Erstaunliche Parallelwelten, seit Jahrtausenden!

Es gibt einen Mailverkehr mit einem netten Herrn. Ich tausche mich mit ihm über diverse Dinge aus, zum Beispiel auch über Homöopathie. Er verknüpft auf interessante Weise all seine Kenntnisse, ob es nun das Werk Goethes ist, welchen er einen „Frauenversteher“ nennt (dazu habe ich so meine eigenen Ansichten, doch Frauen werden für gewöhnlich in diesen Dingen weder gehört noch ernst genommen), oder seine anderen vielen Schwerpunkte. In allem ist er sehr belesen, grundsätzlich unglaublich gebildet. Er gibt mir etwas, was er geschrieben hat, über ein homöopathisches Mittel, es ist dies das Mittel Sepia, ein typisches „Frauen-Heilmittel“.

Für die weiteren Ausführungen möchte ich dem Laien erklären, dass die Beschreibung der Homöopathischen Mittel stets so gemacht werden, als würde man über ein Wesen sprechen. Man sagt etwa „Arnika schickt den Arzt nach Haus“ und meint damit, wer Arnika als Heilmittel benötigt, zeigt oft ein Verhalten, welches den „Arzt“, also das sich kümmern, ablehnt, etwa so: „Nein, das ist nichts, es tut nicht weh, das geht schon, nein, ich brauche nichts, laß mich nur…“.

So lese ich also seine Beschreibung über Sepia, das Mittel, und er verbindet es wunderbar mit der Mythologie, hier vor allem die Göttersagen. Der Artikel ist sehr umfangreich und ermüdet sicherlich den Leser, der nicht so sehr an Homöopathie interessiert ist. Es geht mir auch hier nicht wirklich um Homöopathie. Es fällt mir etwas auf, was mir eigentlich dauernd auffällt. Eigentlich täglich, eigentlich seit ich lebe. Natürlich, es ist eine etwas einseitige Wahrnehmung, ich gebe es zu. Es ist die Wahrnehmung einer Frau. Die Wahrnehmungen der Männer sehen dagegen anders aus. Natürlich. Doch es soll sogar Menschen geben, die durch echte Gespräche und echtes gegenseitiges Interesse, oder gar aus Liebe, im Laufe ihres Lebens die Sichtweise und Lebensrealität des anderen Geschlechtes ein wenig kennenlernen, meist, weil sie es wollen.

Nun möchte ich mitteilen, was ich dem netten Herrn als Antwort auf seine Ausführungen schicke, ohne allzusehr auf die Göttersagen einzugehen. Doch denke ich, mit etwas Aufmerksamkeit gelesen, genügt das Wenige, um zu verstehen, worum es geht. So manche Frau wird mich wahrscheinlich sofort verstehen. Für diese schreibe ich diesen Artikel hier hauptsächlich. Sollte ich einen Mann „erwischen“, der dieses nachvollziehen kann, freue ich mich natürlich und möchte ihm sagen: „Sie sind ein sehr seltenes Geschöpf!“. Und es würde mich interessieren, wie er das gemacht hat, dass er versteht, was ganz offensichtlich für 99% einer bestimmten Menschengruppe nicht verstehbar ist.

Hier meine Antwort, etwa so im Wortlaut abgeschickt:

Lieber …..,
mit großem
Interesse begann ich heute in aller Frühe, deinen Artikel über Sepia (homöopathisches Mittel) zu lesen. Er glänzt voller Wissen und Kenntnissen der alten Mythen und Sagen. Sehr interessant, das zu lesen.

Kassandra, über die du berichtest, ist eine interssante Frau, die hat sich wohl, auf Leben und Tod, nicht von ihrer Wahrheit abbringen lassen (Sepia!), sie hat sich nicht prostituiert, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Gestalten, auch heutigen Gestalten, und diverser Helden. Sie hat, trotz aller Bedrohungen, an ihrer prophetischen Mahnung, ihr Volk sei in Gefahr, festgehalten. Das passte den Herren nicht.

Die mütterliche Zuordnung/Qualität von Sepia, hier in Bezug zu Gaia, erscheint mir auch sehr interessant, und sehr seltsam. Wahrscheinlich liegt es daran, dass dies für Frauen sich so gehört, das Mütterliche. Es wird Gaia (eine Göttin)/Sepia “Zwiespältigkeit” zugeschrieben, weil sie die Verbannung/Vernichtung ihrer vielen Söhne nicht verzeihen konnte. Aha! Das ist also “zwiespältig”, “gespaltener Wille” nennst du das. Würde man einem Mann Zwiespältigkeit zuschreiben, einem Gott auch noch, wenn er sauer ist, wenn man seine Söhne vernichtet hat?

