Die Sprache, die Kommunikation ist rauh geworden. Vor allem die letzten 3 Jahre. Zu sehr sind die Menschen gestresst von all dem, was um uns herum tobt und uns zu vernichten droht. Wir sind erschöpft, jeder auf seine Weise. Wir verstehen nicht, wie es sein kann, dass so viele Mitmenschen nicht hören und nicht sehen wollen, dass sie nicht begreifen und nicht denken wollen. Wir sind frustriert, weil die Wahrheit nicht von Belang ist, wo sie doch das wichtigste ist, gerade jetzt! Das macht uns Sorgen – und mehr als das.

Doch diese Rauhheit, die hat sich vor langer Zeit schon eingeschlichen. Das hat sehr viele Gründe und die technische Lebensweise mit ihren technischen Kommunikationswegen, die genau genommen gar keine sind, haben einen großen Teil dazu beigetragen. Zudem wurde uns systematisch unsere deutsche Sprache geraubt. Wir haben unsere Dichter und Denker vergessen und verloren. Es lebt in unserer Sprache keine Seele mehr und auch ist sie nicht vom Geist befruchtet. Beides, Seele und Geist wurde uns ja gehörig ausgetrieben seit vielen Generationen.

Liest man die wertvollen alten Texte unserer Kultur, kann man finden, wie wunderbar und feinsinnig sie geschrieben sind, wie da etwas lebt. Es ist in der Tat voller Leben, voller Seele, ja auch voller Herzblut. Das fehlt heute, komplett. Es ist einfach weg. Übrig blieb nur etwas, was man fast als tote Sprache bezeichnen könnte. Es wärmt nicht mehr, es nährt nicht mehr.

Das Schöne, das Lebendige wurde ersetzt durch Phrasen. Und Meinungen. Standpunkte, die man mit Zähnen und Klauen meint, verteidigen zu müssen. Da wird der Gesprächspartner zum Feind, wenn er nicht dieselben Phrasen drischt wie man selbst. Obwohl die Phrasen nichts weiter sind als leere Hülsen. Leblos. Diese Phrasen enthalten keine echten Gedanken, sie sind nichts weiter als Hülsen für Gedankenlosigkeit, für Gesinnungslosigkeit und Ausdruck extremer Willensschwäche. Wo die Phrasen herrschen, da muß das Lebendige und das Wahre, die seelendurchdrungene Wahrheit sterben.

Wie soll man auf diese Weise, so leer, so leblos, so seelenlos, dem anderen begegnen? Wie kann man mit ihm kommunizieren, wie kann so eine soziale Begegnung von Mensch zu Mensch stattfinden? Wie kann so das eine Herz zum anderen sprechen, wie kann man so das Herz eines anderen wahrnehmen? Gar nicht! So werden die Menschen einander immer fremder. Sie schaffen es nicht, auch wenn sie danach „dürsten“, nach echter beseelter Begegnung, aufeinander zu zu gehen. So bleibt nur noch, aneinander vorbeizugehen, einander im Streit bei Phrasenunterschieden zu verlassen, und man meint, dies sei der Beweis, dass es halt nicht gehen kann zwischen Menschen und man müsse sich halt nun nur für sich selbst interessieren.

Hierzu möchte ich ein Zitat von Rudolf Steiner anbieten:

Einen Satz hören Sie heute immer wieder die Leute sagen:

Das ist mein Standpunkt. – Jeder hat einen Standpunkt. Als ob es darauf ankäme, was man für einen Standpunkt hat! Der Standpunkt im geistigen Leben ist nämlich ebenso vorübergehend wie der Standpunkt im physischen Leben.

Es kommt darauf an, daß man einen gesunden Willen und ein gesundes Herz hat, um die Welt von jedem Standpunkte aus betrachten zu können. Aber die Menschen wollen heute nicht das, was sie von den verschiedenen Standpunkten aus gewinnen können, sondern wichtiger ist ihnen die egoistische Behauptung ihrer Standpunkte. Damit schließt man sich aber in der rigorosesten Weise von seinem Nebenmenschen ab. Sagt einer etwas, geht man nicht ein auf das, was er sagt, denn man hat ja seinen Standpunkt. Aber dadurch kommt man sich nicht näher.

