Man kann ja viel lernen, in dem man einfach nur Menschen beobachtet oder ihren Gesprächen zuhört. Zum Beispiel lernt man viel über diese Menschen, man kann sie besser kennenlernen. Deshalb sagt man ja auch, der beste Gesprächspartner sei derjenige, der nicht selbst spricht sondern nur zuhört. Ob das dann allerdings langfristig immer ein echtes Gespräch ist, wage ich zu bezweifeln. Doch scheint es so, dass es genau das ist, was Menschen oft gerne wollen. Und es heißt, es sei unhöflich, auf Denkfehler hinzuweisen oder gar auf Lügen.

Reden ist Silber
und schweigen ist Gold
wer Gold hat kann schweigen …

Dass die Welt zuletzt höflich gewesen wäre oder gar unbemerkt von mir geworden ist, glaube ich jetzt nicht so ganz, denn ich höre und lese und sehe eher das Gegenteil. Das Schweigen zu Denkfehlern oder Lügen fällt mir immer noch sehr schwer, meistens mache ich dann meinen Mund auf, und Zack, ist es wieder einmal so weit. So war es auch neulich, als es um ein bestimmtes Thema ging, wobei behauptet wurde, nur die Liebe könne alles richten und sei der einzig gültige Weg – was auch immer ein jeder so unter Liebe versteht. Mir kam es eher so vor wie eine Art New Age Bullshit, wie ich das inzwischen nenne: Eine Verweigerung der Pflicht, gegen Unrecht und Gewalt einzuschreiten – nicht nur mit Blümchen und Herzchen.

… doch wer hat gewollt
dass Du nach der Weise entmündigter Greise
nur heimlich und leise das Unrecht verfluchst
denn schweigst Du nur immer
wird alles nur schlimmer
siehst nie einen Schimmer vom Recht das du suchst

So tat ich also meinen Mund auf mit der zu erwarteten Reaktion. Anschließend hat es mich noch eine Weile beschäftigt. Es ging darum, eine süßliche rosarote Vorstellung von Liebe zu hätscheln und sich damit edel und gut zu fühlen – angesichts dem Zustand, der in der Welt nun einmal herrscht – sichtbar für jeden Menschen. Es steht auf Messers Scnneide, obwohl noch niemals in der Geschichte die Menschheit so nah dran war, die Kontrolle über ihren Planeten zurückzuerobern. Falls sie endlich in die Puschen kommt und es endlich sein läßt, die Wahrheit zu verweigern und sich in Schein – Heiligkeiten zu flüchten.

Denn für den der nichts tut
der nur schweigt so wie du
kann die Welt wie sie ist auch so bleiben …

Wer schweigt, stimmt zu!

 

Sei lieb!

Darum ging es im Grunde genommen, ums lieb sein, ums geduldig sein, es ging wohl darum, duldsam und handsam zu sein. Das ist so nicht ganz meine Art – jedenfalls nicht in dem dortigen Kontext. Es gibt Grenzen. Und ich bin davon überzeugt, würden die Menschen ihre Grenzen verteidigen, so sie welche haben, wären wir jetzt nicht in diesem Krieg gegen die Menschheit, der nicht zu enden scheint – weil die Leute lieb und gehorsam, duldam und handsam sind.

Man sagt, der richtige Weg sei der, welchen auch gute Mütter gehen.

Ich kenne ein paar Mütter und bin ja selbst eine. Die sind allerdings sehr verschieden voneinander. Darüber habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, um das besser zu verstehen, und nehme hierzu einfach mal das alte Modell der verschiedenen Charaktertypen her, wobei es mehrer Möglichkeiten gibt zu unterscheiden. Damit ist gemeint, dass ein jeder Mensch einen eher vorherrschenden Charakter hat (hat nichts zu tun mit gut oder böse, klug oder doof und solche Dinge, eher mit einer Grundstimmung des Menschen).

Auf die Schnelle nehme ich jetzt jeden dieser Charaktertypen her, mache es etwas extrem (und das soll nicht wertend sein!) und versuche mir vorzustellen, wie sie wohl ihre Art der Liebe ausdrücken. Etwa in einer Situation, in der du Rat suchst, Kummer hast, weiterkommen willst, neue Erkenntnisse finden möchtest …

Um Verärgerungen und Mißverstdändnisse zu vermeiden, möchte ich darauf hinweisen, dass es seit einigen Generationen sehr viele Menschen gibt, die einen „Misch“- Charakter haben, so wird es gesagt und das ist auch meine Einschätzung. Die klassische einseitige Ausprägung findet sich nicht so häufig, sagt man.

Der Melancholiker

Er sieht in allem zuerst das Schlechte, weiß viele Dinge, die nicht gut gelaufen sind, kennt den Schmerz der Welt. Wenn du jemanden brauchst in deinem Kummer, der dir zustimmt in deiner Überzeugung, dass dir Unrecht getan wurde und alles schlimm ist, bist du hier richtig. Hast du eine neue Idee, ein neues Geschäftsmodell, ein neues Produkt: zeig es ihm. Er findet den Fehler, dann kannst du ihn korrigieren und es ist perfekt! Du wirst bei ihm aber keine Inspirationen für Neues erhalten.

Allerdings wird er dich auch nicht ermutigen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, dich zu wehren, niemals aufzugeben, denn – es hat ja doch keinen Sinn, niemals wird sich irgendwas ändern! Seufz. Du wirst also bei ihm keinen Arschtritt bekommen und nicht aufgefordert werden, in die Tat zu kommen. Niemand wird dich vielleicht so gut verstehen in deinem Leid wie er. Er kennt jedes Leid! Du kannst jahrelang zu ihm kommen und ihm immer wieder dein ewig gleiches Problem erzählen, er hat dafür vollstes Verständnis, denn – es geht ihm ja genau so!

