Dies ist mein Artikel zum heutigen Palmsonntag. Da uns unsere Spiritualiät geraubt und verboten wird, ein paar Worte hierzu: Die Palmweihe gehörte vor der Christianisierung, bevor sie in vielen Gegenden auf den „Palmsonntag“ gelegt wurde, zu den sogenannten heidnischen Gebräuchen im Frühjahr. Die geweihten Zweige sollten nicht nur das Haus vor Blitz und Feuer schützen, sondern sie wurden auch mit den Eierschalen (Eier sind Zeichen von Fruchtbarkeit) und den Kohlen der Feuer, welche den Winter austrieben, in den Ecken der Felder eingesteckt oder vergraben, um diese fruchtbar zu machen. Seit der Christianisierung gehört der Palmsonntag zur Karwoche, die Schicksalszeit des Christus. Deshalb hier ein Artikel über Schicksalsfragen.

Es gibt Lebenstatsachen, die wirksam werden mit unserer Ankuft in dieser Welt und auf jeden Menschen zukommen, gleichgültig ob Mann oder Frau und wo und wie man geboren wurde. Diese sind: Wir werden Krisen und Schicksalsschläge erleben, wir werden Krankheiten erleben und überwinden und letztlich werden wir sterben.

Das Schicksal hat 3 Stufen: Vererbung, Biographie und die Freiheit.

Woher komme ich?

Wenn wir von Schicksal sprechen, meinen wir oft, es sei schlecht, plagt uns, und wie toll könnten wir uns entwickeln ohne diese. Dieses Thema ist sehr umfangreich, wir können es deshalb nur streifen. Tatsächlich ist Schicksal unser bester Freund, wenn auch nicht unser bequemster, und er führt uns zur Freiheit und zur Entwicklung. Von Freiheit haben wir auch so unsere Idee, Freiheit ist jedoch, auf einen Satz reduziert das, was wir aus unserem Schicksal und aus unserem Leben machen. Es geht bei Freiheit nicht darum, wovor wir uns drücken können. Freiheit existiert nur in Verbindung mit Verantwortung. Und was uns selbst betrifft, ist Freiheit die Freiheit, die wir haben, um uns zu entwickeln und in der Welt zu wirken, mit Achtung vor der Freiheit aller anderen.

Menschen können als einzige Wesen auf der Welt durch ihr Denken die Zukunft vorwegnehmen, Ziele für ihr Handeln setzen. Und, natürlich: sich als „Ich“ wahrnehmen und sich selbst weiterentwickeln.

Jeder Mensch hat die Notwendigkeit, seine körperliche Natur anzunehmen, seine innere Prägung und hat die Möglichkeit, frei zu wählen, wie er mit dem umgeht, was ihm die Welt an Ereignissen entgegenträgt. Wir sind in allem frei, wie wir damit umgehen, sogar mit dem uns vorgegebenen Körper (ablehnen, annehmen, das beste draus machen…) und mit unserer Prägung durch Elternhaus, Erziehung, Ausbildung usw („Warum nur musste ich in dieser Familie zur Welt kommen???“). Alles kann man entweder erleiden, verfluchen oder man kann das beste draus machen, auf diese einem selbst ganz eigene Weise. Denn es ist wichtiger zu schauen, wohin es gehen soll, als sich damit aufzuhalten und zu hadern, woher man kommt.

Wohin geht meine Reise?

Immer gibt es auch Stolpersteine, etwa solche:

Versäumen, das bedeutet, habe ich die Möglichkeiten, etwas Sinnvolles zu tun und tue ich es aber nicht…, nicht umsonst sitzen wir jetzt alle in der von uns fabrizierten Patsche.

Gewalt, damit meint man, dass man der Welt etwas aufzwingt aus welchen Motiven auch immer, was sie nicht haben will. Oder auch, dass die Welt einem selbst etwas aufzwingt oder aufzwingen will.

Entscheidungen, dabei geht es darum, zu erkennen, dass wir immer mehr selbstauferlegten oder von außen auferlegten Sachzwängen ausgesetzt sind, Fremd- und Fernsteuerung. Dennoch haben wir alle immer wieder die Freiheit, ganz oder teilweise zu entscheiden, wie weit wir einsteigen in diese Zwänge und wie oft wir aussteigen. Dazu benötigen wir hohe Wachsamkeit und Mut, diese unsere Freiheit immer zu nutzen, um bewußt frei zu wählen, was wir tun, wer wir sein wollen.

