Der Mensch ist selbst eingebettet in einen Rhythmus ähnlich dem des Jahreslaufes. Immerhin hat auch er einen Frühling, einen Sommer, einen Herbst und einen Winter. Und es gibt jeweils bestimmte Entwicklungs – und Lernaufgaben. Weiß man darum, kann man viel für sich selbst und die ihm anvertrauten Kinder tun. Wir sind in einer Zeit, in welcher der Mensch sich selbst immer fremder geworden ist, fast bis zur Unkenntlichkeit. Jeder Mensch hat die Kraft und auch die Macht, sich sein Wesentlichstes wieder zurückzuerobern.

Wichtig ist, nicht nur sein eigenes „jetziges“ Jahrsiebt zu erkennen. Es ist darüber hinaus wichtig, die vergangenen Jahrsiebte zu verstehen, mit seinem eigenen Leben zu vergleichen, evtl noch etwas nachzuarbeiten. Ferner kann man auch die kommenden Jahrsiebte betrachten und sich entsprechend darauf vorbereiten. Hier lernt man vielleicht auch ältere Menschen zu verstehen. So kann man den Mitmenschen (und vor allem den Kindern) auf neue, menschengemäße Weise begegnen und sie bestmöglich unterstützen.

Die Entwicklung bis zum 21. Lebensjahr: Das Menschwerden – Vorbereitung zum Leben

0– 7 Jahre:

Wenn das Kind zur Welt kommt, ist es noch nicht ausgereift. Seine Hauptaufgabe ist es, in dieser Welt richtig anzukommen, seinen Körper zu ergreifen und umzuformen, Lebenstechniken und Kulturtechniken zu erlernen, und natürlich zu wachsen, was es mit erstaunlicher Kraft täglich tut. Die Vererbungskräfte sind ganz stark wirksam, bis der Umbau abgeschlossen ist, wobei auch die Kinderkrankheiten helfen.

Das geistige Erwachen vollzieht sich durch Sinneseindrücke von außen. Sind diese angemessen und angenehm, fühlt sich das Kind wohl und gedeiht, sind sie unangemessen, gar schmerzlich, zieht sich das Kind in sich zurück. Das Kind lernt durch Nachahmung und erhält aus seiner Umwelt die Grundlagen für sein moralisches Verhalten im späteren Leben.

Das Kind braucht ein Nest, Wärme, Umhüllung, Schutz, Rhythmen und verläßliche Regeln, geregelte Mahlzeit und Schlaf, und vor allem Liebe und ungeteilte wohlwollende Aufmerksamkeit. Aufrecht gehen, sprechen und denken als grundlegende Kräfte entwickeln sich durch Nachahmung. Die Kräfte hierfür bekommt man „von den Göttern geschenkt“. Etwa mit 3 Jahren tritt das erste Ich- Erleben auf. Jetzt erst ist das Nerven-Sinnessystem ausgereift.

Umgebung, Natur und Elternhaus sind prägend. Es vertraut sich der Welt an, muß es ja auch. Erwachsene sind für das Kind Götter, so will es werden, alles an ihnen empfinden sie als „gut und richtig“. Kinder sollen in ihrer Phantasie leben können, diese entwickeln können, spielen können. Sie sollen die Erfahrung machen: ich bin geliebt, beschützt, die Welt ist schön, die Welt ist gut.

Kleine Kinder schauen staunend in die Welt, nehmen viel mehr wahr als nur das, was sie mit den Augen sehen.

7 – 12/14 Jahre:

Der Körper ist umgestaltet, die hierfür benötigten Gestaltungskräfte werden jetzt frei. Das Kind ist schulreif und aufnahmefähig und nutzt diese Kräfte, um Wissen in kindgemäßer Form (nicht akademisch!) aufnehmen zu können. Zu frühe Einschulung und zu frühes Akademisieren hat nachteilige Folgen, die sich viel später erst zeigen in körperlichen und seelischen Störungen/Schäden, etwa ab dem 50. Lebensjahr. Jetzt reifen die Atmungsorgane aus, welche Träger der Gefühle sind. Das Gelingen zeigt sich später in der Fähigkeit, gelingende Beziehungen zu Mitmenschen und Welt aufzubauen. Reiches Innenleben und Phantasie entwickelt sich nun.

