Ja, es ist entwürdigend, was hier läuft. Und das ist ein Verbrechen. Steht doch im Grundgesetz, die Würde des Menschen sei unantastbar. Und sie ist es aber doch, ganz offensichtlich. Sie wird mit Füßen getreten, und nicht nur das. Sie wird regelrecht geraubt und ausgemerzt. Wir erleben eine allumfassende Demütigung. Und wir beugen uns dieser Demütigung, viele tun das jedenfalls, tragen selbst auch noch dazu bei, und viele Menschen scheinen es nicht einmal zu bemerken, ja, sie scheinen es sogar auch noch gut zu heißen, sich wohl zu fühlen damit. Wie kommt das, dass man das nicht bemerkt?

Manche schreiben über den Verlust der Freiheit, fast alle Grundrechte sind außer Kraft gesetzt, auf Deutsch: sie wurden geraubt. Von unseren Volksvertretern, die von uns gewählt wurden, um uns zu unserem Wohl und in unserem Auftrag zu dienen. Für diesen Dienst am Volk werden sie fürstlich bezahlt. Und sie schreiben auch, dass wir es die letzten Jahre oder Jahrzehnte selbst nicht so genau nahmen mit unserer Freiheit, diese nicht oder in sehr geringem Umfang überhaupt genutzt haben. Wir haben sie gering geschätzt, vernachlässigt, wir waren faul, bequem, mit anderem beschäftigt. Deshalb sei es so einfach gewesen, sie uns zu rauben, schreiben sie.

Wir haben also versäumt, in uns und in unserem persönlichen Leben, die Freiheit zu ehren und zu nutzen, das, was uns vom Tier unterscheidet. Wir haben uns selbst degradiert und nun wundern wir uns, dass das, was wir selbst in uns und mit uns getan haben, von außen entgegenkommt auf katastrophale und leidvolle Weise. Wir haben versäumt, Stellung zu beziehen zu Gut und Böse und damit haben wir versäumt, unsere Freiheit auszuüben. Freiheit ist auch ein Tun-Wort! Versäumt man lange genug, was einen zum Menschen macht, wird irgendwann einmal ein Zeitfenster geschlossen sein, und dann wird es nicht mehr möglich sein. Denn auch das ist Freiheit: sie dann zu nutzen und zu pflegen, wenn es möglich ist, damit es dadurch nämlich möglich bleibt. Denn nichts kann diesbezüglich nachgeholt werden, es gibt keine endlos wiederholbaren Möglichkeiten, dies gehört zur Freiheit dazu. Wir haben uns damit ärmer gemacht, selbst ent-menschlicht, sozusagen. Dies ist eine Art „Unterlassungssünde“, wenn man so will.

Die Veranlagung zur Freiheit, zur Schöpfertätigkeit und zum Künstlertum des Geistes ist etwas unendlich Schönes und Gutes, weil darin die wahre Würde des Menschen begründet liegt.“ sagt Pietro Archiati in seinem Buch: „Jahrtausendwende – Menschheit, wohin?“

Wie innen, so außen, sagt ein universelles Gesetz. Ja, in unserem Inneren, in unserer Seele und in unserem Geist, haben wir die Freiheit nicht genutzt, sie gering geschätzt, ebenso wie unsere Würde, mit dem Ergebnis, dass sie uns nun von außen geraubt wurden. Und nein, sie werden uns nicht bald wieder zurückgegeben, als gnädiges Geschenk, als eine Art Belohnung für Gehorsam etwa.

Wir können noch nachholen, so gut wir es schaffen, mit aller Kraft, was wir da versäumt, geradezu verkauft haben, wenn wir endlich erkennen, was wir getan haben und was wir nicht getan haben. Dazu muß man bereit sein, sich selbst ehrlich anzuschauen, damit man sich wandeln kann. Bestandsaufnahme kann man das nennen, um sich hernach eine bessere Lebenseinstellung zu erarbeiten.

