Beim Mittgessen stellt mein Mann mir eine Frage: „Was ist Kunst?“. Ich wundere mich, denn ich weiß, er ist ein Künstler. Er weiß das, und weiß auch, was Kunst ist. Ich bin auch ein Künstler. So antworte ich ihm, noch nicht wissend, worauf er hinaus will. Mit meiner Antwort ist er noch nicht zufrieden: „Das meine ich nicht. Was unterscheidet Kunst von Deko?“. Auch mit meiner folgenden Antwort scheint er unzufrieden zu sein. So lasse ich mir berichten, was ihn beschäftigt. Ihm wurde nahegelegt, zwei Links zu öffnen und das jeweilige „Kunstangebot“ zur Kenntnis zu nehmen.

Beim ersten Angebot konnten wir uns auf „Kunsthandwerk“ einigen, beim zweiten mußte ich ihm zustimmen, das war nichts weiter als Deko. „Die Menschen merken nix mehr,“ sagte mein Mann. „Sie erkennen nicht mehr, was Kunst ist. Es genügt ihnen, dass es irgendwie hübsch ist und möglichst gefällig.“

„Es ist ein Abbild der sinnentleerten und seelen-verarmten Menschheit, die alles Geistige dem Materialismus geopfert hat. Der Mensch hat vergessen, wer er ist: ein seelisch geistiges Wesen, ein Kind Gottes mit einem göttlichen Licht in sich und einer selbstgewählten Aufgabe, das Göttliche in sich zu erkennen und im Leben zum Ausdruck zu bringen, zum Wohl der Wesen. Der Mensch hat komplett den Faden verloren“ – das waren meine Worte an meinen Mann zu diesem Thema. Doch es hat mich weiterhin beschäftigt.

Inspiration und Begeisterung

Was meinen Mann und mich beim künstlerischen Schaffen unter anderem eint, was wir beide dabei erleben, kann man mit einem deutlichen Gefühl der Inspiration in Verbindung mit Begeisterung beschreiben.

Laut Duden ist „Begeisterung“ ein Zustand freudiger Erregung, leidenschaftlichen Eifers; von freudig erregter Zustimmung, leidenschaftlicher Anteilnahme getragener Tatendrang; Hochstimmung, Enthusiasmus.

Inspiration wird wie folgt beschrieben: schöpferischer Einfall, Gedanke; plötzliche Erkenntnis; erhellende Idee, die jemanden, besonders bei einer geistigen Tätigkeit, weiterführt; Erleuchtung, Eingebung – hierbei liegt die Vorstellung zugrunde, dass Werke von Künstlern Eingebungen des Göttlichen seien.

Ein Spruch von Joseph Beuys fällt mir ein, den er vor mehr als einem halben Jahrhundert gesagt hat:

Jeder Mensch ist ein Künstler“

Ach wirklich? denke ich. Schau ich mich um in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht – möchte ich ihm antworten, obwohl ich weiß, dass er das Potential ansprach und nicht die Realität. Inzwischen sieht die Realität allerdings noch düsterer aus als zu seiner Zeit. Das ganze Leben eines Menschen sollte Kunst sein, dann wäre der Zustand der Welt ein anderer.

Materialismus und Deko

Man kann es sehen, überall, jeder kann es sehen:

  • Die Menschen reagieren sofort und mit Hingabe auf jedes noch so kleine Geräusch ihres Smartphones aber hören die Stimme ihres Herzens nicht mehr.

  • Unsere sogenannten Lebensmittel sind voller giftiger Chemikalien, während Kosmetika beworben wird mit zugesetzten Vitaminen, Heilkräutern, Honig und anderem.

  • Telefone sind „intelligenter“ als Menschen, und es scheint mir, als ob die Menschen ohne ihr Telefon nicht mehr überlebensfähig sind. Sie finden wahrscheinlich ohne es nicht mal mehr von der Arbeit nach Hause.

  • Es ist wichtiger, wie wir uns kleiden und welche Dinge wir besitzen als der Zustand unseres Geistes und unseres Herzens.

  • Tiere sind des Menschen wichtigere und geliebtere Freunde als die Mitmenschen und die Pizza ist schneller an der Tür als der gerufene Krankenwagen.

  • Man versucht nicht mehr, Probleme zu lösen sonder mit ihnen irgendwie zu leben und sich ihnen anzupassen.

