Das tiefere Geschehen wird verschlafen

Durch Zufall finde ich einen Artikel vom 1. Mai 2020. Der Titel heißt: „Corona-Virus: Menschheit am Scheideweg – Wie im Schatten der Krise die Welt neu geordnet wird“ und ist geschrieben von Johannes Mosmann. Der Leser kann ihn unter den Links am Ende finden und studieren. Ich möchte aus diesem Artikel ein paar wichtige und kaum beachtete und immer noch nicht ernst genommene Themen herausgreifen.

Der Autor beschreibt eingangs kurz die Lage der Menschheits-Nöte in der Welt und kommt bald auf die öffentlich-rechtlichen Propagandatechniken zu sprechen. Eine klare Analyse dessen, was wir seit einem Jahr verstärkt und bis zum Erbrechen erleben und er sagt: „Die Methoden sind jedem vertraut, der sich in Geschichts-, Politik- oder Medienwissenschaften mit Propagandatechniken auseinandergesetzt hat. … Das Trainieren der öffentlichen Meinung auf eine bestimmte Sichtweise hat Methode. Wer das nicht bemerkt, muss im Deutsch- und Geschichtsunterricht geschlafen und das Fach Medienkunde gegen Medienkonsum eingetauscht haben.“

Im folgenden erläutert er die Verflechtungen der Gesundheitsbehörden/Institutionen mit den Wirtschaftsinteressen und kommt unter dem Kapitel „Moralische Reflexe“ und „Umwertung der Werte“ nun auch auf die digitale Macht zu sprechen. Unter einer scheinmoralische Totschlag – Keule wird mittels der „Corona – Verordnungen das wirtschaftliche und soziale Leben nachhaltig zerstört. „Die Weltwirtschaft ist schon lange vor der Angst-Pandemie ein abstrakter Zahlenraum geworden, aus dem die zwischenmenschliche Begegnung eliminiert wurde.“

Abschaffung zwischenmenschlicher Begegnung

Im Kapitel „Das ewige Leben“ schreibt der Autor:

Vor allem rund um das Silicon Valley hat sich eine neue Religion entwickelt, die auf Gott verzichtet und dafür die Möglichkeiten der Biotechnologien anbetet. Transhumanismus oder Superbiologie, wie diese Bewegungen heißen, wird von den Visionären der Internet-Branche befeuert. Sie glauben, dass man sich alles kaufen kann, sogar das ewige Leben. …

…Der berühmteste Vertreter der Robo-Cop-Fraktion ist Ray Kurzweil, Chefingenieur von Google. Kurzweil ist 70 Jahre alt, sieht aber viel jünger aus. … In Wahrheit glaubt er .. dass der Körper nur hinderlich für die Unsterblichkeit ist. Irgendwann werden Nanoroboter von der Größe einer Blutzelle in unseren Adern patrouillieren, alle Altersschäden reparieren und unser Gehirn drahtlos mit der Cloud verbinden. ‘Dann’, sagt Kurzweil, ‘brauchen wir den Körper nicht mehr, er ist ein Anachronismus.’ Wir existieren dematerialisiert weiter. …“

Das Silicon Valley arbeitet an zwei großen Menschheitszielen: 1. die Erübrigung zwischenmenschlicher Begegnung mittels entsprechender Technik („Digitalisierung“) und 2. die Verlängerung der Lebenserwartung der nunmehr isolierten Körper durch ihre technische Optimierung. Seit der Corona-Krise kann jeder Mensch am eigenen Leib erfahren, wie diese zwei Arbeitsfelder des Silicon Valley ineinandergreifen. Das soziale Leben verwandelte sich mit einem Schlag zum exakten Abbild des Mind-Sets der Technokraten. Diese Übereinstimmung wurzelt …in der Tatsache, dass die Menschheit mit den Technokraten eine Religionsgemeinschaft bildet.