Die erste entscheidende Stellungnahme zu dem Geschehen in der Welt ist nicht unser Handeln, sondern wie wir darüber denken. Zum Beispiel können wir einen Schicksalsschlag verfluchen oder ihn dahingehend untersuchen, wie er uns förderlich ist, obwohl, oder weil er so unbequem ist. Innere Freiheit im Denken schenkt uns eine Erfüllung und stärkt uns auch für freies Handeln.

Was den Menschen frei macht, ist also, kurz gesagt, seine Fähigkeit, durch das Denken seine Aufgabe im Leben, in der Welt zu erkennen und sie durch Handeln zu erfüllen, nicht aus Zwang, sondern aus Einsicht, und deshalb mit Freude und aus Freiheit.

Aber so frei ist er, dass er auch in Freiheit wählen kann, diese Freiheit nicht zu nutzen.

Der Klügere in mir…

Angenommen, in uns ist unser Alltagsbewußtsein und noch ein Bewußtsein, ein „Über-“ Bewußtsein, ein Klügerer, der uns zur Seite steht und den wir mit unserem Alltagsbewußtsein nicht bemerken, außer, wenn er uns etwas ins Leben stellt…, eine Art weisheitsvoller Führer. Dann kann man davon ausgehen, dass dieser Klügere gerade mit diesen unbequemen Dingen, Schicksal, Krisen usw, sogar auch Krankheiten, etwas für uns will. Er will uns wecken, wieder auf unsere einstmals gewählte „Spur“ zu kommen, eine Not zu wenden, er will uns fördern, damit wir in diesem Leben aus allem, was wir haben, das allerbeste machen. Wo die Herausforderungen am größten sind, wird das beste aus uns herausgelockt.

Für den Klügeren ist die Lebenslage, die gerade ist, immer die frei gewählte und beste.

Wenn es uns gut geht, haben wir keinen Anlaß, uns mit Fragen des Schicksals zu beschäftigen, mit unserem Leben, unserer Entwicklung, mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens. Wir haben keinen Anlaß, auch nur irgendwas zu machen, uns auf den Weg zu machen, es ist gemütlich und bequem. Deshalb sind wir immer dann sehr empört über diese Ungerechtigkeit, wenn der Klügere daher kommt und uns mit Schwierigkeiten beschenkt. Das Glück des Lebens scheint uns doch die Abwesenheit von Schmerz und Leid und Anstrengung, ja auch Abwesenheit von Veränderung zu sein. Jetzt müssen wir uns damit auseinandersetzen, wozu dieses Leid gut ist.… Denn eines ist sicher: Was sich nicht mehr verändert, wer sich nicht mehr ändern will, gehört in den Bereich des Todes.

Wenn ich mich dagegen wehre, damit hadere, dann verdopple ich das Leid, denn einmal leide ich, weil ich mich ärgere über diese ungerechte Behandlung des Schicksals, und dann leide ich, weil das Leid ja da ist und ich es abwehre, nicht damit umgehe, weil ich Veränderung und Wachstum zurückweisen will. Ich will die Not nicht wenden.

Wenn wir um den Klügeren in uns wissen, können wir uns fragen: warum schickt mir mein lieber Kluger eigentlich diesen Mist? Warum? Wozu?

Die Frage „warum“ bringt oft nichts. Scham oder Schuldgefühle helfen außerdem niemanden und wenden die Not nicht. Doch kann man daraus lernen, dieselben Fehler nicht zu wiederholen. Aber die Frage „wozu, wofür“ kann uns wirklich weiterbringen. Und jetzt habe ich wieder die Freiheit: Ich kann schimpfen, oder ich kann den Klügeren befragen, oder ich kann mich daran erinnern, dass dieses Leid vielleicht mich wecken soll oder nach dem Sinn meines Tuns die letzten Jahre zu fragen und vielleicht einen neuen Weg zu beschließen. Ich bin sogar so frei, zu entscheiden, dass ich das Leid willkommen heiße, und dankbar bin für die nun not-wendigen Veränderungen.

Manche Menschen haben es sich bequem eingerichtet und ersticken nach Jahrzehnten in ihrer Bequemlichkeit, werden biestig, nörgelnd, sind unglücklich. Ihr Unglück besteht vielleicht darin, dass sie es sich zu bequem gemacht haben. Sie können und wollen sich nicht weiterentwickeln, sich keiner Herausforderung stellen. Sie verweigern vielleicht auch eine Aufgabe in der Welt. Wie kann es einem so bequem und langweilig sein, wenn Menschen verhungern, ertrinken, leiden um sie herum? Doch das ist ein Faß, welches ich heute nicht aufmachen muß.