Geschieht in seiner Anwesenheit etwas Schlechtes, wird er es schon vorher gewußt haben und es beklagen.

Der Phlegmatiker

Nirgends wird es dir so gut gehen als Gast, wie bei ihm. Er hat es gern gemütlich und wird für alles sorgen, damit du dich wohl fühlst. Wenn du Kummer hast, wird er eine große Box Papiertücher auf den Tisch stellen, dir einen Beruhigungstee kochen, eine Kerze anzünden, Süßigkeiten hinstellen und dich in seine Arme nehmen und trösten. Du wirst verwöhnt. Doch wird er dir wenig Rat geben können, dich nicht ermutigen, in die Puschen zu kommen.

Hast du viel Schönes erlebt oder eine tolle neue Idee, wird er dir stundenlang zuhören, dich bewundern, niemals unterbrechen in deinem Redeschwall, während er nebenher immer wieder Tee nachschenkt. Doch sei so gut, erwarte nicht, dass er dich zu deinen nächsten Aktivitäten begleitet. Du darfst ihm aber von dort ein Selfie von dir schicken. Neue Ideen von dir wird er nicht leicht annehmen können, das ist er nicht gewohnt. Und Inspirationen erhältst du von ihm auch nicht, denn – warum es nicht einfach so lassen wie es ist? Hat es nicht auch was Gutes?

Geschieht ein Unrecht in seiner Anwesenheit, wird er als erstes versuchen, die Flucht zu ergreifen, einen sicheren Ort zu finden und wird dich vielleicht mitziehen, damit auch du in Sicherheit kommst. Sollten schlechte Zeiten drohen, ist er eingedeckt mit allem für einige Monate. Er ist der geborene Versorger.

Der Sanguiniker

Bei ihm ist immer was los. Neue Ideen sind sein Lebenselixier und Kommunikation ist ihm sehr wichtig. Er kann von einer Sache mühelos zur nächsten Sache springen und weiß zu allem etwas zu sagen. Manchmal fällt es ihm schwer, beharrlich bei einer Sache zu bleiben und in die Tiefe vorzudringen. Langweile ihn also nicht mit immer dem gleichen Thema, charmant springt er dir dann davon.

Erzählst du Ihm Kummer, tröstet er dich kurz, erzählt dir dann einen Witz, zeigt dir was Positives, ermutigt dich, an Schönes und Interesantes zu denken und erzählt dir von seinen neuen Ideen. Du langweilst ihn allerdings, wenn du ihm immer wieder von deinen immer gleichen Problemen erzählst. Dafür hat er kein Verständnis. Probleme hat man nicht, man löst sie, denn das Leben ist zu interessant, als sich damit aufzuhalten. Er gibt dir zu Beginn einige viele gute anregungen, wie du dein Problem lösen könntest, doch nimmst du keinen einzigen Rat an, bist du bei ihm unten durch.

Er kann dich inspirieren, neue Wege zu gehen und dir immer wieder Zuversicht schenken. Geschieht etwas Unrechtes, fällt ihm immer spontan etwas ein. Er hat die Lösung, sag ihm einfach, worum es geht. Und tu es dann aber auch.

Allerdings hat er nicht sehr viel Zeit, es gibt viel zu viel zu tun. Er ist der geborene Begeisterer.

Der Choleriker

Er hat eine eher „herzhafte“ Ausdrucksweise im Handeln und im Reden und ist viel in Bewegung. Wenn du ihm von einer Ungerechtigkeit erzählst, die dir widerfahren ist, empört er sich und fragt sofort: „Wo wohnt der Kerl?“ während er sich schon seine Hemdsärmel hochkrempelt. Er duldet keine Ungerechtigkeiten und schreitet sofort ein. Sieht er jemanden in Not,ist er an vorderster Front und kämpft für die Entrechteten und Enterbten, zur Not mit seinen Fäusten.

Wenn du Kummer hast, hört er sich das kurz an, sehr kurz, um dich dann aufzufordern, das Jammern sein zu lassen und den Arsch vom Sofa zu nehmen, um genau das zu ändern, was du beklagst. Er hat kein Verständnis für dich, wenn du mehrmals mit dem gleichen Kummer zu ihm kommst. Es kann sein, dass er dich dann anschnauzt, weil du immer noch nichts unternommen hast, damit es dir besser geht. Hast du vage neue Ideen im Kopf und willst mit ihm darüber reden, hört er sich genau 3 Minuten an, wie du versuchst es klarer zu bekommen, damit es Gestalt annimmt, um dann zu sagen: „Ja, ist ok, hab verstanden. Wenn du soweit bist, ruf mich an und sag mir, was genau ich wann genau tun soll. Ich helf dann mal eben.“

Er ist der geborene Schützer.

Fazit: Der Weg der Liebe scheint also nun doch nicht einheitlich zu sein und auch nicht immer süßlich – klebrig – rosarot. Mir scheint es auch, dass es ganz gut so ist.

Ich frage einfach mal so …

Wie würdest du entscheiden, wenn du in Schwierigkeiten bist, in Not, wenn du dringend Rat brauchst oder eine Lösung?

Welche Entscheidung würdest du spontan treffen, zu wem der oben Genannten du gehen willst?

Welche Entscheidung würdest du nach reiflicher Überlegung treffen, wenn du willst, das sich deine Schwierigkeiten auflösen lassen? Was würde deiner ansicht nach sinnvoll sein?

Und wie bist du eigentlich so, wenn jemand zu dir kommt, um bei dir Hilfe und Rat zu suchen?

Ich frag ja nur so.

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