Haben wir unsere „unantastbare“ Würde gelebt? Oder haben wir uns nicht stattdessen ohne Not und freiwillig zum Affen gemacht? Was stellen wir uns eigentlich unter Menschenwürde vor? Leben wir unsere Menschenwürde, wenn wir gedankenlos und unbeteiligt seit Jahrzehnten die Not in der Welt, und ja sogar die Not in unserer direkten Umgebung ignorieren, obwohl sie nicht nötig wäre, obwohl sie zu beheben wäre? Es ist dies die Not unserer Brüder und Schwestern, die wir selbst durch unsere grenzenlose Gier, unsere Bequemlichkeit und unsere Gleichgültigkeit mit verursachen. Stattdessen sind wir damit beschäftigt, neuen Moden hinterherzurennen, uns selbst und unsere Umgebung mit billigem Tand zu dekorieren, uns unsere Langeweile mit allerhand Luxus zu vertreiben, unseren Sinnen zu frönen. Es kann uns nichts exklusiv genug sein hierfür, und sollte das Portemonaie nicht ausreichen, genießen wir eben Schnäppchenjagd so oft es nur geht. Wir hypnotisieren uns frei-wilig täglich und stundenlang mit geistlosem Zeug, welches uns stumpf und blöde macht. Das ist, was wir aus unserer „Frei- Zeit“, mit unserer Lebenszeit machen, die wir uns „so schwer verdient haben“. Wir sind zum Konsumenten geworden. Wir konsumieren gar alles, was es nur gibt, das Angebot immerhin ist groß, und das war auch so beabsichtigt und für uns so vorgesehen. Und zudem muß ich dieser Gesellschaft an dieser Stelle einmal ein spirituelles Armutszeugnis ausstellen, trotz oder vielleicht sogar wegen all dieser Kirchen.

Und ja, auch das ist Freiheit: aus Freiheit sich dazu zu entschließen, seine Freiheit nicht zu nutzen und sein eigentliches Mensch sein als schöpferisches Vernunftbegabtes Wesen zu verleugnen, seine eigene Würde mit den eigenen Füßen in den Dreck zu stoßen.

Wenn man seiner Freiheit und seiner Würde entsagt, degradiert man sich selbst und raubt sich selbst sein eigentliches Mensch-Sein. Übrig bleibt dann nur noch, getrieben zu sein wie ein Tier, von einem Genuß in den anderen, triebhaft, kann man sagen, hirnlos und herzlos. Wir haben eigentlich vornehmlich vor uns hin vegetiert wie Pflanzen, und nun sind wir eingesperrt, aller Menschlichkeit beraubt, zum Vegetieren verdammt. Wir dürfen nur noch funktionieren für das System, wie eine Maschine. Arbeiten, konsumieren, zu Hause bleiben, Maul halten. Der Mensch hat sich als Mensch verloren, weil er es so wollte. Und nun wird ihm der letzte Rest genommen, weil er es duldet.

Nun bleibt nur noch das Leben als tierähnliche Pflanze, die funktioniert wie eine Maschine. Genau das, was geplant ist für uns, es fehlt nur noch der Chip, aber der ist ja schon unterwegs zu uns.

Dennoch, und das ist die gute Botschaft, haben wir grundsätzlich alle, alle Menschen, die Fähigkeit in uns, unser Denken, Fühlen und Wollen, und damit unser Handeln tätiger und schöpferischer zu machen und darin und damit immer freier zu werden. Das bedeutet auch Wandlung, im Inneren zuerst, dann im Außen: da wir es grundsätzlich können, besteht die Möglichkeit, es durch Vollzug zu bestätigen und damit zu kräftigen, zum Leben zu erwecken und es wachsen zu lassen. Das ist Vollzug der Freiheit, das ist Würde.

Im Umgang mit sich selbst kann jeder die Freiheit aufgreifen und ausüben, sogar in dieser Isolationshaft. Und er kann sich seiner Würde bewußt werden und endlich danach leben, und ja, auch das kann man in Isolationshaft beginnen! Indem man sich etwa ab jetzt nicht mehr zum Affen macht, sich nicht mehr selbst und freiwillig verblödet und all das. Und man kann dem Nächsten Freiheit ermöglichen. Das nennt man eine Liebestat, und Liebestaten für unsere Nächsten sind selten geworden, das muß nicht so bleiben, das liegt an uns, an jedem einzelnen von uns.

Freiheit geht nicht ohne Verantwortung. Es geht nicht um „meine Freiheit von“ sondern um „die Freiheit für“! Zuallersert vielleicht geht es darum, in Freiheit seine eigene Würde zu ergreifen. Und seine Verantwortung zu übernehmen für alles das, was hier geschieht. Wir werden gerufen! Mensch, wo bist du? Das ist der unendliche Ruf, und so laut und so dringlich seit 2020. Es ist unser Verhalten oder Nichtverhalten, unsere Verantwortung, dass „da draussen“ all das geschieht. Nein, es ist nicht „die Merkel und der Söder“ und all diese Figuren. Es sind wir, die wir all das dulden. Wir müssen wider zu einem menschliche Maß zurückkommen, das müssen wir selbst herstellen und ja, wir müssen es selbst sogar definieren. Jeder Mensch hat seine Aufgabe in dieser Zeit und in dieser Welt, der es gilt, sich zu stellen. Das ist, was ich auch unter Würde verstehe. Oder will mir jemand widersprechen, dass ein Klemmer und Kneifer, ein Drückeberger und Schmarotzer gar, nicht sein volles menschliches Potential lebt und sich nicht seiner Würde entsprechend verhält? Nicht einmal sich selbst gegenüber.