Das Kind braucht den Erwachsenen als Autorität, zu dem es „liebend“ aufschauen kann. Diese Autorität prägt das zukünftige Weltbild des Kindes. Mit Autorität ist nicht „Strenge“ gemeint, sondern jemand, der eine Autorität darstellt durch sein „weise“ sein….. zu viel Autorität (hier auch im Sinne von rein autoritärem Machtgehabe) bewirkt Introvertiertheit, zu wenig Autorität produziert Unfähigkeit zur Innerlichkeit, zur schädlichen „Extrovertiertheit“. Rhythmen im Leben haben gesundende Wirkung, fehlen sie, folgen Rhytmusstörungen aller Art, Müdigkeit, Asthma….

Kinder lernen, weil sie ihren Lehrer „lieben“, sie folgen ihm nach. Sie lernen durch Wiederholung und durch Tun! Sie müssen erleben können, was sie lernen sollen (nicht intellektualisieren!), sie brauchen Bilder, Zuwendung, sie haben Hingabe an das, was sie tun. Sie brauchen wahrhaftige Inhalte.

Das Gefühlsleben ist eng verbunden mit „Religiosität“ oder „Spiritualität“ und Kunst. Das Kind nimmt Gewohnheiten der ihn umgebenden Erwachsenen auf und bis in die Tiefe deren Urteile („du bist dumm……Jungs weinen nicht“).

Mit etwa 9 Jahren kommt ein zweites Ich-Erleben, man merkt, man ist getrennt von allen anderen und „allein“. Sind das meine richtigen Eltern? Eltern sind jetzt doof, Lehrer doof. Kind-Elterneinheit zerbricht. Der Lehrer muß „sein“, was er sagt, er muß authentisch sein und stabil in seinen Wertvorstellungen. Es findet ein neues Ich – Du – Erleben statt, welches geübt werden muß, damit eine spätere Beziehungsfähigkeit gelingen kann. Pubertät beginnt so langsam. Damit fallen die Kinder aus dem Paradies der Kindheit heraus, sind aber auch noch nicht erwachsen.

Männlich und weiblich unterscheidet sich und wird erlebt. All das kann ein (notwendiges) Schwellenerlebnis sein, das die Seele sehr erschüttern kann.

14 – 21 Jahre:

Körper und Muskeln wachsen, Unterleibsorgane entwickeln sich. Ein Idealbild des Menschen erwacht im Jugendlichen und streitet mit den biologisch-erwachenden Kräften. Unzufriedene Rebellen mit Verschlossenheit hinterfragen jetzt alles, suchen den Sinn für alles, fragen „wer bin ich?

Denken, Fühlen und Wollen klaffen auseinander. Die Suche nach der Wahrheit beginnt. Erwachsene müssen nun authentisch sein. Die Grundlagen für die spätere geistige Entwicklung wird jetzt angelegt. Die Jugendlichen werden zumehmend selbst verantwortlich für ihr Schicksal. Freiheit und Verantwortung gehören zusammen, beides muß hier erprobt werden. Jedoch nie Freiheit von….., sondern Freiheit für, und zwar mit Verantwortung! Vertrauensverhältnisse dürfen jetzt nicht getrübt werden. Grenzen werden getestet (stimmt es noch, was du gesagt hast? Bist du noch konzequent? Kann ich dir noch vertrauen? Stehst du zu deiner Wahrheit oder verrätst du dich selbst?)

Das Abstaktionsvermögen beginnt jetzt (erst!), Intellekt kann angesprochen werden. Der Jugendliche braucht eine sinnvolle Welt. Der Erwachsene soll jetzt helfen, innere Fragen anzuregen, keine vorgefertigten allgemeinen Antworten liefern!

Die Zeit um das 17-18. Lebensjahr lässt uns wie durch eine offene Himmelstüre auf unseren Lebensplan schauen. 3. Ich-Erleben. Selbsterziehung muß beginnen, wahre Werte müssen gefunden werden können! Bis hier werden wir noch geführt vom Schicksal, von den „Engeln“, ab dem 21. Lebensjahr müssen wir uns um alles selbst bemühen, die Dinge geschehen uns dann nicht mehr so leicht und wie von selbst.

