Eine Freundin schickt mir ihren Bericht von einem Aufenthalt in einer Gemeinschaft, so, wie man sich das unter Menschen vorstellen könnte. Dort leben die Menschen miteinander und füreinander, obwohl sie alle Individuen bleiben.

Sie scheinen es geschafft zu haben, ohne ein Komitee vorher zu bilden, viel Geld zu generieren, Kredite aufzunehmen, es jahrelang zu planen, einen Gesetzestext und Statuten aufzustellen und dergleichen. Da hat einer angefangen und es sind nach und nach welche dazu gekommen. Fertig.

Hier der Bericht meiner Freundin mit herzlichem Dank an sie für die Mühe, den Menschen zu zeigen, dass nicht sie am guten Leben unter echten Menschen hindert als sie selbst.

Das Camp

Es liegt inmitten eines sehr dichten Kiefernwaldes, weg von allem und von der Ferne nicht einsehbar.
Viele Jahre lag es brach bis ihm sich wieder jemand widmete und seit dem dort werkelt.

Es ist ein offizielles Camp, noch so richtig DDR mäßig.
Die Bungalows, sind für eine Familie mit 2 Kindern ausgerichtet, haben eine kleine Dusche mit WC, eine Kochnische, einen Wohnbereich wo sogar ein kleiner Ofen drin steht.
Luxus -materiellen Luxus in Form von Designer Möbeln und Parkett ist nicht vorhanden, wohl aber ein TV, welcher aber bei uns aus blieb.
Wir suchten Zweisamkeit und Ruhe, ohne störende Alltagsablenkung, und das bekamen wir dort.

In dem Camp wohnen auch Dauercamper, die die meiste Zeit des Sommers dort verbringen und auch im Winter viel vor Ort sind.
Wie viele genau von letzterem weiß ich nicht, aber 6 bis 8 werden es sein.

Das Alter ist total gemischt, das weiß ich von einem der dort lebt.
Er selbst ist unter 40, hat dort eine Freundin, die aber ihren eigenen Bungalow bewohnt um sich zu verwirklichen, und das älteste ist im Rentenalter.
Der Rest liegt dazwischen.

Alle suchen einfach nur friedliches Leben, Ruhe wenn man sie möchte und braucht – Gemeinschaft und Hilfe, wenn man sie sucht und von Nöten ist.

Die eine Person, die ich kennenlernen durfte, ist wie gesagt unter 40 und unterstützt neben den anderen dort den Betreiber des Camps bei allen anfallenden Arbeiten, aber das ganz in Ruhe, ohne “Zwang” und “Muss” , erst recht nicht in Form von Arbeitszeiten/Stunden .
Ist ihm mal einen Tag nicht danach, ja dann tut er halt nix, bzw. widmet diese Freizeit sich selbst.
Als Gegenleistung wohnt er dort mehr als günstig ;- , bzw darf sich einen abgetrennten Teil des Camps für sich selbst herrichten.

Dann ist da eine ältere Dame, Rentnerin, sie ist schon viele Jahre dort Gast gewesen, damals mit ihrem Mann. Er ist leider vor kurzem verstorben, doch sie ist geblieben.
Fast das ganze Jahr ist sie dort, nur für wichtige Erledigungen muss sie für 1 oder 2 Wochen zurück in ihren Wohnort.

Ich frug meinen Bekannten, ob ihr nicht manchmal langweilig ist oder sie einsam ist so alleine.
Da lächelte er mich an und sagte “Sie ist nie alleine, wir kümmern uns, und irgendjemand von uns besucht sie täglich, und sei es nur mal auf nen Kaffee und ne Kippe”

Dann ist da noch eine Frau, die näht Kleidung.
Sie verlauft sie online, aber sicher auch dort, wenn wer Kleidung braucht im Tausch gegen etwas anderes.
Mir gefällt die Vorstellung, seiner Leidenschaft nachgehen zu können, an einem Ort völliger Ruhe, wo man im Einklang mit sich ist, zu Zeiten wie und wann man will … wie es mir gefällt, ohne mich komplett anpassen/unterordnen , ja gar ausnutzen lassen zu müssen.