Denn die Menschheit muss mit zwei großen Lebensrätseln fertig werden: das soziale Leben auf der einen, der Tod auf der anderen Seite. Und die fünf mächtigsten Konzerne der Welt haben sich der technischen Lösung dieser beiden Probleme verschrieben. Damit greifen sie die Urtriebe der jüngeren Menschheit auf. Das ist das geheime Band zwischen ihnen und dem Volk, die moralisch-geistige Grundlage, auf der die Werte ehemals „freiheitlich-demokratischer“ Gesellschaften nun umgewertet werden können. Die Angst der Technokraten vor dem Tod ist ebenso ansteckend wie ihr Angebot, uns von den Verstrickungen zwischenmenschlicher Beziehungen zu erlösen und den Körper unverwundbar zu machen.“

Dies ist der Hintergrund meines ewigen Aufrufes an die Menschen, sich doch aus der digitalen Blase zu lösen und einander im realen Leben zu begegnen. Wir verlieren die Fähigkeit, Menschen unter Menschen zu sein. Die letzten Jahrzehnte haben uns doch sehr voneinander isoliert, seit „Corona“ wurde dieser Prozeß fast vollständig abeschlossen. Völlig voneinander getrennte Wesen, welche den Rest an Zwischenmenschlicheit, an Begegnungsfähigkeit verlieren. Auch in den sogenannten Kreisen des Widerstandes, der sogenannten Erwachten scheint es kein schlimmeres Vergehen zu geben, als den direkten Kontakt anzumahnen, selbst wenn man in wichtigen Arbeitsgruppen „zusammen-“ arbeitet. Und stets scheitern die Prozesse und die gemeinsamen Aufgaben genau daran: der Teufel steckt im System „Digital, Zoom- Meeting“ etc.

Die Seele zieht sich zusammen

Nun kommt eine Frage ins Spiel, die Frage nach den Folgen dieser völligen Vernichtung zwischenmenschlicher Beziehungsfähigkeit und nun schon fast verwirklicht auch die Vernichtung der zwischenmenschlichen Beziehungsmöglichkeit:

Gleichwohl kratzen sie alle, ob unkritisch oder kritisch, nur an der Oberfläche des Geschehens. Tiefere Schichten werden erst sichtbar, wenn man sämtliche menschliche Zweckbegriffe, und damit auch die Frage der Richtigkeit oder Falschheit der Maßnahmen, einmal ganz unberücksichtigt lässt und stattdessen die entstandenen Tatsachen als solche ins Auge fasst. Was hat sich durch diese im Leben der Menschen verändert, und welche Folgen hat dies für die weitere Entwicklung der Menschheit?

In fast allen Ländern der Welt sind die Menschen deshalb angehalten, sich nicht zu begegnen, und wo das unumgänglich ist, Abstand zu halten oder Schutzmasken zu tragen. Dadurch wird das Bewusstsein auf den rein materiellen Aspekt der Begegnung gelenkt. Der andere Mensch wird primär als Körper in Raum und Zeit wahrgenommen. Man kann beobachten, wie die Bewegungsabläufe dieser Angst folgen, etwa wenn jemand in der U-Bahn laut hustet. Die Handlungen werden in solchen Augenblicken durch den reflexartigen Impuls gesteuert, das eigene Überleben zu sichern, d.h. durch Angst. Angst ist aber die ursprünglichste Form des Egoismus. Im Augenblick des Angstgefühls wird das Bewusstsein durch den eigenen Leib begrenzt, den es zu erhalten gilt. Die Seele zieht sich zusammen, verbeisst sich gewissermaßen in den Körper. Hinzu kommt, dass die nun isolierten Menschen technische Wege suchen, den Verlust des körperlichen Aspekts der Begegnung auszugleichen, d.h. akustische und optische Signale per Video-Konferenzen zu empfangen und Ähnliches. Diese Kompensations-Übungen verstärken noch die Konzentration auf den rein materiellen Aspekt der zwischenmenschlichen Begegnung. Das heißt: Die Maßnahmen mögen richtig oder falsch sein, psychologisch bewirken sie zunächst eine Verengung des Bewusstseins auf den physisch-leiblichen Aspekt des Daseins.“

Ent – Menschlichung findet bereits jetzt statt, weil die Menschen einander nicht mehr in der realen Welt begegnen wollen. Das ist, was es bedeutet, was wir tun, wenn wir uns hinter unseren digitalen Kommunikationswegen verschanzen!

Weltweit fällt das Moment der Begegnung in Raum und Zeit aus und wird durch eine „digitale Vernetzung“ ersetzt. Die voneinander isolierten Individuen bilden notgedrungen einen abstrakten Gemeinschaftsbegriff aus. Der andere Mensch wird nicht mehr in der Begegnung erfahren, sondern gedacht. „Wir alle“, so heißt es, müssen zusammenhalten, … Sozial ist, was das Leben als solches erhält. Wer dagegen die Begegnung sucht, handelt unsozial, weil er damit menschliches Leben gefährden könnte. Durch die weltweiten Corona-Maßnahmen wird somit ein als Summe menschlicher Körper definierter Gemeinschaftsbegriff kollektive Selbsterfahrung, „Gesellschaft“ wird zunehmend biologistisch verstanden.“

Den kommenden, letzten Abschnitt, betrachte ich als elementar wichtig und bitte meine Leser, diesen wirklich zu lesen. Die Bedeutung ist erschütternd.