21 – 42 Jahre – Mensch-Sein

21 – 28 Jahre: Wer bin ich? Was soll ich mit meinem Leben anfangen? Die Zeit der Wanderjahre…

Wenn man sich auf Wanderschaft begibt, ist es sinnvoll, zu schauen, was man im Rucksack hat. Stimmt das noch? Brauche ich was neues, besseres? Was fehlt komplett? Und wie kann ich mich nun selber versorgen, ohne Vesperbrot von Mama? Dies ist ein Ansporn, eigene Tüchtigkeit zu entwickeln. Normen der Kindheit müssen überprüft werden. Manches ist aber so, wie es ist, Rebellion hat dort keinen Zweck, manches muß man integrieren. Jede Hürde im Leben läßt mich wachsen…

Und durch Menschenbegegnungen schleifen wir auch an uns selbst und erfahren uns selbst.

Viele Erlebnisse strömen auf uns ein. Man experimentiert. Selbsterziehung wird immer wichtiger, denn es ist ein Irrtum, zu denken, man wäre nun „fertig“. Das Leben ist ein Auf und Ab, wir müssen die Zügel nun selbst in die Hand nehmen. Wer früher zu viel umsorgt wurde, wem immer alles abgenommen wurde, tut sich jetzt schwer. Wenn immer noch Mama und Papa alles ausbügeln, läuft was schief und dieses „selber groß sein“ entwickelt sich nicht, auch später kann es kaum nachgeholt werden.

Abhängigkeiten entstehen und nehmen zu: vom Chef, vom Partner,…der neuen eigenen Familie, das bindet und wird oft als Unfreiheit empfunden. Aber wir sind jung, kraftvoll, denken, alles ist möglich, das Leben ist ewig, man kann alles… mit etwa 27 schwindet diese Kraft, unmerklich zuerst, und lässt manche in Depression verfallen.

In dieser Zeit erwacht unsere Seelenentwicklung. Wenn wir einen gesunden Boden unter unseren Füßen erschaffen, haben wir ein Fundament für unsere kommende Persönlichkeitsentwicklung und Entfaltung.

28 – 35 Jahre: Sterben und neu Auferstehen, könnte man sagen….

Eine Krise um das 28. Jahr herum, wie oben erwähnt. Das Tun kann uns aus depressiven Phasen herausziehen. Die Frage ist: „Wie kann ich tätig sein, mit dem, wer ich bin und was ich gelernt habe?“ Oben genannte Abhängigkeiten setzen uns zu. Es nützt nichts, sich halt einen neuen Chef, neue Partner zu suchen. Die Aufgabe ist, im Zwischenmenschlichen neu miteinander umzugehen. Nicht klammern oder von sich stoßen ist die Lösung. Das Zusammenleben mit einem Partner muß kein Handelsgeschäft bleiben, man kann einander gegenseitig unterstützen, mit der Frage: „Wie kann ich dir helfen, der zu werden, der du werden willst?“ Und ein Paar kann mehr sein als die Summe aus 1+1.

Vitalkräfte lassen nach, Krankheiten tauchen auf, sogar schwerwiegende. Etwas neues muß jetzt beginnen! Das Ich muß sich stärken und sich selbst überwinden. Begrabe ich meine Talente, meine Ideale, vergeude ich sie, oder wandle ich sie nun, damit sie für die Welt nützlich sind? Wenn Individualisierung nicht gelingt, sinken diese Kräfte ins Unterbewußte. Um den natürlichen Egoismus dadurch und in dieser Zeit auszugleichen, müssen wir Toleranz und Mitgefühl entwickeln. Denken und Fühlen müssen nun zusammenkommen. Anpassungsfähigkeit ist gefragt, aber so, dass ich mich nicht ersticken lasse. Der frühere Idealismus muß sich nun mit Materialismus verbinden, so, dass beide wirken können. Bleibt man Idealist, wird man vielleicht ein lebensfremder untauglicher Träumer. Wird man nur Materialist, erstarrt und verhärtet man, das Ego schwillt und hindert uns, Mensch zu werden.

35 – 42 Jahre: Aufstieg zum verwirklichten Mensch-Sein

Die Mitte des Lebens. Wir sind ganz tief in unserer Inkarnation angekommen, am „tiefsten mit der Erde verbunden“. Jetzt kommt die Zeit, sich langsam wieder etwas zu lösen, „aufzusteigen“.

