwickeln von Mitgefühl wird zur Freiheit.

Höflichkeit wird zu dem, was man früher „Herzenstakt“ nannte.

Zufriedenheit führt zu Gelassenheit.

Geduld wird – oh Wunder – zu Einsichtsfähigkeit.

Schafft man es, seine eigenen Gedanken zu kontrollieren („raus aus dem Gedankenkarussell und den ewig negativen Glaubenssätzen“) und seine Rede zu beherrschen („Hüte deine Zunge!“), entwickelt sich dadurch ein sicheres Wahrheitsempfinden.

Wer es täglich übt, seinen Mut zu stärken, wird mit Erlöserkraft belohnt, das sei die Fähigkeit, ins Paradies zurückzukehren.

Verschwiegenheit, Dinge bei sich behalten können, wird zu Meditaionskraft oder zur Fähigkeit, sich geistig frei zu machen uns sich zu öffnen.

Großmut wird zu Liebe.

An dieser Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, dass dies alles das ist, was der Christus uns vorgelebt hat. Er hat uns aufgefordert, ihm nachzufolgen. Und das ist, was unsere Seele will, weshalb sie hier her kam.

Empfehlung:

Also füge ich diese Übung mit in meinen Alltag ein, so ritualisiert, damit es nicht nach 3 Tagen schon wieder vergessen ist. Hierzu nehme ich mir 12 Karten und schreibe für jeden Monat des Jahres eine der zu erringenden Eigenschaften und fülle es mit allem, was mir dazu wesentlich erscheint. Wie es angegeben wurde, beginne ich im Monat Mai mit „Innerem Gleichgewicht“ und gehe Monat für Monat die Liste durch. Jeden Tag also, zum Frühstück, werde ich am Tisch dieses Kärtchen vorlesen und den Tag somit beginnen mit diesem Aufruf.

Folgendes wird auf meinem Kärtchen für Mai – Innneres Gleichgewicht – stehen:

Versöhnliche Grundstimmung mit den Mitmenschen und den Erscheinungen des Lebens –

In den Gedanken, in der Rede und in den Taten.

Unzufriedenheiten vorbeiziehen lassen.

Ausgewogenheit und Rhythmus einhalten (Anstrengung wechselt mit Entspannung …).

Geist, Seele und Körper gleichermaßen ernähren und pflegen.“

Um dies jahrelang durchführen zu können, wird sich wohl die Tugend der Ausdauer entwickeln müssen, welche die Basis liefert, um wahrhaft treu zu sein.

Fazit:
Was auch immer man davon halten mag: Das Schwärmen von guten alten Zeiten wird nicht helfen. Unsere Aufgabe ist es, das, was uns so schön und gut erscheint aus den guten alten Zeiten, uns selbst zu erringen. Sonst bleibt das Schwärmen nur lächerlich.

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