Der Widerstand

Kritische Stimmen sehen in der Gewöhnung des Volkes an eine teilweise Aufhebung der Menschenrechte eine Übung mit dem Zweck, zukünftige Machstrukturen vorzubereiten. Eine mehr phänomenologische Betrachtungsweise, wie sie oben versucht wurde, offenbart jedoch, dass die volkspädagogischen Wirkungen der Corona-Verordnungen viel tiefer gehen. Die geschaffenen Tatsachen bilden im Unterbewusstsein die weltanschauliche Grundlage für eine vollständige Umwertung der Werte. So wie Digitalisierung und Impfstoff-Entwicklung in Bill Gates’ Lebenswerk ineinander greifen, so hängt die Isolation der Menschen innerlich zusammen mit der Entstehung eines auf das materiell-körperliche reduzierten Gemeinschaftsempfindens und der sich darauf gründenden Moralbegriffe.

So ist es möglich, dass niemand mehr gezwungen werden muss, sondern der unmündige Bürger seine Freiheit selbst abschafft und sich das Status-Symbol des Untertanen, den Mundverschluss, zu Hause selbst näht. Weil dieses Verhalten aber nicht theoretisch, sondern mittels der geschaffenen Faktenlage überzeugt, genügt es nicht, es theoretisch zu bekämpfen und die Ideale von Freiheit und Demokratie hochzuhalten. Vielmehr kommt es darauf an, in Zukunft wiederum Fakten zu schaffen, die der Ideologisierung der Gesellschaft entgegenwirken.

Wo also findet sich im menschlichen Zusammenleben etwas, das als Gegenpol zur „neuen Religion“ des Silicon Valley ergriffen und verstärkt werden könnte?

In der konkreten Begegnung von Mensch zu Mensch wird der Biologismus, auf den das Silicon Valley bauen möchte, jedesmal überwunden.

…Was in der Isolation unbewusst zum Ich gezählt wird, die körperlichen Besonderheiten, die psychischen Veranlagungen, die Summe der Gedanken und Gefühle – all das wird in der Begegnung in Bewegung gebracht und mehr als Hülle, als Medium für ein Höheres erlebt, auf das es hinweist und das durch diese hindurch wirkt. … Die wirkliche Begegnung in Fleisch und Blut ist somit ein Paradox, welches die Anwesenden innerlich in Bewegung bringt und auf das Rätsel des menschlichen Wesens hinweist. Die Menschheit ist nicht eine Gattung, sondern jeder Mensch ist eine Gattung für sich. Und auf dieser Erfahrung beruht das Gefühl für die Würde des Menschen im Sinne unserer Menschenrechte.

In der Simulation menschlicher Begegnung durch digitale Medien stellt sich diese Erfahrung nicht ein. Da ist jeder Teilnehmer bloßer Zuschauer, auch wenn er „interagiert“. …Und das ist die andere Seite desselben Zusammenhangs: In der Isolation erscheint der Geist als Intellekt. Intellektuell versuche ich die Beziehungen zu meinen Mitmenschen zu regeln.

Ich schreibe eine möglichst präzise, scharfsinnige E-Mail. Der andere schreibt eine verärgerte Nachricht zurück. Ich versuche das Missverständnis aufzuklären. Es wird aber immer schlimmer! Vielleicht schaue ich mir dann meine erste E-Mail nochmal und bemerke, dass sie durchaus einen Stachel enthielt, der den anderen verletzen konnte. Zugleich aber denke ich: und selbst wenn, das ist nur eine Kleinigkeit, auf die der andere doch nicht so anspringen muss. Nun – in der wirklichen Begegnung in Raum und Zeit hätte derselbe Stachel vermutlich nicht gestochen! Und wenn doch, so hätte er nicht derartig langwierige Komplikationen nach sich gezogen. Vermutlich hätte ich den Stachel aber auch von Anfang an anders gebildet. Ich würde unter dem Eindruck des anwesenden Menschen den unmittelbaren Impuls erlebt haben, meinen Worten nochmal eine andere Wendung zu geben. Vor dem Bildschirm aber ist das unmöglich, denn da ist jeder Mensch in Wahrheit allein mit sich. Ärger, Selbstliebe, Geltungssucht, Hass – diese Kräfte erfahren in der Isolation keine Korrektur durch die wirkliche Anwesenheit des Anderen. Und diese Kräfte sind in Wahrheit der unbewusste Unterboden, auf dem die Intellektualität nun spriesst. Aus dieser Intellektualität bildet sich in der digitalisierten Gesellschaft, und in gesteigertem Maß nun durch den Lock-Down, der Gemeinschaftsbegriff.