  • Wir leben in einer Verpackungskultur, die Inhalte verachtet.

  • Es werden etwa bei Ikea sogenannte „Kunstwerke“ zur Dekoration der Wohnung gekauft – inhaltsleer, bezugslos, seelenlos, geist- frei. So viele Wohnungen sind einander nahezu identisch, von der Persönlichkeit der Bewohner ist nichts mehr spürbar – vielleicht, weil sie schon gleichgeschaltet ist.

  • Seit „Corona“ ist es überdeutlich: Kunst spielt keine Rolle mehr, ist „nicht systemrelevant“ und kann weggeschlossen, zugesprerrt, „dicht gemacht“ werden. Was noch geduldet wird ist politisch korrekt, von den Herrschern manipuliert und dementsprechend wird sie bezahlt. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Der moderne politisch korrekte Künstler dient dem Dogma der Herrschenden zu deren Gefälligkeit und dem Zweck, die Menschen noch weiter von sich selbst und voneinander zu entfremden und zu leblosen sinnentleerten Maschinenwesen zu degenerieren.

Finde den Fehler und finde dich selbst wieder

Was hat das alles nun noch mit echter Kunst zu tun? Es geht letztlich um die wichtigste Kunst: die Lebenskunst. Wenn Menschen ihre Lebenskunst verleugnen und verlieren, ihr wahres Mensch – Sein, was soll denn dann noch die Kunst an sich? Wir haben komplett den Faden verloren. Doch er läßt sich wieder finden!

John Lennon sagte:

Ich kann die Welt nicht ändern, aber ich kann anders sein.

Ich kann die Welt in mir ändern und damit auch die Welt der Menschen, um mich herum.

Sie ist möglich, diese Welt, die wir in unseren Herzen tragen.

Eine Welt voller Mitgefühl, Achtung und Toleranz.

Sie ist möglich, wenn jeder Einzelne von uns, seinen Beitrag dazu leistet.

Sei du selbst die Person, die du gerne auf deinem Weg treffen würdest.

Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst!“

Komfortzone verlassen

Kunst und Freiheit, das echte Mensch – Sein, das Erschaffen einer menschengemäßen Welt für alle Wesen – das geht nicht vom Sofa aus. Mittlerweile ist der Karren auch so dermaßen verfahren und steht am Abgrund, dass es auch nicht mehr genügt, ein nettes Hobby daraus zu machen. Es beginnt außerhalb der Komfortzone.

Wie könnte es auch möglich sein, eine neue Realität zu erschaffen, wenn wir nicht bereit sind, alte Gedanken, Verhaltensmuster und wenig förderliche Angewohnheiten durch für uns dienlichere zu ersetzen?

Es führt deshalb kein Weg an den Grenzen unserer “Komfortzone” vorbei. Tatsächlich ist diese nämlich gar nicht so komfortabel, wie es uns stets suggeriert wird. Denn in Wahrheit ist sie etwas Begrenzendes – ein Gefängnis, das wir uns selbst aufgrund von Ängsten und Manipulation geschaffen haben. Sie treibt gerade die Menschheit ins Verderben, wir treiben uns gerade selbst mit unserer Trägheit, Denkfaulheit, Lebensuntauglichkeit und Bequemlichkeit dort hin. Wer immer nur das tut, was er gewohnt ist, und immer nur das „Nötigste“, und immer nur für sich selbst, bleibt immer derjenige, der er schon ist: Ein Mensch am Abgrund.

Große Errungenschaften hat man noch nie aus der Komfortzone erreicht. Und das ist Wahrheit: Wir als Menschheit und jeder Einzelne, wir brauchen jetzt was Großes. Wir brauchen jetzt etwas Neues. Mit dem alten Denken finden wir das nicht, das alte Denken hat uns ja immerhin an den Abgrund gebracht.

Wir müssen uns wieder an unsere seelisch – geistige Natur erinnern, zu uns selbst finden, erkennen, wer wir eigentlich sind und weshalb wir hier sind. Wir müssen das leere Deko – Leben aufgeben, wir müssen aufhören, das goldene Kalb namens Materialismus anzubeten. Wir müssen aus uns und unserem Leben wieder ein Kunstwerk machen.

 

Menschengemäße Kunst muß

1. die Vernichtung des Menschengemäßen verhindern und

2. das Menschengemäße aufbauen.

Nur das ist Kunst, sonst gar nichts.“

Joseph Beuys

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