Zahlreiche geistige Ergüsse großer Meister werden unendlich oft zitiert, oftmals in Selbstgefälligkeit, angesichts der eigenen „Bildung“. Unendlich viele Weisheiten, seit Jahrhunderten bekannt, werden ebenso zitiert und verbreitet und der Leser nickt bedeutungsschwer dazu, kennt er sie doch alle ganz genau. Wenn man sich doch nur daran halten würde, denkt man still und weise bei sich, seufzt und geht zum Tagesgeschäft über. Das Tagesgeschäft, welches genau diese Weisheit unzählige Male an einem Tag mit Füßen tritt.

Der wichtigste Mensch der Welt ist der, welcher gerade bei dir ist

Wir erkennen selbstverständlich in unserem Nächsten den Bruder, die Schwester, das Wesen mit dem göttlichen Funken in sich. Es kam rein und voller Vertrauen zur Welt, von Grund auf gut und voller Liebe und mit großer Hoffnung. Wir wissen darum, wie schwer das Menschenleben ist, wie vieles man erdulden und erleiden muß, wie hart das Leben sein kann zu einem jeden von uns und achten natürlich die stetigen Bemühungen unseres Nächsten, es gut zu machen, tapfer und mutig zu sein im Alltag und in Krisenzeiten. Wir wissen darum, in ihm schlägt ein sehnsuchtsvolles Herz und eine große Seele, welche sich ernährt von unseren Aufmerksamkeiten, von unserer vollen Zuwendung, von unserem tiefen Interesse an ihm, und sei es täglich nur für wenige Augenblicke.

Diese Seele freut sich ungemein und schöpft Kraft daraus, aus unserer Anerkennung ihres So – Seins, aus unserem offenen Blick, der bereit ist, das Gute in ihr zu sehen, das wahre Wesen in ihr zu erkennen, die Besonderheit ihrer Fähigkeiten und Talente, wissend, dass dieser eine Mensch einzigartig ist und bestimmte Dinge für die Welt tun kann, die nur er genau so tun kann. So voller Respekt behandelt, blüht der Nächste ermutigt durch uns auf und ist in der Lage, über sich selbst hinauszuwachsen.

Diese Art von Umgang pflegen wir am meisten natürlich mit den uns allerliebsten Menschen. Mit unseren Eltern, mit unseren Liebespartnern, mit unseren Kindern, mit unseren besten Freunden. Ihnen haben wir, und das ist uns jederzeit voll bewußt, das meiste zu verdanken. Was wären wir ohne sie, sie sind uns so unendlich wichtig und wir sagen es ihnen täglich. Wie sehr wir sie lieben. Wir zeigen es ihnen durch unsere Aufmerksamkeit, so erkennen wir auch, was ihnen gefällt, deshalb schenken wir es ihnen so oft wie wir nur können, und wir erkennen, was sie verletzt oder kränkt und haben gelernt, das nie wieder zu tun. Nichts könnte wichtiger sein als das! Wie könnten wir auch durch Achtlosigkeit oder Gleichgültigkeit diese Liebe verhungern und sterben lassen? Wie könnten wir auch nur auf die Idee kommen, uns selbst wichtiger zu nehmen als den Liebsten? Egozentrik und Liebe vertragen sich nicht, das läßt Liebe ersterben und sie wird aus dem Leben des Egozentrikers vollständig verschwinden.

Ist niemand bei uns, so sind wir uns selbst der wichtigste Mensch. Auch wir sind Gottes geliebte Kinder, einzigartig und Wert, gut und fürsorglich behandelt zu werden, auch uns sebst gebührt natürlich unsere Aufmerksamkeit, unser Respekt, unsere Zuwendung und unsere Liebe. Auch wir haben es schwer in dieser Welt, darum wissen wir und sind deshalb gütig mit uns. Wir schenken uns das, was uns kräftigt, ermutigt und nährt und tun uns nichts an, was uns schwächt oder beleidigt.