Und dann die andere Frau, mit den vielen Hühnern.
Sie hat ihre Freude an den Tieren und versorgt neben sich selbst auch alle anderen dort, mit frischen Eiern.
Und das ohne Geld, denn sie gibt gerne.
Im Gegenzug, helfen ihr die anderen beim rein und rauslassen der Tiere, oder geben nen kleinen Obolus dazu, wenn mal ein neuer Sack Korn her muss.

Das selbe mit Fleisch, irgendwie kennt da immer jemand jemanden, der gerade ein Stück übrig hat nach dem Schlachten, und das genießt man dann auch gemeinsam.

Die haben dort auch einen kleinen Gemüsegarten/Gemeinschaftsgarten, wo sie Gurken, Tomaten, Kartoffeln usw. anbauen.
Leider konnte ich da nicht alles einsehen.

In der Mitte des Camps gibt es einen tollen Grillplatz, auch einen Steinbackofen für Brot usw., und einen “Saal” .
Das steht allen Gästen zur Verfügung, aber auch die Camper treffen sich dort.
Lachen, schmausen, trinken, besprechen gemeinsame Pläne, Feiern, Leben, Spaß haben.

Gibt es Dinge zum reparieren im Camp oder gar neu zu bauen, so haben sie immer irgendwie Kontakte wo sie z.B. alte Steine oder Holz herbekommen.
Kaum neues wird gekauft, sie verwenden Dinge die andere “loswerden” möchten.

Ich weiß nicht von jeden dort die Beweggründe, sich dort niedergelassen zu haben.
Aber von denen ich es weiß, bei denen ist es ganz klar ersichtlich.
Ruhe, selbst sein zu können, Abgeschiedenheit, Leben in und mit der Natur, keine Lust mehr für jemanden zu buckeln und dabei selbst auf der Strecke zu bleiben – einfach das Leben genießen.

Die Menschen die dort leben, sind bodenständig, ehrlich, lieb, verrückt, so würde ich es beschreiben.
Sie wissen, wenn ich einen warmen Hintern im Winter haben möchte, dann muss ich aufstehen und beizeiten für Holz sorgen.
Aber ich muss nicht jeden Tag aufstehen, um andere reich zu machen oder deren Arsch zu wärmen.
Die Menschen dort sind tierlieb, das haben mir die 2 oder 3 zugelaufenen und aufgenommenen Katzen dort gezeigt, welche sicher sonst im Wald verendet wären.
Und obwohl sie nicht viel in der Tasche haben, haben sie sogar gemeinschaftlich dafür gesorgt das die Tiere Kastriert/Sterilisiert werden, um eine unkontrollierte Verbreitung dort zu verhindern.

Diese Menschen dort sind dankbar, und das ist so toll.
Mein Mann und ich haben ein Körbchen mit Selbstgemachtem mitgenommen.
Darunter eingekochtes Sauerkraut, Zucchini, verschiedene Marmeladen, Wild Fond, Liköre ….
Sie haben sich so gefreut darüber, das sieht man selten.

Das Fazit für uns ist, wir fahren da im Herbst definitiv wieder hin.
Wir möchten die anderen auch alle mal kennen lernen, deren Geschichten usw.
Vielleicht auch mal einen heimlichen Einblick erhaschen dürfen, wie sie genau leben, denn deren privates Areal ist abgetrennt.

Und… Mein Mann und ich wissen eines ganz genau, hätten wir unser kleines Häuschen nicht, wo wir seit 10 Jahren jede freie Minute für einplanen um es uns schön zu machen, und wäre der Kredit dafür nicht … Ja, das wäre ein Leben für uns.

Aber da sind wir wieder bei der Abhängigkeit, und in diese haben wir uns selbst gebracht, wenn auch mit redlichen Gedanken und gutem Willen.

Aufrufe: 118