Märchen haben uns schon immer die Lösung gezeigt. Es liegt Wahrheit in ihnen. Kinder nehmen die Bilder in ihre Seelen auf, Bilder davon, dass es richtig und falsch gibt. Dass es den rechten und unrechten Weg gibt. Dass man immer erntet, was man sät. Dass Hilfe kommt für reine und rechtschaffene Wesen. Dass Liebe, Güte und Hilfsbereitschaft immer belohnt werden, oftmals in einem gewaltigen Umfang, obwohl die gütige Tat manchmal nur eine kleine Tat war, aber sie war gütig und selbstlos – unegoistisch würde man heute sagen. Schau einmal, was Märchen sagen können:

„Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“: Er ging nie dem „Fürchterlichen“ aus dem Weg, er tat es nicht aus Gier nach der (materiellen) Belohnung, die nahm er nur so im Vorbeigehen gern mit. Er ging darauf zu und hat die Situation genossen, er fand es spannend und hat sich amüsiert. Für ihn gab es keine Angsttrigger. Das Fürchterliche hat sich sogar blamiert. Es war für den, der auszog, weil er keine Angst hatte, einfach nur lächerlich und hatte deshalb keine Macht über ihn.

„Rumpelstilzchen“ lehrt uns: Der Müllerstochter, die zur Königin wurde, geschieht das Schlimmste, es ist die Ur-Angst überhaupt: der Angriff auf das zutiefst Weibliche: das Kind. Denn auch heute geht es nur um die Kinder. Gern gab sie dem „Männchen“ zuvor Halsband und Ring, nicht aber ihr Kind. Da erwachte endlich die Frau/Königin mit ihrem Willen in ihr, als das Männchen ihr Kind forderte. Hier war also ihre rote Linie. Sie lernte auf ihre Weise das, was heute am dringendsten nötig ist: die Dinge bei ihrem rechten Namen zu nennen. Weiche der Angst/ dem Trigger nicht aus, ignoriere nicht, schau es dir genau an. Nenne es bei seinem Namen, die böse Macht bricht dadurch zusammen. Wo ist deine rote Linie? Siehst du nicht, dass das Böse unsere Kinder fordert?

Rotkäppchen mußte ihre Lektion auch lernen. Die Mutter wies es an, nicht vom Wege abzukommen. Es macht Sinn, auf die Liebe der Mutter zu hören. Den guten Rat befolgte sie nicht und kam vom Wege ab. Wer vom rechten Weg abweicht, muß mit Wölfen rechnen! Der Wolf lockt sie zu schönen Blumen und sie vertändelt ihre (Lebens-)Zeit zum Leid der Großmutter und zum eigenen Leid. Ganz so, wie wir unsere Lebenszeit vertändeln, verführt uns dazu doch täglich rund um die Uhr der Wolf aus allen Kanälen! Deshalb werden Großmutter und Rotkäppchen auch verschlungen. Dadurch, dass der Jäger kommt, sinnvoll denkt und behutsam und sofort richtig handelt, geht die Geschichte gut aus. Möge unsere Geschichte auch gut ausgehen, indem wir unser Leben nicht vertändeln, uns nicht 24/7 verführen  und verschlingen lassen, den Wolf als Wolf, die Verführung als Verführung erkennen, richtig denken und richtig handeln.

„Hans im Glück“ war kein Sklave von Gold/Geld. Er hat seinen Seelenwunsch erfüllt und kam nach Hause. Zu Hause, das ist dort, wo die „Mutter“ ist: woher man kommt und wohin man am Ende geht. Hans hat seine Geistesheimat nicht vergessen und diese war ihm wichtiger als alles Gold der Welt. Unterwegs gab er also gern alles Irdische her, damit er in seine Heimat gelangen kann. Können wir loslassen, was uns nicht zum Ziel führt sondern fesselt und knebelt und in Gefangenschaft hält?