Unsere Werkbank sei unser Altar

Bei allem, was wir tun, ist uns bewußt, dass es unseren Brüdern und Schwestern, unseren Liebsten, den Menschen dienen soll zur Freude und zum Wohlgefühl. Es soll das Licht und die Liebe in der Welt nähren. Es soll heilend und gesundend sein. Es soll der Freude dienen. Ob wir nun die Fenster putzen, ein Auto reparieren, die Saat in den Boden bringen, eine Mahlzeit kochen, die Straße kehren, einen Schrank bauen, den Kamin fegen, den Müll entsorgen, egal, was es sei, wir denken dabei an unsere Lieben und unsere Mitmenschen und tun das für sie. Wir wünschen dabei, es möge ihnen nützen, sie erfreuen und ihnen gut tun. Wir denken auch während unserer Arbeit an alles, was wir lieben: das schöne Wasser, die herrliche Sonne, wir denken an wundervolle Blumen und Bäume, an den weichen warmen Wind, an all die wundersamen Tiere in unserer Welt, an schöne Musik und Dichtkunst und an den Kuß, den uns gestern jemand schenkte.

Dies ist unsere Kirche, dies ist unsere Religion, dies ist unser Gottesdienst, der sich zeigt darin, was wir für unsere Lieben tun und vor allem: wie wir es tun: mit großem Herzen, liebevoller Seele, mit klarem Geist und in vollem Bewußtsein, dass das unser Gottesdienst ist und dass genau das unsere Liebe ausdrückt.

Ohne das ist alles nichts

Wir wissen genau, ohne das ist alles Bestreben vergeblich, ohne das ist alles nichts. Es ist das einfachste der Welt, es kostet nichts, gar nichts. Man muß keinen Universitätsabschluß haben hierfür, er scheint sogar eher hinderlich. Wir brauchen dazu kein Komitee und kein Zoom – Meeting, wir brauchen keine Vertreter oder Vorstände oder keine Partei dafür, wir brauchen dazu gar nichts und gar niemanden. Dies ist das einzige, worin wir Menschen immer frei sind! Niemals kann man uns diese Freiheit rauben, ganz im Gegenstatz zu irgendwelchen sogenannten Rechten oder sonstigem. Keine Herrscher der Welt können uns diese Freiheit beschneiden. Dort ist der Sitz unserer Menschenwürde, und dort ist sie unantastbar.

Wer seine Grundrechte einfordert, weiß das genau: diese können vom Regime genommen werden. Doch dieses eine Recht hier, diese Freiheit, diese Würde, sie ist unverletzlich und von keinem Tyrannen zu zerstören. Deshalb nutzen wir das. Jeden Tag, das ist unsere größte und schärfste und gefährlichste Wafee, diese Waffe fürchten Tyrannen wie keine andere sonst. Diese Waffe wird uns siegen lassen, das wissen wir. Und mit ihr bauen wir schon jetzt an der neuen Menschheitszukunft. Auch das wissen wir. Wir tun es deshalb täglich und unermüdlich! Es ist ein Prozeß, es wurde uns aberzogen, doch wir erobern uns unsere größte Freiheit und schönste Würde selbst zurück, in dem wir genau das tun:

Der wichtigste Mensch ist der, welcher bei mir ist, unsere Werkbank ist unser Altar. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Das ist, was wir nun wirklich begriffen haben und was wir nun wirklich tun. Jeder kann das. Das kleinste Kind, der gebrechlichste Kranke, der beschäftigtste Arbeiter, jeder. Wir tun es.

Vielleicht. Vielleicht morgen.

Vielleicht. Oder wir seufzen jetzt wohlig und klicken uns weiter durchs unendliche digitale Netz rund um die Welt, während nebenher der letzte Rest an Liebe verhungert und stirbt, direkt neben uns, direkt bei unseren sogenannten Liebsten, während wir freiwillig auf unsere einzige und heiligste Freiheit und Würde verzichten und uns selbst zu Sklaven machen, für die das Ende schon lange geplant ist.

Aufrufe: 118