Wie lange schon? Wie lange noch? Es wird allmählich Zeit, erwachsen zu werden, sollte man denken. Wir jammern endlos und heute besonders gern auf diversen „Kanälen“ verschiedener digitaler Plattformen. Wo denn auch sonst, dort spielt sich ja sozusagen unser „Leben“ ab oder das, was wir darunter zu verstehen meinen. Echte Mitmenschen in der realen Welt haben wir ja kaum noch, das wurde und ja wegverboten. Die Wenigen, die übrig geblieben sind, sortieren wir nach ihrer „Glaubensrichtung“. Mit der einen Hälfte spricht man nicht mehr aufrichtig, die Schere im eigenen Kopf, die Selbstzensur nach politisch korrekt oder unkorrekt haben wir freiwillig verinnerlicht. Mit der anderen Hälfte kann man hinter vorgehaltener Hand vortrefflich über das gemeinsame Leid klagen, am liebsten endlos. Und Schuld an allem sind die anderen. Wir fühlen uns moralisch immerhin auf der richtigen Seite.

Jemand soll das gefälligst in Ordnung bringen!

Deshalb ist es angebracht, Forderungen zu stellen. Wir leiden. Das muß aufhören. Die anderen sollen etwas tun, damit wir nicht mehr leiden. Sie sollen abstellen, was uns peinigt. Sie sollen dafür sorgen, dass wir unsere Rechte zurückbekommen. Wir übersehen dabei einiges, zuallererst die Tatsache, dass man ein Recht nicht zurückbekommen kann, wenn es ein Recht wäre, denn dann hätte man es nicht verlieren können oder schlimmer: sonst hätte es nicht geraubt werden können. So fordern wir die Rückgabe von „Rechten“, die offensichtlich niemals wirkliche Rechte waren, sondern nur Zugeständnisse oder gar Täuschungen. Und übersehen wieder, dass wir auch hier wie kleine Kinder reagieren. Wir bitten den Dieb und wenn das nicht hilft, werden wir wirklich ernsthaft sauer: Wir fordern vom Dieb das Gestohlene zurück, die Tatache verleugnend, dass das Geforderte Täuschungen waren und nach wie vor sind. “Lieber Dieb, bitte gib mir alles wieder zurück, wenn es dir nichts ausmacht!” Wie lebensfremd kann man eigentlich als Erwachsener sein?

Ursache und Wirkung, für Jedermann ganz leicht zu verstehen

Wenn ich Hunger habe, jammere und klage ich nicht, ich fordere auch nicht, ich gehe an den Kühlschrank mit der Absicht, mir etwas zu Essen zu richten. Nun entdecke ich möglicherweise: der Kühlschrank ist leer! Auch hier hilft werder jammern noch fordern, ich muß auf meine eigenen Versäumnisse von gestern schauen. Ich war nicht beim einkaufen! Ich muß also meine Versäumnisse selbst ausbaden, mich auf den Weg machen um einzukaufen, um hernach endlich, nach langem „Hunger – Leid“ etwas kochen zu können. Vielleicht ist mir das eine Lehre und ich achte in Zukunft darauf, mir mit solchen Versäumnissen nicht selbst zu schaden.

Bin ich aber nicht nur für mich selbst verantwortlich sondern auch etwa für meine Familie, sieht das nochmals anders aus. Ich habe in der Vergangenheit die Aufgabe übernommen, für die Küche zu sorgen. Die Familie verläßt sich auf mich und vertraut darauf, dass ich dieser Aufgabe gerecht werde. Nun muß also nicht nur ich allein für meine Versäumnisse leiden, sondern meine Mitmenschen auch. Ich habe ihr Vertrauen enttäuscht und ihnen Leid zugefügt. Ich habe mich unzuverlässig und nachlässig verhalten zum Schaden anderer.

Verantwortung

Das ist nicht nur im kleinen Haushalt so, das ist auch in der „Welt“ so. Es ist nichts anderes als dies: Meine Versäumnisse haben Folgen, die ich und meine Mitmenschen gleich mit dazu ausbaden und erleiden müssen. Den Schaden habe ich also selbst produziert und bin selbst verantwortlich. Und letztlich muß ich es selbst wieder in Ordnung bringen. Nett wäre es zudem in diesem Falle, ich würde mich dafür entschuldigen und es in Zukunft besser machen.

Ich bezeichne es als Verhaltensstörung, wenn jemand, der einen Schaden produziert, an welchem zudem noch viele andere zu leiden haben, sich hinstellt und jammert und klagt, anklagt, und zusätzlich auch noch Forderungen stellt, ohne sich anzuschicken, den angerichteten Schaden schnellstmöglich zu korrigieren und in Ordnung zu bringen. In einem solchen Fall kann man kaum auf eine Entschuldigung hoffen, man darf sogar noch dankbar sein, wenn derjenige nicht auch noch recht unhöflich zu den Geschädigten wird.