„Frau Holle“: Ein schönes Bild für Reinkarnation und die Bedeutung von Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Denn der Weg von Goldmarie (die schöne Seele voller Tugenden) und Pechmarie (die faule, gierige und häßliche Seele) geht zwei Mal über den Sturz in den tiefen Brunnen, der jeweis aus einer Welt in eine andere Welt – von einem Leben in ein anderes Leben – führt. Pechmarie wollte sich ihre Finger nicht schmutzig machen, dachte nur an sich und an Gold. Goldmarie tat einfach, was vor der Nase lag, aus freiem Willen, weil es getan werden mußte, ohne an sich selbst zu denken. Der Lohn ist bekannt. Bekannt scheint nicht zu sein, dass wir täglich gefragt werden, ob wir Goldmarie oder Pechmarie sein wollen, und dass wir täglich darauf antworten, wer wir sein wollen. Wir sagen es, wir denken es und wir zeigen es mit unseren Taten oder mit dem, was wir unterlassen.

„Hänsel und Gretel“ hielten zueinander und warteten auf den richtigen Augenblick und nutzten ihn gemeinsam sofort. Während ihrer verlassenen Wanderung durch den Wald ebenso wie im Haus der Hexe nahmen sie immer ihr Schicksal in ihre Hand, miteinander, füreinander und handelten so, wie es gerade möglich war. Hänsel tröstete und ermutigte seine Schwerter im dunklen Wald. Gretel floh nicht vor der Gefahr aus dem Hexenhaus, sie blieb beim Bruder und fügte sich zuerst. Sie machten einen Plan, um miteinander ihre Freiheit zu erlangen. Die Hexe konnte dann überwältigt werden und bekam das, was sie verdient für ihre Bosheit. Geschwister sind wir alle, alle unsere Mitmenschen sind unsere Brüder und Schwestern. Die Hexe hat sich bei uns allen eingenistet und wartet auf ihr Festmahl. Werden wir klug sein und einander helfen?

Die Bremer Stadtmusikanten wurden als nutzlos aussortiert vom „Arbeitsmarkt“. Sie wandten sich nicht ans Sozialamt oder an ihre „gewählten Abgeordneten“, um zu betteln oder zu fordern. Sie schrieben auch keine Petition oder warteten auf die nächste „Wahl“, um ihre Stimme ABZUGEBEN. Sie schlossen sich zusammen und machten sich gemeinsam auf den Weg in ihre Freiheit, so verschieden wie sie auch waren. Dort trafen sie auf die Räuber, also jene, die anderen das sauer verdiente Geld rauben – Shareholder also, die sogenannte Elite, die sich im Wald der undurchdringlichen Gesetze verbergen und ihr Unwesen ungestraft betreiben. Dieselben, die heute einige Milliarden Menschen für nutzlos erklären und ihre eigene Idee haben, wie man sich derer entledigen kann. Diese Räuber überwältigten und vertrieben sie dann – ja, womit? Mit ihrer Stimme, die sie zusammen laut und gewaltig erschallen ließen. Hernach ging es ihnen gut – womit? Mit genau dem, was zuvor geraubt worden war.

Vielleicht macht es mehr Sinn, sich wieder den guten alten Märchen zuzuwenden anstatt all das, was uns 24/7 so zugemutet und nahezu aufgezwungen wird, immer weiter zu konsumieren. Man kann dort wahre Schätze an Weisheit finden, mindestens jedoch viele Löungen für so manches Problem, welches uns heute so bedrängt und uns unlösbar erscheint. Märchen zeigen auch: handle selbst, handle klug, sei tugendsam und fleißig und diene nicht den Falschen, komme nicht vom rechten Weg ab. Tu es selbst, heißt die Botschaft. Moralinsauer? Nein, finde ich nicht. Wer bisher mit den üblichen Methoden, die uns von Oben präsentiert werden, seine Probleme nicht lösen konnte, nicht frei und glücklich wurde, könnte es einmal zur Abwechslung hiermit versuchen. Vielleicht entdeckt man dann, dass die Scheinlösungen der Oberen eben genau dazu dienen, uns gefangen und im Elend zu halten. Beende es einfach. Wähle selbst und ernte entsprechend.

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