Wir haben Fähigkeiten erworben, Sicherheiten aufgebaut. Die Gefahr hier ist, zu einem großen Egoisten zu werden. Brüderlichkeit, Toleranz und Respekt gegenüber anderen müssen nun entwickelt werden. Dafür gibt es heute sehr wenig Anreize, sehr wenig Vorbilder, auch keine „moralischen Vorgaben“ mehr. Wir erkennen, dass die hierfür zu erwerbenden Fähigkeiten sehr unterbelichtet sind, verkümmert, fremd geworden sind. Man kann deutlich in der Welt sehen: was wird verherrlicht? Wer „bringts am weitesten?“ Was ist angesehen?

Bisher hat der Mensch von der Welt „genommen“, für sich selbst genommen. Jetzt kommt die Zeit, wo etwas zurückzugeben ist der Welt. Was bleibt von uns übrig, wenn wir die Rollen ablegen, die wir spielen und den Besitz, den wir anhäuften? Ist mein Leben zur Routine geworden, zur inneren Leere? Was ist das, wie ensteht das, die innere Leere? Was müsste denn da eigentlich sein?

Wieder kritisieren wir die Welt mit unserer stärker gewordenen Urteilsfähigkeit. Dies sollte sich jetzt wandeln: die Kritik nach außen sollte zum Hinterfragen seiner selbst benutzt werden. Es muß ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen Selbstreflexion und Selbsterhöhung. Mit etwa 37 Jahren hat man nochmal einen Krisenpunkt, es kann ein Neubeginn daraus werden. Die Frage nach „Haben oder Sein“ stellt sich ein.

Wenn es gelingt, den Egoismus zu überwinden, kann auch ein Aufschwung unseres Geistigen beginnen. Unsere Worte bekommen mehr Weisheit, man hat zunehmend Lebenserfahrung. Mitmenschen können ihrem Wesen nach erkannt/gesehen werden.

42 – 49 Jahre: Die Menscherfüllung – geistige Entwicklung

„Midlife crisis“: Wer jetzt noch verhaftet ist am Anhäufen von Macht, Besitz, Materiellem, Erfolg und Karriere, verpasst zunehmend Entwicklungaufgaben. Die Krise kommt irgendwann mit Gewalt, mit Zusammenbrüchen, mit Depression. Fluchtmechanismen halten das nur wenig auf (Arbeit/Sex/Alkohol/Freizeiteskapaden…). Seelische Reife sollte jetzt schon gut entwickelt sein.

Was sich gesund entwickelt hat, trägt jetzt Früchte: mit 42 ist man ganz erwachsen. Das Leben hat uns reif werden lassen, wir haben unsere Persönlichkeit entwickelt. Diese Lebensreife dient dazu, die Früchte nun anderen Mneschen zukommen zu lassen.

Was stirbt nun? Was kann spriessen, wachsen, entstehen? Wer jetzt noch seine Eltern beschuldigt, hat was versäumt.

Die Ich-Kraft löst sich ab dem 35. Jahr langsam von den Organen und will ergriffen und benutzt und entwicket werden. Wenn diese Kräfte nur frei herumschwirren, können sie unser Bewußtsein überwältigen, wenn dieses nicht gefestigt ist und diese Kräfte nicht willentlich ergreift. Das kann zu psychischen Erkrankungen führen, zu Wucherungen, zu Depressionen.

Jetzt beginnt die Phase der geistigen Entwicklung. Man muß keine große geistige Sonne entfachen, es genügt und ist gesünder, sich auf das Entzünden kleiner Lichter zu konzentrieren. Die jetzt zu ergreifenden frei werdenden Kräfte können zu neuen Wahrnehmungsorganen werden. Dies bezeichnet man als Weisheit. Innere Fragen und Notwendigkeiten helfen uns.

Wie können wir eine neue Kreativität entwickeln, die unseren Fähigkeiten entspricht? Altruismus kann entstehen, Lehrtätigkeit ergriffen werden, das Fördern jüngerer Menschen kann zur neuen aAfgabe werden.

Jugend darf und muß sich nun endlich mit Würde verabschieden, wenn das nicht geschieht, wird es immer peinlicher.

