Ein Traum und eine Perspektive für viele, plötzlich, weil die Zeiten so sind, wie sie nun mal gerade sind. Vor wenigen Jahren war das noch keine Option, zu gut ging es den meisten Einzelnen, Paaren und Kleinfamilien. Eigenheim war das Ziel. Arbeiten und Geld verdienen für ein eigenes Haus, für die 3-4 Urlaubsfahrten pro Jahr, für den schicken Zweitwagen. Die alten Eltern „gut“ untergebracht in Seniorenheim und die Kinder wohlversorgt in Kindertagesstätte und Ganztagsschule. So konnte das flutschen, das schöne Leben im besten Deutschland aller Zeiten.

Wenige haben sich schon lang Gedanken gemacht und suchten nach Alternativen, die, so wollten sie das, irgendwie menschengemäßer wären, auch wenn sie das anders nannten. Und meist immer noch das ewige „Ich will für mich“, auch in Gemeinschaftsbestrebungen.

Wie machen das andere?

Mein Mann und ich haben viele Jahre dieses Thema bewegt und daran gearbeitet, viele Gemeinschaften besucht, denn: das könnte doch was für uns sein. Doch das war es nie wirklich. Immer fanden wir dort irgendwelche offene oder heimliche „Könige“ vor, oder eine Art „innerer Zirkel“, die über die anderen bestimmten. Oder diese sorte Gemeinschaft, die genau betrachtet ein Zusammenschluß von Eigenheimbesitzern waren, auf die eigenen Rechte scharf bedacht und auf Pflichten nicht besonders scharf, erst recht nicht auf Verantwortlichkeit gegenüber den anderen.

Geld mußte man immer mitbringen, und zwar nicht zu knapp, und für seinen eigenen Unterhalt sorgen in Form irgendeiner lukrativen Berufstätigkeit. Dann wär da vielleicht was draus geworden. Aus dem Gemeinschaftlichen, das genau betrachtet nichts von „gemeinsam“ hatte.

Wie könnten wir es selber besser machen?

Zahllose Gespräche und Treffen folgten mit Menschen, die auch auf der Suche waren wie wir. Und die Vorstellungen waren tatsächlich immer dieselben: „Ich will für mich …“, „Wir wollen für uns …“, „Wir brauchen …“ und : „Leider sind wir beruflich sehr stark eingebunden, wir können zum Gemeinschaftsleben nicht allzu viel beitragen“. Wobei die Vorstellungen, was so gebraucht wird, den allgemein gültigen Wohlstand spiegelte.

So haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir denn beschreiben könnten, worum es uns wirklich geht. Einiges steht bereits hier auf diesem Blog in dem ein oder anderen Artikel. Es geht denn auch um das Thema, wer oder was ein Mensch wirklich ist, was der Sinn eines erfüllten Lebens sein könnte, was „Arbeit“ eigentlich ist, was Geld genaugenommen ist oder auch nicht sein sollte und was Verantwortung ist.

Geld regiert die Welt

und solange das so bleibt, wird es auch keine echte Gemeinschaft geben können, denn dann regiert Geld auch die Gemeinschaft. Doch kann sich eine Gruppe von Menschen von diesem Irrglauben bewußt lösen, wenn sie begriffen hat, dass dort eines der Grundübel steckt, weshalb die Welt nämlich jetzt genau so ist, wie sie ist und worunter die Menschen langsam beginnen zu leiden.

Es lohnt sich also, sich darüber Gedanken zu machen. Wir erinnern uns: wir dachten zuerst, wir leben, um Geld zu verdienen. Dann erkannten wir, wir gehen Geld verdienen, damit wir leben können. Jetzt lernen wir auch noch, wenn man weniger Geld braucht, um überleben zu können, weil man vielleicht seine Ansprüche runterschraubt, einfacher lebt und mit anderen zusammen wirtschaftet, hat man mehr Zeit. Das heißt, jeder legt das, was er hat, in den gemeinsamen Topf für die Gemeinschaft und daraus werden alle versorgt.

Gemeinsame Ökonomie

Man gewinnt also Zeit, wenn man weniger Zeit damit verbringt, Geld zu verdienen für Unnötiges. Zeit wofür? Zum Leben! Diese zusätzliche Lebenszeit, die uns der Verzicht auf Eigentum und unnötigen Luxus bringen könnte, nutzen wir für ein freudvolles und menschenwürdiges, menschengemäßes Leben in unserer Gemeinschaft. Und wir nutzen diese Zeit, um anderen zu helfen, damit sie auch mehr Zeit zu einem guten Leben haben.