Näher kommt man sich, wenn man seine verschiedenen Standpunkte in eine gemeinsame Welt hineinzustellen weiß. Aber diese gemeinsame Welt fehlt heute ganz. Eine gemeinsame Welt für den Menschen findet sich nur im Geiste. Und der fehlt.“

Es scheint, wir bräuchten alle eine gehörige Portion Mut, an uns selbst zu arbeiten, damit wir von leeren Phrasendreschmaschinen uns weiterentwickeln hin zu lebendig denkenden und sprechenden Menschen. Menschen, die durchwärmt sind von lebendigen Gedanken, die den Mitmenschen zugewandt sind. Die sich voller Interesse dem Anderen zuwenden wollen. Gedanken, die vom Herz her kommen, wissend, dass es jetzt genau darum geht, will man wirklich von einem Neuen Zeitalter sprechen. Über alle Enttäuschungen und Mißverständnisse hinweg niemals aufhören, das Herz zum Kopf sprechen zu lassen, die Gedanken mit Leben und Wärme zu füllen und auf diese Weise dem Mitmensch entgegentreten. Alle haben wir Hunger danach.

Ein Bild zeigt sich mir: Das kleine Kind am Tisch mit dem Lebkuchenteig. Es knetet und rollt den Teig mit dem großen Nudelholz, drückt Mandelkerne hinein. Es hat ganz rote Freudebäckchen, ganz glänzende Augen. Es hat Raum und Zeit völlig vergessen und ist ganz drin in dieser Arbeit. Es kann „schaffen“! Erschaffen. Etwas gutes, etwas schönes. Lebkuchen!

Man kann es bei Künstlern beobachten, wenn sie an ihrem Werk arbeiten. Ich kenne das auch, ich erlebe das öfter beim Artikel schreiben. Mein Mann bemerkt es sofort, wenn er hereinkommt und es ist wieder „so weit“, dann stört er nicht, geht wieder und wartet, bis ich fertig bin. Es geht mir in manchen, selten gewordenen echten Gesprächen so. Und immer habe ich dann das Gefühl beim Hineinspüren: da ist jetzt etwas, was hinzugekommen ist. Wie eine Seele, manchmal wie ein „Gesprächs – Engel“. Das ist, was ich meine.

Die Menschen müssen wiederum dazu kommen, stark fühlen zu können: schön – häßlich, gut – böse, wahrhaftig – verlogen. Sie müssen dazu kommen, das nicht schwächlich zu fühlen, sondern stark zu fühlen, so daß sie mit ihrem ganzen Menschen darin stehen, daß wiederum Herzblut in den Worten ist. Dann zerstiebt die Phrase und man fühlt wieder den anderen Menschen in sich, nicht bloß sich selbst; dann zerstiebt die Konvention, und man kann wiederum das, was man im Kopfe hat, durchpulsen lassen von seinem Herzblut. Dann zerstiebt das bloße Routineleben, und das Leben wird wieder menschlich.“ (Rudolf Steiner)

Wir müssen aussteigen aus unserer Routine des Alltags, der uns nur noch eine Art Roboterleben erlaubt. Wir müssen wieder lernen, uns als soziale Wesen zu erkennen, die beseelt sind und eine geistige Heimat haben. Wir selbst und der Andere! Das ist im Grunde, was wir sind. Und die anderen auch! Dafür würde es sich doch lohnen, auch wenn es immer wieder Enttäuschungen geben wird. Die Dunkelheit will nicht, dass wir diese Arbeit tun, diese innere Arbeit mit uns selbst und unsere Schritte gehen hin zu unseren Brüdern und Schwestern. Wir können es doch wieder üben, es uns wieder erlauben, öfter einmal so ganz „einzusteigen“ wie ein Kind, mit Neugier, mit Interesse am Anderen, mit Staunen. Auch und weil er anders ist, der Andere.

Deshalb sind wir doch hier her gekommen. Um genau das zu üben und zu tun. Trotz allem.

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