Und Krankheit? Was ist damit? Das ist doch so nutzlos wie nichts sonst auf der Welt?

Auch hier geht es darum, damit zu ringen, Kräfte zu entwickeln, sich mich seinem Körper auseinanderzusetzen usw. Natürlich soll man alles zur Genesung tun, aber es wird besser gelingen, auch eine chronische Sache ins Leben besser zu integrieren, wenn man es nicht nur verflucht, sondern „das beste draus macht“.

Und der Klügere in uns weiß, dass das Ringen um Gesundheit, das Ringen mit dem Leid und Schicksal Nahrung für unsere Seele und unsere Entwicklung ist, und unsere inneren Kräfte trainiert.

So ringen wir heute, doch irgendwie anders: Da ist etwas Entscheidendes geschehen, lange im Geheimen vorbereitet und nun sich offenbarend. Seit über einem Jahr sind wir entsetzt und wie in Schockstarre.

Wie konnte das alles nur geschehen?

In kaum einem Zeitalter haben die Menschen in so angenehmen Verhältnissen gelebt und waren dabei so verzweifelt! Darum eilen sie so lange schon von Sensation zu Sensation, von Genuss zu Genuss, von Vergnügen zu Vergnügen und bleiben leer, gelangweilt, hungrig, öde.

Und nun hat uns alle, die gesamte Menschheit, das Schicksal „Corona“ und „psychologischer Krieg gegen die Menschheit“ aufgezwungen. Die Frage stellt sich wirklich, ob dies schicksalshaft ist. Oder ist es einfach nur ein Ergebnis einer jahrzehntelangen Weigerung der Menschheit, ihr Schicksal anzunehmen und die Konzequenzen aus diesem langen Fehlverhalten zu tragen, die Not nun endlich zu wenden, die selbst produzierte? Auch das ist Schicksal: Konfrontation mit dem selbst Erschaffenen.

In fast allen Artikeln hier auf diesem Blog schreibe ich über diese Dinge. Über die menschengemachten Systemfehler, die zu diesem menschenverachtenden System führten. Über die Versäumnisse durch bequemes und verantwortungsloses Wegschauen und Wegducken. Über das ewige Jammern auf allen Kanälen. Heute lasse ich das und gebe Raum für eine Geschichte, in der alles drin steht, was uns allen helfen könnte.

Corona“ oder: Die volle Ladung

Es gibt eine schöne Geschichte von Ajahn Bram:

Eine Wagenladung voller Mist
Im Leben gibt es immer auch unangenehme Dinge – und der einzige Unterschied zwischen einem glücklichen Menschen und einem Deprimierten besteht in der Reaktion auf Unheil. Stellen Sie sich jetzt vor, dass Sie mit einem Freund einen herrlich entspannten Nachmittag am Strand verlebt haben. Und als Sie nach Hause kommen, entdecken Sie, dass irgendjemand eine ganze Wagenladung voller Dung direkt vor ihrer Haustür abgeladen hat. Über diesen Misthaufen sollten sie folgendes wissen:
1. Sie haben ihn nicht bestellt. Es ist nicht ihre Schuld.
2. Sie haben ihn jetzt am Hals. Niemand hat gesehen, wer ihn abgeladen hat, also können sie auch niemanden auffordern, ihn wieder wegzubringen.
3. Er ist dreckig, widerlich und ekelhaft. Sein Gestank zieht langsam durch Ihr ganzes Haus und ist so unerträglich, dass sie kotzen könnten.

In dieser Metapher steht die Wagenladung voller Mist für all’ die traumatischen Erfahrungen, die das Leben über uns auskippt. Genau wie bei der Mistladung müssen wir auch drei Dinge über die Katastrophe in unserem Leben wissen:

1. Wir haben sie nicht bestellt. Wir fragen “Warum ich??”
2. Wir haben sie am Hals. Keiner, nicht einmal unsere besten Freunde, kann sie uns wegnehmen (obwohl sie es vielleicht versuchen)
3. Sie ist grauenvoll, ein solcher Zerstörer unseres Glücks, dass der Schmerz unser ganzes Leben ausfüllt. Sie ist einfach nicht zu ertragen.

Wenn man eine solche Wagenladung voller Mist am Hals hat, gibt es zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren. Die erste besteht darin, dass wir den Mist mit uns herum schleppen. Wir stecken etwas davon in unsere Taschen und unter unser Hemd. Ja, wir schütten sogar etwas davon in unsere Hosen. Und wenn wir dann mit diesen Miststücken herumlaufen, stellen wir fest, dass wir eine Menge Freunde verlieren. Sogar die besten Freunde scheinen sich nicht mehr so oft sehen zu lassen.

