Ein freundlicher Leser meines Blogs machte mich auf einen Artikel aufmerksam, in welchem Dr. Vandana Shiva, eine indische Physikerin, die sich für soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Artenvielfalt weltweit einsetzt, auch über die sogenannte Pandemie und den sogenannten Klimawandel spricht. Auf manche Zusammenhänge habe ich schon in früheren Artikeln verwiesen, doch diese Dame äußert sich so klar und kompetent in diesen Dingen, das möchte ich gern genau so weitergeben. Sie mag nun selbst zu Wort kommen:

In Indien waren wir von der Pandemie zunächst weniger medizinisch betroffen, sondern vielmehr auf brutale Weise wirtschaftlich. Der Lockdown wurde bei uns mit vier Stunden Vorlauf mitten in der Nacht angekündigt. Über 400 Millionen Leute verloren über Nacht ihre Lebensgrundlage. Es gab eine riesige Rückwanderungsbewegung. Frauen mit Säuglingen auf dem Arm liefen 1.200 Meilen über Land.

Dabei erleben wir nicht nur den Ansturm der Pandemie, sondern dazu auch noch multiple Stürme und Zyklone, sogar im karibischen Ozean, wo es bisher noch nie einen Zyklon gab. Nach meiner Einschätzung haben die Pandemie und die Klimakatastrophe die gleichen Wurzeln – und dabei spielt der Ursprung des Virus überhaupt keine Rolle. Es geht darum, dass auf unserem Planeten ökologische Grenzen verletzt werden. Die Erde ist ein lebender Organismus, den der ehemalige NASA-Wissenschaftler James Lovelock als Gaia bezeichnete. So wie ein gesunder menschlicher Körper seine Temperatur regulieren kann, seinen Sauerstoffverbrauch und seinen Stoffwechsel, so kann normalerweise auch die Erde ihre Temperaturverhältnisse und ihr Klima regulieren.

Bei Krankheiten geht es um eine Disharmonie der Naturgesetze auf der Erde und diese Naturgesetze betreffen auch unseren Körper. Aufgrund ihres mechanistischen Denkens halten viele Menschen die Erde für eine Maschine und in uns Menschen sehen sie Maschinenteile. Dieses Denken führt zu einem Verhalten, durch das viele Probleme geschaffen werden, welche dann wiederum technologisch gelöst werden sollen, wodurch aber nur wieder neue Probleme entstehen.

Die Klimakatastrophe und die Pandemie sind die Folgen von Verletzung der ökologischen Grenzen und der Zerstörung der Wälder. Die Landoberfläche der Erde besteht zu 80 Prozent aus Wäldern, die lange Zeit von den darin lebenden Kulturvölkern geschützt wurden. Aufgrund unserer Gesetze zum Schutz der indigenen Völker sollten wir sie erhalten. Wir müssen anerkennen, dass sie beim Erhalt der Stabilität des Sauerstoffs und der Böden eine wichtige Rolle spielen. Schon vor fünf Jahrzehnten lernte ich von den indigenen Chipko-Frauen, dass die Probleme der mechanistischen Sichtweise entspringen und in der kommerziellen Ausbeutung der Natur. Die Chipkos sehen in den Wäldern die Quellen von Wasser, Sauerstoff und Boden, und dies sind die Quellen des Lebens.

Doch die Infrastruktur der Gier zerstört die Infrastruktur des Lebens! Durch die Überschreitung von ökologischen Grenzen erschaffen wir die unterschiedlichsten Pandemien selbst. Sogar die Vereinten Nationen haben zugegeben, dass man nur ein Symptom behandelt, wenn man die Pandemie nur als ein medizinisches Problem betrachtet.

Interessanterweise handelt es sich bei der Pandemie um eine Lungenkrankheit. Die Betroffenen sterben an Sauerstoffmangel. Ich denke dabei an meine Chipko-Schwestern, die immer wieder sagten, dass Sauerstoff die Grundlage allen Lebens ist und von den Wäldern hervorgebracht wird, die wir zerstören. Ich beobachte auch, dass die Krankheit umso schlimmer ist, je mehr chronische Krankheiten der Mensch bereits hat. Über chronische Krankheiten hat Navdanya das Manifest “Food and Health geschrieben” – Nahrung und Gesundheit.

Sie haben auch gefragt, wie man dem Land Indien helfen könnte. Die beste Hilfe besteht für mich darin, dass alle, die uns zuhören, den Zusammenhang der Probleme begreifen. Es gibt eine große Mafia, die unsere Wirtschaft mit Fake Food zerstören möchte. Darüber haben wir in der Schrift “Gates to a global Empire” berichtet. Auch mein neues Buch “ONENESS vs the 1 %” (In Einheit gegenüber dem einen Prozent) handelt davon. Es wird in Kürze auch auf Deutsch erscheinen. Milliardäre betrachten Fake Food als Lösung des Klimawandels und verschlimmern dadurch das Problem. Diese Milliardäre schaffen genauso wie die Kolonialisten ihre eigenen Regeln und Gesetze, die sie allen aufzwingen, anstatt dass die betroffenen Menschen selbst die Lösungen finden.“

Folgende Botschaft gibt Frau Shiva auf Anfrage an die Menschen in Deutschland:

Ich möchte den Lesern in Deutschland sagen: Passt auf! Damals hattet Ihr Hitler und jetzt habt Ihr Bayer! Lasst nicht zu, dass Bayer Eure unsichtbare Regierung wird. Setzt Euch ein für die Artenvielfalt, setzt Euch ein für die biologische Landwirtschaft und sorgt dafür, dass wir nicht in die Tyrannei zurückkehren!“

Frau Shiva äußert sich weiterhin in o.g. Artikel (Link unten angefügt) über ihre Vorstellung bezüglich eines gesunden Lebens.

Dr. Vandana Shiva ist eine indische Physikerin, die sich für soziale Gerechtigkeit und den Schutz der Artenvielfalt weltweit einsetzt. Als Präsidentin der 1991 gegründeten Organisation Navdanya wirbt sie international für eine giftfreie Landwirtschaft. Für ihr Engagement für die Artenvielfalt, für Nahrungssouveränität und die internationale Vernetzung von Frauen gegen Patente auf Leben erhielt sie 1993 den alternativen Nobelpreis. Im Interview berichtet sie über die aktuelle Lage in Indien und über den Zusammenhang zwischen mechanistischem Naturverständnis und menschlicher Gesundheit.

https://de.rt.com/asien/118834-dr-vandana-shiva-infrastruktur-gier/

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