Psychopathologische Gesellschaft

Nun haben wir seit einiger Zeit, und nicht erst seit eineinhalb Jahren, menschenverachtende Zustände. Möglicherweise wurden diese angerichtet durch Leute, die wir „gewählt“ haben. Was geschieht also nun mit diesen menschenverachtenden Zuständen? Wir schauen so lange weg und wollen es nicht wissen, bis es anfängt „zu stinken“. Nun muß aber endlich etwas geschehen! Wir fordern von anderen. Jemand muß ja Schuld sein. Und diese sind, so sagen wir, in der moralischen Pflicht. Die sollen es richten, wir selbst meinen, nicht dafür verantwortlich zu sein, auch wenn wir viele Jahre lang dem menschenverachtenden Treiben zugesehen haben, schweigend und somit zustimmend. Doch sollen sie es auf eine Weise richten, die uns nicht stört, nichts von uns abverlangt. Bezahlen wollen wir dafür nicht, weder mit Geld noch mit unserem Lebensstil oder gar damit, unser Weltbild und unser Selbstverständnis hinterfragen und ändern zu müssen.

Was für eine Art der Verhaltensstörung ist das hier eigentlich? Ein solch verantwortungsloser Egoismus, der seine eigenen Versäumnisse leugnet, seiner Verantwortlichkeit nicht nachkommt, und wie ein „Säugling unaufhörlich fordert und schreit“, obwohl er sich, im Gegensatz zu einem Säugling, als erwachsener Mensch seiner Pflicht verweigert hat und sich ihr nun endlich zu stellen hätte, ist zutiefst pathologisch. Das ist der Zustand unserer Gesellschaft: infantil, verantwortungslos und verlogen.

Wann wollen die Menschen eigentlich erwachsen werden?

Ja, ich weiß, das Wort Pflicht ist sehr altmodisch. Menschen, die davon sprechen, laufen Gefahr, in die eine oder andere Schublade gesteckt zu werden oder besser noch: in den ein oder anderen Sack, wo man dann politisch korrekt nach Herzenslust darauf herumprügeln kann.

Meine persönliche Ansicht zu diesen Dingen sieht etwa so aus: Als erwachsener Mensch hat man zuallererst Pflichten gegenüber sich selbst und dann auch gegenüber den Mitmenschen (der Gesellschaft oder der Gemeinschaft) und auch der Welt insgesamt. Um zur heutigen „Schieflage“ zu kommen: Da wäre etwa die Pflicht, sich umfassend zu informieren, und sich sein Wissen selbst zu holen. So erkennt man sehr schnell seine eigenen Versäumnisse, ja, ich gehe so weit zu sagen: Man muß auf den Verrat an sich selbst und den Mitmenschen gegenüber schauen!

Dann wird es allerdings Zeit, sich selbst freiwillig als reife Persönlichkeit in die eigene Pflicht zu nehmen und entsprechend zu handeln. Dieses Handeln fängt bei einem jeden selbst an. Im eigenen Leben. Das ist man sich selbst schuldig und das ist man seinen Mitmenschen schuldig. Und das bedeutet auch das Verlassen der Komfortzone. Es wird jetzt nicht mehr gefordert, gepudert und gewickelt zu werden. Es soll einige Menschen geben, die diesen Weg der reifen Persönlichkeit zu gehen beginnen. Es scheint, als wäre das möglich. Wer das nicht tut, tut es aus freien Stücken nicht. Er entscheidet sich freiwillig dafür, infantil, verantwortungslos und verlogen zu sein und zu bleiben.

Scheinheilig oder Gehirngewaschen?

Und das betrifft genauso jene, die von sich selbst behaupten, Widerstand zu leisten gegen Unrecht und Menschenveachtung. An den Taten wird man sie erkennen und sie werden auch irgendwann einmal sich selbst an ihren Taten messen müssen, anstatt an ihren schönen, doch recht leeren und folgenlosen Worten.

Wie viele es sind, die sich für den menschenverachtenden, verantwortungslosen Weg entscheiden, aktiv oder schweigend mitmachend, kann man daran erkennen, wo das hinführt, wie es sich auswirkt. Wo das hinführt, kann man beobachten. Die einen verharren einfach in ihrem infantilen digitalen Leben des Jammerns, Klagens und Forderns, stets verkündend, man könne ja eh nichts machen, man würde ja gern, doch man sei leider ganz allein damit. Und sie dulden, was der Rest tut: Diese schreiben die Geschichte einfach um, so, dass es passt. Sie zeichnen Zerrbilder, Trugbilder, Lügen über alles, was in der Gegenwart geschieht. Sie verhängen Sprechgebote und Sprechverbote, Denkverbote, sie zensieren, diffamieren und kriminalisieren Andersdenkende. Sie breiten ihre teuflische Tentakel in alle Lebensbereiche aller Menschen aus und erdrosseln jede Freiheit und jedes Leben im Namen des „Rechtes, der Solidarität und der Sicherheit“.

Du bist verantwortlich

Doch diese eine Wahrheit bleibt, ob man sie mag oder nicht, wie sehr man sie wegintellektualisiert oder totphilosophiert: Jeder Mensch hat seine Pflicht, wenn er nicht sich selbst und die Menschheit verraten will, wenn er sich nicht dem Teufel verschreiben will. Jeder Mensch ist so frei, sogar zur Not auch ohne Grundrechte, sich dafür zu entscheiden, dieser Pflicht nachzukommen oder auch nicht. Und dafür trägt ein Jeder die volle Verantwortung, ob er will oder nicht, ob er es sich schönredet oder weglügt oder nicht, und zwar trägt er sie ganz allein!

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