Ich möchte hier mein Empfinden “als Frau” zu Thetis, Tochter des Nereus, über die du ausführlich berichtest, hinzufügen, wissend, das es keinen guten Anklang finden mag.

Thetis wird von Zeus an einen Sterblichen geradezu verkauft, damit er, Zeus, sie los hat, scheint sie ihm doch aufgrund von Unkenrufen Gefahr zu bringen, wie immer in den Mythen und auch in der Bibel und überhaupt eigentlich immer in der Welt seit Menschengedenken, scheint mir: die Frau bringt Gefahr oder gebiert Gefahr. Dem Manne, wahrscheinlich.
Thetis will diesen Sterblichen nicht und wehrt sich mit allen Mitteln dagegen. Doch nur männliche Wesen haben das Recht, sich zu wehren (kommt nicht vieles aus der Not der Frauen, auch heute noch, genau da her? Und das nennt man dann Krankheitssymptome, die man wegmachen muß, anstatt dass man diese verachtenswerten Zustände weg macht). Der Sterbliche liebt sie nicht, doch will er sie besitzen aus Begehren (das ist nicht Liebe, das ist Geschlechtstrieb und Gier).

Er erobert nicht ihr Herz sondern er tut ihr Gewalt an: Vergewaltigung!!!! Du schreibst “..er muß sie vergewaltigen”, denn sie wehrt sich ja. Tatsächlich? Muß er das? Und er hält sie gefangen und sie muß seine Sklavin sein und seinem Begehren dienen. “So ergab sie sich dem kühnen Helden”, schreiben die Männer dazu. Der Vergewaltiger, der Sklavenhalter, ein kühner Held, und sie „ergibt sich, so wie sich Frau auch heute bestalischer Gewalt durch kühne Helden “ergibt”, nicht wahr?

Du nennst deshalb das Leitsymptom für das Mittel: “Sepia macht das Gegenteil von dem, was sie ursprünglich wollte”. Thetis hat also eine “Laune”, und nach der Vergewaltigung und Versklavung ist sie eine Sklavin, die jetzt das Gegenteil von dem tut, was sie eigentlich tun wollte (in ihrem Leben), oder doch eher sollte, wenns nach „ihm“ geht? Interessante Interpretation. Später schreibst du dann vom Sepia-Zorn, er entspringe aus “Launen”, die der Ratio widersprächen. Ja, wirklich dumm, dass man wegen solcher Kleinigkeiten launenhaft und zornig wird. Das ist natürlich sehr unvernünftig.

Ja, und du schreibst, Sepia hat Seelenqualitäten, die in der anbrechenden Zeit (also der Bezug zu heute, nehme ich an) so sind wie Thetis: “… die einen fast tierischen Instinkt (wer hat eigentlich wen vergewaltigt?) und eine entsprechend feine Sinnesfähigkeit haben (das ist oftmals der Neid des Männlichen gegen das Weibliche, scheint mir), und nicht in der Lage sind, “normale Menschen ” auszuhalten (Vergewaltiger und Sklavenhalter, blutrünstige grausame Götter und deren heutiger Abklatsch, sind also “normale Menschen”, die es auszuhalten gilt) und mit ihnen soziale Beziehungen aufzunehmen..”. Sepia ist also Beziehungsunfähig! Aha.

Weil Frauen solcherlei bestialische Zustände nicht ertragen und krank werden, ist es gut, ein Heilmittel für sie zu haben, denn immerhin müssen sie weiter in diesen bestialischen Zuständen leben, in denen alles auf den Kopf gestellt ist. Immerhin, es gibt kein anderes Land, keine andere Welt, die man stattdessen wählen könnte. Und das Geschlechtsleben von Sepia beschreibst du auch sehr interessant. Das darf so natürlich nicht bleiben, so “distanziert” wie sie ist, die Sepia oder Thetis, nach all der Gewalt, die Mann ihr angetan hat, der arme Mann! Will er doch ihre Hingabe und Zärtlichkeit, womöglich noch Bwunderung, die sie ihm wegen seiner Gewaltanwendung gegen sie schuldet. Fast am Schluß schreibst du noch, die Vergewaltigung durch den Sterblichen “empfindet” Thetis als Vergewaltigung. Das ist natürlich ein Krankheitssymptom, wenn Frau eine Vergewaltigung als Vergewaltigung empfindet! Doch jetzt, kurz vor Ende des Artikels, verstehe ich plötzlich viel mehr von der Weltgeschichte.