Das ist aber eine Krankheit, die sich schon lange vor dem Corona-Virus ausbreitete, nämlich diejenige, die wir als zunehmende Polarisierung der Gesellschaft erleben, weil sich jeder in die auf ihn zugeschnittene Informations-Blase einschließen kann. … Der Mensch wird geistig gewissermaßen zurückgestaucht auf das körperlich-physische Reflexsystem, für welches wiederum die materialistische Medizin das Leben immer weiter verlängern möchte.

Die Entscheidung

So wenig wie Gemeinschaft eine Summe von Körpern ist, so wenig ist das, was das isolierte Ich denken kann, schon Geist. Vielmehr entwickelt sich der Geist durch die konkret-materielle Begegnung von Mensch zu Mensch. Und dieses, was da geistig zwischen den anwesenden Menschen lebt, ist der Beginn des sozialen Lebens. Das allgemeine Menschenwesen, das jeder von uns ist, realisiert sich erst in der Begegnung. Es ist mehr als die Summe seiner Teile. Das soziale Leben ist somit das exakte Gegenteil des Gemeinschaftsbegriffs, den die Angst-Pandemie impliziert und von dem sich gegenwärtig das vermeintlich „Soziale“ ableitet.

Eine Summe von Schweinen ist eine Herde, eine Schweine-Gemeinschaft. Eine Summe von Menschen dagegen ist noch keine Menschengemeinschaft, sondern wiederum eine Herde. Was Menschen zur Gemeinschaft verbindet, sind nicht ihre physischen Merkmale. Das spezifisch Menschliche der Gemeinschaft bildet sich vielmehr als ursprünglich menschliche Schöpfung erst in der zwischenmenschlichen Begegnung. Aber es bildet sich eben auch nicht, wenn sich die Menschen nicht als materielle Körper gegenüberstehen, sondern z.B. per Video konferieren.

Video-Konferenzen können sehr praktisch sein, doch niemals die Begegnung von Mensch zu Mensch in Zeit und Raum ersetzen. …

Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschwimmen.

Und das Grundproblem der neueren Menschheit wurde nahezu vergessen. Jetzt aber schreitet die Digitalisierung in Riesenschritten voran. Und genau in diesem Augenblick werden wir von dem Corona-Virus vor die schon fast vergessene Frage gestellt: was ist der Wert der wirklichen Begegnung in Raum und Zeit? Wenn sich der anwesende Mensch vom virtuellen nur durch den die Sinne affizierenden Aufbau der Materie unterscheidet, wie der Biologismus meint, werden beide schon bald nicht mehr zu unterscheiden sein.

Wer aus der Menschheit eine Herde von Säugetieren machen will, muss individuelle Begegnungen zu unterbinden suchen.

Er muss die Gemeinschaft als Summe physischer Leiber und das Soziale als Befolgen von Regeln zum Schutz dieser Leiber definieren. Dann verliert aber der Begriff der Demokratie seinen wirklichen Inhalt, denn nur am wirklichen, physisch anwesenden Gegenüber kann sich ein gesundes Rechtsgefühl entwickeln. Wenn man also der Krise etwas Positives abgewinnen will, dann ist es dieses: sie ist die einmalige und vielleicht letzte Chance der Menschheit, für die geistige Wirklichkeit des anderen Menschen und den Wert der Begegnung mit ihm in Zeit und Raum aufzuwachen. … Dann müssen wir uns entscheiden: wollen wir die Lebenserwartung menschlicher Körper verlängern um den Preis, dass keine Menschen mehr in diesen Körpern wohnen, oder wollen wir das menschliche Wesen erhalten und dafür Krankheit und Tod als eine Tatsache des Lebens akzeptieren? Anders gefragt: was ist eigentlich Sinn und Zweck einer menschlichen Gemeinschaft?“

https://wtg-99.com/aktuelles_mai_2020/

https://www.dreigliederung.de/files/download/essays/2020-05-johannes-mosmann-corona-virus-menschheit-am-scheideweg.pdf

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