Ich muß wissen, welches mein eigenes höchstes Ideal des Mensch-Seins ist, welches ich anzustreben wünsche, welches mein Leitstern sein soll. Ich muß mir ferner bewußt machen, wo meine eigenen Versäumnisse waren diesbezüglich. Ich muß eine lebendige Idee von Freiheit und Menschenwürde haben. Dann kann ich mich darauf konzentrieren, welche Schritte ich unternehmen kann, um meinem eigenen Idealbild näher zu kommen. Ich muß wissen, was ich in der Welt versäumt habe, welche Aufgaben ich verweigert habe aufzugreifen. Ich muß wissen welches Ziel ich habe. Dann kann ich die nötigen Mittel abwägen und die nötigen Schritte. Ich muß meinen Geist schulen, ihn wach halten und ihn mit einbeziehen. Damit meine ich nicht die materialistische Vorstellung von einem intellektuellen Hirn. In meinen früheren Artikeln steht jede Menge dazu, es lohnt sich, diese doch einmal aufzurufen, sie sind aktuell und nützlich.

Zeit der Wandlung!

Wir können, wenn wir wollen und damit beginnen, jetzt, heute, jeder gerade da, wo er steht, und ab heute unermüdlich, das Alte wandeln, wenn wir das Neue leben. Innen wie außen! Wir wandeln uns selbst und wir ändern unser Verhalten in der Welt in dem wir jetzt endlich unsere bisher verschmähte Verantwortung übernehmen und da draussen handeln. Das Neue ist machbar! Und das ist ein Tun-Wort! Durch aktive Verwandlung läßt sich das für uns vorgesehene entsetzliche Schicksal, welchem wir selbst sozusagen das Bett gerichtet haben viele Jahre lang, abwenden. Eine Flucht, auf welche Weise auch immer, ist nicht möglich. Und nicht einmal die Flucht auf ein schönes abgelegenes Stückchen Erde irgendwo, um unbehelligt zu überleben, ist ein Ausweg. Denn man hat seine Verantwortung und seine Würde wieder einmal weggeworfen. Hier sind wir, dem allen ausgeliefert, weil wir mit dazu beigetragen haben, also sollten wir jetzt an der aktiven Verwandlung mitarbeiten. Das mindestens sind wir doch unserer Würde schuldig, wenn es uns noch an Liebe und Mitgefühl für die leidenden Wesen um uns herum mangeln sollte.

Und wir müssen das nicht allein tun. Es wird uns kräftigen, aus unserer uns selbst eingeredeten Ohnmacht und Depression herausholen. Wir werden uns daran erinnern, wer wir wirklich sind, weil wir es dann erleben können. Das Verbrechen, welches hier die ganze Zeit geschieht, ist nicht nur eine Wirkung dessen, was wir getan und versäumt haben. Es kann auch die Ursache dafür werden, dass wir jetzt in unsere Würde und Kraft eintreten und kämpfen für das, was menschengemäß ist, was lebenswert ist, was voller Licht und Liebe ist und in Freiheit sein könnte. Es gibt keinen höheren und besseren „Sinn des Lebens“, als diese Aufgabe aufzugreifen und seine Kraft und seine schöpferischen Fähigkeiten dafür einzusetzen.

Was ich kann, das könnt ihr auch und noch viel mehr“, das sagte Jesus Christus und das war sein Auftrag an uns.

Das ist auch der einzige Sinn und Zweck einer jeden Meditation (und eines jeden Gebetes ebenso, nebenbei bemerkt) : Weisheit, Mitgefühl und Tatkraft zu entwickeln und dies zum Wohl der Wesen zu nutzen, in der Tat nämlich. Erleuchtung ist nicht das Ziel, die stellt sich durch die Handlung in Freiheit und Würde für das Wohl der Wesen von selbst ein.

“Es gibt nichts Gutes, außer, man tut es.” (Erich Kästner)

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