Wir haben es bemerkt, die letzten 2 Jahre. Schmerzlich allzuoft, und manchmal war es eine freudige Überraschung, jedenfalls für mich. Freundschaft, die Zerreißprobe. Wer hat sich nun als Freund erwiesen? Wem war ich selbst noch Freund in dieser Zeit? Wo waren sie denn auf einmal, meine „Freunde“? Die Karten kamen auf den Tisch. Auf diesem Scheideweg der Menschheit, an diesem Scheidepunkt hat es sich gezeigt. Ent – Täuschung. Trauer. Freundschaft mußte neu definiert werden.

Es gibt eine ganz andersartige Art von Freundschaft, die ich durch diese entsetzliche Zeit, eine Prüfung der Menschheit, eine Prüfung für jede einzelne Seele hier, erlebt habe. Eine Prüfung auf Herz und Nieren, sozusagen. Eine Art Offenbarung.

Es geht nicht um einen großen Freundeskreis, mit dem man tolle Partys feiern kann. Schönwetterfreunde nenne ich das oft. Wer ein Freund ist, was eine Freundschaft ist, zeigt sich genau dann, wenn es stürmt, wenn alles zusammenbricht, wenn nicht mehr viel bleibt von all der Dekoration, mit der man sich sein Leben vollstellt. Wenn die Not am größten und die Nacht am tiefsten ist.

Zweckgemeinschaften, wie auch viele Partnerschaften sind, meine ich nicht. Man hat sich aneinander gewöhnt. Man hat sich arrangiert. Ist da aber etwas mehr? Etwas, das trägt, ein stabiles Fundament hat, eine zuverlässige Verbindung, die tiefer geht als soundsoviele Jahre schon einander kennen? Was macht es aus, das gewisse etwas?

Ich frage einen Freund

„Freund oder Feind. Wenn du nicht gegen mich bist, bist du für mich. So gesehen besteht Freundschaft unter allen Menschen.“ Das antwortet er mir, der Freund. Das wäre ein schönes Ziel, denke ich, genau so wünsche ich mir die Menschheit der Zukunft. So gesehen müßten doch alle Menschen einander Freund sein, zusammenhalten, zusammenarbeiten, einander unterstützen und füreinander „gut“ sein, zueinander gut sein, die ein solches Ziel haben. Freundschaft unter allen Menschen – was für ein schönes zu Hause wäre die Welt für alle Kinder, wenn das so wäre?

„Liebe ist die einzig wahre Wahrheit in dieser Welt“, sagt dieser Freund, der behauptet, der völlig falsche zu sein, um etwas zum Thema Freundschaft zu sagen. Ausgerechnet und mit Absicht bat ich genau ihn, etwas über Freundschaft zu sagen. Er ist Autist. Ein Nerd. Er ist ein Freund. „Das ist Gott“, sagt er. Der Christus, denke ich gleich. Er ist wohl der einzige treueste absolute Freund eines jeden Menschen. Ein Vorbild. Mein Vorbild.

Vögel gleichen Gefieders

Was ist Freundschaft? Eine tiefe Verbindung. Auf Seelenebene. Kinder gleichen Geistes. So denke und fühle ich. Für andere mag das anders sein. Und dies habe ich erlebt in dieser Zeit der Menschheitsprüfung. Vorher auch schon, immer wieder, doch gerade jetzt sehr intensiv. Worum geht es eigentlich? Es geht um unsere Aufgabe. Manche sagen, sie hätten einen Auftrag, selbst gewählt und darum geht es ihnen im Leben. Die Weggefährten bei dieser Aufgabe, auf diesem Weg, das sind die Freunde, die wirklichen Freunde.

Da ist man nicht wegen Kleinigkeiten gleich „verschnupft“, man knallt auch mal aneinander, aber man rauft sich wieder zusammen, schüttelt sich kurz und weiter gehts auf diesem Weg, der wichtiger ist als Befindlichkeitsstörungen. Das gemeinsame Ziel ist der Leuchtturm, die Fackel, der man folgt.

Die Gefährten

Geht so was? Man kennt sich nicht wirklich lange, hat sich unter Umständen noch nicht einmal persönlich getroffen. Und doch! Gerade jetzt, seit 2 Jahren, habe ich Freunde getroffen, die schon immer irgendwo waren. Doch das Ziel, die Entscheidung am Scheideweg, das verbindet uns.

Da gibt es eine Künstlerin, die seit Frühjahr 2020 Bilder malt, jeden Vormittag eines. Als Newsletter schickt sie einige davon jedes Wochenende in die Welt, zu ihren Freunden und Bekannten. Nahrung für die Seele und den Geist in dieser schweren Zeit. Ich antworte ihr, schreibe ihr, wie es mir geht, was ich erlebe mit ihren schönen Bildern. Ein Austausch ist dadurch entstanden, wunderschön. Ja, es ist nahrhaft, für sie, für mich, und meine Wohnung ist schon voller Bilder. Manche habe ich ausgedruckt, mir im Trödelladen schöne Rahmen gekauft. 17 sind es schon, verteilt auf 3 Zimmer, die meisten hängen um mein Bett herum.

So manch andere Menschen sind in mein Leben gekommen. Auch wenn wir nicht oft voneinander hören, manchmal selten einander schreiben, verbindet uns doch das gemeinsame Ziel, die gemeinsame Seelenhaltung, das gemeinsame Streben, unsere Aufgabe zu erfüllen. Ein jeder da, wo er ist auf die Weise, die zu ihm gehört.

Der Weg und das Ziel

So wie der Freund, der mir über Freundschaft sprechen sollte und es tat auf meinen Wunsch, obwohl er der Ungeeignetste sei hierfür, wie er meint. Ausgerechnet er soll der Ungeeignetste sein, der seit 2 Jahren nichts anderes tut, als Menschen aus dieser von außen gesteuerten Angst zu holen, ihnen die Hand reicht, ihnen weiterhilft auf dem Weg, der jetzt so dringend von den Menschen gegangen werden muß. Der anderen beigebracht hat, wie das geht, was er da macht, damit sie es auch tun, den Menschen die Hand reichen und sie mitnehmen auf den Weg, den besten, den ich mir jetzt vorstellen kann. Und da sind viele, die mit ihm gegangen sind die letzte Zeit, viele Monate, die jetzt auf ihre Weise den Menschen in Not die Hand reichen. Lauter Verrückte, denke ich oft liebevoll, wenn ich mit ihnen schreibe, wir uns austauschen, zusammenarbeiten. Freundschaft, denke ich dann.

Wie auch immer er das nennen möchte, dieser Freund, ich nenne das jetzt einfach mal den Weg vom Ich zum Wir. Ich möchte es den Weg zum Christus nennen, den Pfad des Buddha, auf dem man zum Bodhisattva wird, und das ist einer, der aus Liebe und Mitgefühl den leidenden Brüdern und Schwestern mit Weisheit und Tatkraft aus der Not heraus hilft. Echte Freunde also.

 

 

 

 

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