49 – 56 Jahre: Neu strukturieren

Jetzt ist es wichtig, neue Rhytmen in uns und unserem Leben zu finden, sonst schädigen wir unseren Körper, dem nun nicht mehr so viel Regenerationskräfte zur Verfügung steht. Diese Zeit kann man als „moralisch-ethische Phase“ bezeichnen. Unser Herz soll ein Organ des Gewissens werden. Herzlichkeit und Mitgefühl für die Welt stehen im Vordergrund, nicht mehr die Egobedürfnisse. Wir können dann zum „Segen“ für unsere Mitmenschen werden.

56 – 63 Jahre: Introversion, mystische Phase, geistige Führungsqualität

Langsam schließen sich die Tore, die sich bei der Geburt öffnen, man braucht eine Brille, hört vielleicht bald nicht mehr so gut…wir müssen unsere Sinne pflegen, damit sie uns erhalten bleiben. Unser Körper wird zu einer Grotte, in dem wir als Eremiten leben, wenn wir nicht unser geistiges Licht anzünden, den Kontakt zum „Gott in uns“ herstellen. Wenn wir das schaffen, werden die kleinen Kinder uns lieben und gern bei uns sein, weil wir voller Licht und Güte sind.

Wurde uns durch zu frühes Intellektualisieren zu viel Vitalkraft entzogen, leiden wir jetzt an Sklerose, auch im Gehirn. Spätestens jetzt sollten wir etwas unternehmen mit künstlerischer Therapie, Denkschulung (nicht Kreuzworträtsel!) usw. Krankheiten zwingen uns, uns umzustellen, vieles bleiben zu lassen, Entsagung zu lernen anstatt zu wüten und uns im Fitnessstudio zu malträtieren. Wer die Arbeit und den Status als Lebensinhalt hatte, fällt jetzt bald in ein Loch. Wer jetzt nicht gelernt hat, die Menschen zu lieben, wird einsam und verbittert.

Jetzt schaut man auf sein Leben zurück. Was wollen wir nun weiterführen?

Die letzten Lebensabschnitte

Man wird freier vom Schicksalsgewebe, hat aber zunehmend mit den Folgen seines Lebens zu tun.

Hat man die Aufgaben der vorhergehenden Lebensabschnitte ergriffen? Versäumnisse kosten jetzt richtig. Dazu kommt, dass das Alter in unserer Gesellschaft nichts gilt und als Last gesehen wird, als könnte man es sich leisten, auf die Früchte zu verzichten, die ältere Menschen für die Welt haben. Auch das trifft zu: Ältere verschanzen sich irgendwo und weigern sich, nun ihre Früchte in die Welt zurück zu geben. Die Großfamilie wird schmerzlich vermisst. Dies ist eine Aufgabe der heutigen Zeit: die Isolierung abzuschaffen, die Ghettos abzubauen (Junge-Familie-Ghetto, Altersheime…).

Freiwerdende ergriffene geistigen Kräfte können uns helfen, mit dem Körperabbau zurechtzukommen. Weisheit führt uns zu nicht geahnten Erkenntnissen. Künstlerisches Gestalten ist jetzt sehr wichtig. Der Geist muß nicht abbauen, wenn wir ihn nur benutzen wollten! Das Staunen können wir neu erlernen, Dankbarkeit entwickeln, Güte kann von uns ausstrahlen.

„Wer als Kind zu jemandem aufgeschaut hat / das Beten gelernt hat, kann im Alter segnen“

„Ich fliege wie ein Adler über die Lüfte und lasse mich dort nieder, wo ich gebraucht werde“

Das scheint mir eine bessere Lebensphilosophie zu sein als verbittert und zornig zu sein oder nur noch Besitzstandswahrung zu betreiben. Ab Mitte 70 kommt tatsächlich allmählich der Tod auf uns zu. Wir sollten uns versöhnen, mit uns selbst und anderen. Wir sollten wach sein und ehrlich auf uns schauen. Man kann kurz und intensiv leben, oder lange leben und der Welt nichts hinterlassen. Letzteres wird am Sterbebett schmerzlich bewußt. Können wir noch etwas in Ordnung bringen? Vieles konnte nicht gelebt, verwirklicht werden. Manches diente vielleicht einer Ausbildung, die erst im nächsten Leben zum Tragen kommt.

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