Gemeinsame Ökonomie geht noch einen Schritt weiter. Wir könnten gemeinschaftlich Dinge nutzen, um Lebenszeit zu sparen für Sinnvolles und Freudvolles. Nun schauen wir auf jedes einzelne Mitglied unserer Gemeinschaft. Jeder einzelne ‘Haushalt’ hat Einnahmen und Ausgaben. In der Regel sind diese beiden Positionen ausgeglichen, egal, wieviel oder wenig jemand hat. Anschaffungen oder besondere Belastungen müssen oft auf viele Monate verteilt werden. Wenn sich nun mehrere Menschen zusammenschließen, entstehen Synergien und schwierige Lebenssituationen können besser abgefedert werden, da sie von den anderen mitgetragen werden. Nicht alle Gemeinschaftsmitglieder werden zur selben Zeit krank werden oder werden zur selben Zeit einen außergewöhnlichen Bedarf haben. Während die einen gerade sehr wenig Geld verbrauchen müssen, kann das “überzählige” Geld jenen nutzen, die gerade mehr brauchen. so kommt mit der Zeit jeder in den Genuß von “flüssigem” Geld und Hilfestellung bei ungewöhnlichen Ereignissen. Es ist so wie in einer guten Familie: Einmal bekommt der Vater mehr zur Verfügung, weil er einen neuen Wagen braucht, einmal ist die Tochter dran, die einen Sprachkurs machen will, einmal braucht die Mutter etwas mehr, weil sie nach der Pflege der kranken Schwiegermutter einen Erholungsurlaub braucht etc.

Idee zu einer anderen Lebensweise mit mehreren Gleichgesinnten

Deshalb hatten wir vor einigen Jahren überlegt, wie das gehen könnte und wie Menschen begreifen könnten, was wir eigenltihc meinen. Folgendses hatten wir damals notiert, einfach als eine Möglichkeit unter vielen:

Wir wollen unsere Vision so umsetzen, dass weder Gebäude noch Grundstück als Eigentum gehalten werden. Grund und Boden kann einer Stiftung angehören. Damit ist dies der Gemeinschaft gesichert und der Willkür und Spekulation entzogen. Wohngebäude, Wohnungen, Gemeinschaftseinrichtungen und Werkstätten gehören einer noch zu gründenden Genossenschaft. Wir Menschen, die dort leben, sind Mitglieder der Genossenschaft und werden mit allem, was dort ist, verantwortlich und pfleglich umgehen, so, als hätte man es geliehen. Jeder bringt sich ein nach seinen finanziellen und praktischen Möglichkeiten. Wir werden Entscheidungen über diese Dinge gemeinschaftlich treffen.

Darüber hinaus ist uns bewusst, dass Eigentum eine anti-soziale Wirkung hat. Auch deshalb wollen wir überall dort, wo es uns möglich ist, auf Eigentum verzichten. Wir haben uns in unserer Gesellschaft daran gewöhnt, dass ein Jeder das Seine hat oder haben muss, bis hin zu „Hast du was, bist du was!“. Das möchten wir auflösen und in den Genuss des Teilens gehen.

Nicht jeder braucht seine eigene Waschmaschine oder die eigene Gefriertruhe. Welchen Nutzen haben Bücher, die, einmal gelesen, in Regalen und Schränken achtlos verstauben? Das eigene Auto steht die meiste Zeit unbenutzt in der Garage und frisst trotzdem Geld und Zeit. In Häusern mit z.B. 5 Wohneinheiten muss es keine 5 Rasenmäher und 5 Schneeschaufeln geben! Da wir auch Werkstätten einrichten und betreiben wollen, ist es nützlich, wenn es dort Maschinen und Geräte gibt, die jeder nutzen kann. Alles behandeln wir pfleglich und sorgsam. Denn der, der als Nächster kommt, möchte auch noch seine Freude daran haben.

Dadurch lernen wir nicht nur, bewusster mit den Dingen umzugehen und an unsere Nächsten zu denken und nicht nur an uns selbst. Wir können auch umdenken, was unsere Konsumhaltung und unser Konsumverhalten betrifft. Zusätzlich, und das ist oft das einsichtigste Argument: Man spart sehr viel Geld! Was tut man denn dann mit dem „gesparten Geld“? Zu allen guten Ideen, die man hierzu hat, möchten wir eine dazu fügen:

Man braucht es schlichtweg nicht, dieses „gesparte Geld“! Und man muss es nicht einmal auf die „hohe Kante“ legen für schlechtere Zeiten, denn man hat ja die Gemeinschaft! Was bedeutet das? Es bedeutet: jetzt muss man weniger Zeit damit verbringen, Geld zu verdienen! Und zwar dort, wo das System gnadenlos auf den ganzen Menshc mißbräuchlich übergriffig ist und ihn ausbeutet, oft für eine Arbeit, die nicht einmal Freude macht oder Sinn hat, geschweige denn, den eigenen Talenten entspricht.

Wer bekommt wieviel?

Daran scheiden sich immer die Geister, wenn es kleine Geister sind. „Wer arbeitet, hat auch genug Geld zum Leben – Wer nicht genug Geld zum Leben hat, ist selbst schuld und soll halt mehr arbeiten.“ Ach. Wirklich? Was ist eigentlich Arbeit? Wir akzeptieren nur das als Arbeit, was Lohn oder Einkommen bringt. Das ist ein schlimmer Zustand in unserer Gesellschaft, denn sehr viele Menschen arbeiten hart, ohne einen einzigen Pfennig dafür zu bekommen. Oftmals sind das immer noch die Frauen.

