Ein Tag für jede Mutter, an dem sie sich über ihre Kinder freut. Ein Tag für alle Menschen, sich bewußt zu sein über das Geschenk ihres Lebens und die Geschenke der Mutter. Oder?

Heute lese ich etwas im Netz und muß sagen: Es kotzt mich an! Ich bitte um Verzeihung für diesen Ausdruck, aber wenn ich es kurz und knapp formulieren soll, dann geht das nur so. Es kotzt mich an das ewige Gejammer und die ewigen Anklagen der längst erwachsen gewordenen Kinder. Oder soll ich lieber schreiben, sie sind groß geworden, denn allzu erwachsen oder reif sind sie anscheinend doch nicht so recht. Irgendjemand ist Schuld, natürlich, nur man selbst nicht. Und immer geht es um „Ich! Ich! Ich!“.

Dies ist der Netzfund, und im Anschluß möchte ich einen anderen Standpunkt darstellen, wenns genehm ist, meine Antwort auf das hier:

Ich kann nicht bleiben, Mutter.

Ich liebe dich, aber ich bin nicht geboren, um dir zu gefallen.

Ich bin nicht geboren, um dich glücklich zu machen

oder deinem Leben einen Sinn zu geben.

Ich bin nicht geboren, um unter deinen Flügeln zu verrotten

wie ein ungeschlüpftes Ei.

Ich kann nicht bleiben, Lehrer.

Ich bin nicht geboren, um in deine Kisten gesteckt zu werden

um nach deinen Vorstellungen zu denken

oder um sich deine Fakten zu merken.

Ich wurde geboren, um unabhängig zu denken.

Ich kann nicht bleiben, meine Liebe.

Ich wurde nicht geboren, um deine Bedürfnisse zu befriedigen

um mich um dich zu kümmern

oder mich in deinen Armen zu verstecken.

Ich wurde nicht geboren, um mich kleiner zu machen

oder als selbstverständlich angesehen zu werden.

Ich kann nicht bleiben, Chef.

Ich wurde nicht geboren, um Geld für andere zu verdienen.

Ich wurde nicht geboren, um Befehle zu befolgen

oder den gleichen Tag immer und immer wieder zu wiederholen.

Ich wurde nicht für Langeweile geboren.

Ich kann nicht bleiben, Meister.

Ich wurde nicht geboren, um deinen Vorstellungen davon zu folgen, was Wahrheit ist

oder nach deinen Dogmen zu leben.

Ich wurde geboren, um meine eigene Wahrheit zu finden.

und mache meine eigenen Regeln.

Ich wurde geboren, um das Leben voll zu erleben.

Mich in indischen Zügen zu verirren.

Von gefährlichen Männern verführt zu werden.

Um verschiedene Gesichter, Orte und Kulturen zu treffen.

Um die ganze Nacht im Dschungel zu sein.

Um mit Wölfen zu laufen.

Um aus den Socken gekippt zu werden.

Im Sturm erobert zu werden

Um ein gebrochenes Herz zu haben

Am Boden zerstört

Verblüfft

Schockiert

Verloren

In die Tiefe geworfen

Ich wurde geboren, um mir die Hände schmutzig zu machen.

Um Sand in meinen Mund zu bekommen.

Schlamm auf meinen Kleidern

Dornen unter meinen Füßen

Ich wurde geboren, um in den Abgrund zu springen.

Ich wurde geboren, um Außerirdische zu treffen.

Rituale durchzuführen

Um in einer Zeremonie aufgebrochen zu werden.

Um über Zeit und Raum hinauszugehen.

Um die Magie zu begrüßen

Mich völlig zu verlieren.

Ich wurde geboren, um alles zu spüren.

Um alles zu schmecken

Den bitteren Geschmack der Trauer

Den üblen Geschmack von Täuschung

Den süßen Geschmack der Liebe

Ich wurde geboren, um zu lernen,

wie man mit Veränderungen würdevoll umgeht.

Ich wurde geboren, um die Wahrheit zu erfahren

Um zu lernen, wie man fliegt.

Ich wurde geboren, um zu lernen,

wie man die Sprache der Liebe spricht.

Wie ich mein Herz entfesseln kann

Wie man alles vergisst

Wie man alle Erwartungen loslässt.

Ich wurde geboren, um zu lernen,

wie es sich anfühlt, alles zu verlieren.

außer dem, was wirklich wichtig ist.

Ich wurde geboren, um ein Leben zu führen,

das dir alles, was nicht echt ist, wegnimmt.

Das, was nicht wahr ist

Das, was nicht Ich ist

Ich bin ein Phönix.

Ich bin geboren, um meine Flügel zu spreizen und zur Sonne zu fliegen.

Um zu verbrennen und zu Asche zu werden.

Um auf die Erde zu fallen und wieder aufzustehen.

Wenn ich alt bin

Werde ich stolz auf meine Narben sein.

Meine Falten

Meine Erinnerungen

Meine Geschichten

Meine Weisheit

Meine Freiheit.

Ich wurde geboren, um frei zu sein.

Und deshalb kann ich nicht bleiben.“

Es geht auch anders, falls man erwachsen geworden ist

Deshalb meine spontanen Gedanken hierzu. Ich habe nicht daran herumgefeilt, sondern einfach frei von der Leber weg geschrieben, aus dem Herzen heraus, so, wir mir der Schnabel gewachsen ist:

Da ich schon etwas älter bin, erlaube ich mir dies (und es ist nichts weiter als meine eigene Lebensweisheit):

Danke, Mutter, du hast mehr als dein Bestes gegeben, wie “gut oder ungenügend” es auch oftmals für mich war.

Danke, Lehrer, du hast es so gut gemacht, wie du es wußtest, auch wenn du oft so wenig wußtest.

Danke, Liebster, du hast mir deine Art von Liebe geschenkt, die Version, die du kanntest, auch wenn sie nicht die meine war, ich bin daran gewachsen, habe mich selbst dadurch besser finden können.

Danke, Chef, dass du mich gelehrt hast, was ich will und was nicht.

Danke, Meister, dass du mir gezeigt hast, wie man es nicht machen soll.

Ich bin geboren, um tiefe Erfahrungen zu machen, um das beste in mir zum Blühen zu bringen, damit ich auf beste Weise, die mir möglich ist, den anderen Menschen dienen kann, ihnen helfen kann.

Da ich alt bin, freue ich mich an all den Menschen, die mir geholfen haben und mich haben wachsen lassen auf angenehme und unangenehme Weise.

Ich danke euch. Ich danke allen Wesen, dass es sie gibt, denn wer wäre ich ohne sie?

Ich danke euch, dass ihr mich anschubst, um zu wachsen, daß ihr meine hilfreiche Hand erlaubt, dass ihr mit mir lacht und mit mir weint.

Ohne euch hätte ich keine Freiheit, keine Liebe, kein Vertrauen, keinen Glauben, ich wüßte nicht einmal, dass es mich gibt.

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