“Den Mist herum tragen” ist eine Metapher für das Versinken in Depressionen, für negative Gedanken oder Wut. Eine ganz natürliche Reaktion auf Widrigkeiten des Lebens. Aber wir verlieren viele Freunde und es ist ja völlig verständlich, dass sie nicht mehr viel mit uns zu tun haben wollen, wenn wir dauernd wie 7 Tage Regenwetter herumlaufen. Schlimmer noch, der Misthaufen wird dabei nicht abgetragen, sondern reift gemütlich heran, so dass sein Gestank immer unerträglicher wird.

Zum Glück gibt es einen zweiten Weg…

Wenn jemand eine Wagenladung voller Mist vor unserer Haustür abkippt, dann entfleucht uns ein Seufzer und wir machen uns an die Arbeit. Schubkarre, Mistgabel und Spaten werden hervorgeholt. Wir schaufeln den Mist in die Karre, fahren sie hinters Haus und verbuddeln das Zeug im Garten. Das ist eine anstrengende und ermüdende Arbeit, aber wir wissen, dass uns keine andere Wahl bleibt.

Manchmal schaffen wir nur eine halbe Schubkarre pro Tag. Doch wir unternehmen etwas gegen das Problem, anstatt so lange mit ihm zu hadern, bis wir schließlich in der Depression landen. Tagein, tagaus, laden wir Dung in die Schubkarre und jeden Tag wird der Haufen ein Stückchen kleiner. Manchmal brauchen wir mehrere Jahre, aber irgendwann kommt ein Morgen, an dem der Misthaufen vor unserer Haustüre verschwunden ist. Außerdem hat sich in einem anderen Teil unseres Gartens inzwischen ein wahres Wunder ereignet. Die Blumen entfalten sich zu ihrer vollsten Pracht und ihr Duft erfüllt die ganze Umgebung, so dass Nachbarn und sogar Passanten vor Freude zu lächeln beginnen. Der Obstbaum in der Ecke kippt beinahe um, so reich ist er mit Früchten gesegnet. Er trägt so viele, dass wir sie mit unseren Nachbarn teilen und sogar Vorübergehenden den Geschmack dieser Wunderfrüchte zuteil kommen lassen können.

“Den Mist eingraben” ist auch eine Metapher. Damit heißen wir das Unheil als Dünger des Lebens willkommen. Die Arbeit müssen wir schon allein erledigen, keiner kann uns dabei helfen. Aber wenn wir den Mist tagaus, tagein in den Garten unseres Herzens eingraben, können wir langsam den Berg voller Schmerz abtragen. Vielleicht werden wir dafür Jahre benötigen, aber der Morgen wird anbrechen an dem wir den Schmerz in unserem Leben nicht mehr sehen und merken, dass sich in unserem Herzen ein Wunder ereignet hat. Blumen der Güte stehen in voller Pracht. Der Duft der Liebe erfüllt die Umgebung, unsere Nachbarn, unsere Beziehungen und sogar die Menschen, die am Garten vorübergehen. Dann neigt sich der Baum der Weisheit in der Ecke zu uns herab, überladen mit den süßen Einsichten in das Wesen des Lebens. Wir verteilen diese köstlichen Früchte großzügig, und sogar der zufällige Passant kriegt welche ab, auch wenn wir das gar nicht beabsichtigt haben.

Wenn wir den Schmerz der Tragik erfahren, seine Lektion gelernt und unserem Garten angelegt haben, können wir bei großen Tragödien einander umarmen und sagen “Ich weiß”. Und der andere wird begreifen, dass wir ihn wirklich verstehen. Das Mitgefühl setzt ein. Wir zeigen ihm die Schubkarre, die Mistgabel, den Spaten und ermutgien ihn zu grenzenlosem Eifer.
Wir könnten diesem Menschen allerdings unmöglich helfen, wenn wir nicht schon zuvor unseren eigenen Garten bestellt hätten.

Die Moral von dieser Geschichte könnte folgendermaßen lauten:
Wenn Sie der Welt dienen, den Pfad des Mitgefühls folgen wollen, dann sollten Sie angesichts der nächsten Tragödie in ihrem Leben vielleicht sagen: “Aber hallo! Endlich wieder mehr Dünger für meinen Garten!!”  “

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