Als Beispiel könnte es folgende Personen in einer Gemeinschaft geben:

Arndt, im mittleren Alter, hat studiert, arbeitet in guter Position im Management, alleinstehend;

Carola, alleinerziehend mit 2 kleinen Kindern, vor der Mutterzeit tätig als Frisörin;

Rolf und Erika, Rentnerehepaar, er ehem. Buchhalter, sie Hausfrau;

Paula, Studentin

Erich, Anfang 30, EDV- Fachmann

Gisela, Buchhändlerin, selbständig, Anfang 50, geschieden, 1 erwachsener Sohn;

Liselotte, Rentnerin, 4 erwachsene Kinder, Witwe, Hausfrau

Susanne und Ernst, beide geschieden, 1 gemeinsame Tochter, beide angestellt tätig, kurz vor der Berentung;

Hanne, Ende 50, Verkäuferin, 2 Kinder im Studium, geschieden,

Alle diese Menschen waren und sind mit Sicherheit in ihrem Leben fleißig und haben auch wichtige Aufgaben für die Gesellschaft übernommen, für die sie weder bezahlt noch geachtet wurden. Sie stehen nun mit sehr verschiedenen finanziellen Möglichkeiten da und ihr Lebensstandard unterscheidet sie für gewöhnlich sehr voneinander. Wir stellen hier die Frage: warum?

Von Geburt an festgelegt…

Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass es Menschen gibt, die sehr viel Geld haben und Menschen, die sehr wenig haben oder in Armut leben. Trotzdem gaben sie immer alles, was sie konnten und bemühten sich immer so, wie sie es nur konnten. Wer in unserer Gesellschaft in der ärmeren Bevölkerungsschicht geboren wird, hat kaum Chancen, dem zu entkommen. Von Geburt an also eingeteilt in Arm oder Reich.

Brüderlichkeit

Wir wollen in einer Gemeinschaft da, wo wir es können, einen Ausgleich schaffen, damit jeder in Menschenwürde leben kann. Wir wollen keine „Gleichmacherei“ betreiben. Menschen sind verschieden und haben verschiedene Bedürfnisse, auch dies kann man bedenken. Gemeinsame Ökonomie unter Menschen wird manchmal ja von Ehepaaren oder Familien auf eine selbstverständliche Weise gelebt. Dies kann man auch freiwillig mit den Menschen tun, mit denen man in einer Gemeinschaft lebt.

Da Geld in unserer Gesellschaft und in unseren Köpfen noch oft eine „heilige Kuh/goldenes Kalb” ist, kann diese gemeinsame Ökonomie nicht als Grundsatz gelten in unserer Gemeinschaft, nach dem sich alle zu richten haben. Wir könnten es so einrichten, dass diejenigen, welche die Zusammenhänge verstehen, es üben können mit denen, die es auch verstehen. Die entwürdigende Ungleichheit in unserer Gesellschaft (die im übrigen Reiche Menschen ebenso entwürdigt wie Arme) ist von Menschen gemacht, sie ist unnatürlich und krank (machend). Dieser Zustand kann von Menschen geändert werden.

Wir möchten in allen Belangen des Wirtschaftens den Grundsatz der Brüderlichkeit leben!“

Soweit ein Ausschnitt aus unseren Überlegungen. Dies sind nur wenige Anregungen, um einmal umzudenken, anders zu denken, denn: alles, was uns beigebracht wurde, dient dem System. Es dient nicht den Menschen. Es ist nicht gesund. Es macht nicht glücklich. Es gibt dem Leben keinen Sinn.

Sollte die Menschheit der geplanten „End-Lösung“ dieses Systems entkommen durch eigene Kraft – denn anders wird das nix und das Zeitfenster wird nicht ewig offen bleiben, um den Karren noch rumzureißen – , wird sie bereits anders denken können müssen. Deshalb muß jetzt schon erkannt werden, was schädlich ist für Menschen und was den Menschen förderlich wäre. Das Wissen und Erfahrungen sind schon lange da. Dieses Rad muß nicht neu erfunden werden. Man muß nur aufhören, sich dem, was richtig ist, zu verweigern.

Dieser Blog enthält fast 300 Artikel. Die meisten davon sind gespickt voller Aufrufe an die Menschen, sich zu ändern, genau genommen bedeutet das: Werdet endlich zu Menschen, die diese Bezeichnung verdienen. Und in fast allen meiner Artikel steht haarklein drin, wie jeder, wirklich jeder, heute damit beginnen kann. es wird erforderlich sein, die Inhalte meiner Artikel nicht nur zu konsumieren, sondern die zahllosen Beispiele endlich umzusetzen, die ich angeboten habe. die Begriffe, die ich verwende, sind keine leeren Worthülsen – jedenfalls nicht für mich. es sind Tun-Wörter! Fürsorge, Interesse am anderen, Brüderlichkeit, Hilfsbereitschaft, Teilen, Schenken, Helfen, Zugewandheit, Verantwortung, Unterstützung, Würdevoller Umgang miteinander, und so weiter und so fort. Es wird kein Wandel geschehen, wenn nicht jeder Einzelne sich wandelt.

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