Du schreibst über Sepia:
Es ist die zum Bewußtsein ihrer eigenen Persönlichkeit erwachte Frau, die durch die Fülle ihrer seelischen Qualitäten ein wesentlich königlicheres Niveau erreicht, als es Männer in ihrer aggressiven Natur je erreichen.”

Danke …. für diesen erhellenden Satz. Daher weht also der Wind, nicht nur daher, aber zu einem guten Anteil. Das erklärt vollumfänglich die bestialische Grausamkeit und den männlichen Haß und die Zerstörungswut gegen die Frau, gegen das Weibliche über Jahrtausende, bis heute!!!!!

Und es erklärt mir auch, wie alles Weibliche bis heute dermaßen verdreht und ins Gegenteil gekehrt wird, bis es nur noch “verachtenswerte, unwerte emotionale Launen” sind. Wie gut, dass seit Jahrtausenden die Männlichkeit das Sagen hat in der Welt. Sonst hätten wir kein solch herrliches Paradies, wie es jetzt eben ist. Wie ich es mein Leben lang schon genießen darf, besonders jetzt, seit Anfang 2020. Sonst wäre es vielleicht anders in der Welt. Wer will denn auch sowas? Und um das zu verhindern, dass es anders wird, deshalb sollte Mann das Weibliche, und vor allem Sepia- Geprägtes, mit ihren “tierischen Instinkten und ihren Unfähigkeiten, mit normalen Menschen… zusammenzuleben…” weiterhin unterdrücken, mundtot machen, klein halten und ihre „Instinkte und Launen“ verteufeln, oder wenigstens verachten und abstrafen.

Sehr spannend, dein Artikel, ich bin froh, ihn gelesen zu haben! Es hat mir sehr geholfen.
….liebe grüße..“

Soweit meine Korrespondenz hierzu. Netterweise stolpere ich ausgerechnet heute über einen kleinen Ausschnitt eines Buches.
Aus Rainer Mausfeld: „Das Schweigen der Lämmer“:

(Wer Macht hat, will sie behalten. Um den Freiheitsdrang zu unterbinden, werde daher ein Weltbild von rational denkenden, weisen Eliten einerseits und unmündigen Bürgern andererseits etabliert, welches dann von der Bevölkerung weitgehend verinnerlicht werde):

…Nun muss man diese Unterscheidung nur noch in solcher Weise mit vorgeblichen Eigenschaften der ‚Elite‘ und des ‚Volkes‘ beziehungsweise der ‚Massen‘ auffüllen, dass sie vom Volk selbst geglaubt wird. Offensichtlich genügt es, kontinuierlich zu behaupten, das Volk sei wesensmäßig irrational, infantil, triebhaft, launenhaft, selbstsüchtig und rationalen Argumenten nicht zugänglich, und die Eliten seien wesensmäßig intelligent, gebildet und rational. Aus einer solchen Basisideologie ergibt sich zwangsläufig, dass Volksherrschaft im Grunde nur Elitenherrschaft bedeuten kann“….

Ich „übersetze“ das mal, da es sich gerade heute wieder einmal anbietet, in Bezug auf oben genanntes Mail an den netten Herrn, der in seinem homöopathischen Artikel so bezeichnend über Frauen schreibt…:

Nun muss man diese Unterscheidung nur noch in solcher Weise mit vorgeblichen Eigenschaften der Männer und der Frauen …auffüllen, dass sie von der Frau selbst geglaubt wird. Offensichtlich genügt es, kontinuierlich zu behaupten, die Frau sei wesensmäßig irrational, infantil, triebhaft, launenhaft, selbstsüchtig und rationalen Argumenten nicht zugänglich, und die Männer seien wesensmäßig intelligent, gebildet und rational. Aus einer solchen Basisideologie ergibt sich zwangsläufig, dass Herrschaft im Grunde nur Patriarchat bedeuten kann“

Und dies seit Jahrtausenden! Ist das nicht interessant? Und es fällt ganz offensichtlich niemandem auf.

Doch was soll ich jetzt tun? Ich bin über all das zornig, ja. Und das steht einer Frau nicht gut, das empfindet Mann als unattraktiv, es ist eine Charakterschwäche, klar. Ich seufze, seit heute morgen. Das wäre allerdings ein anderes homöopathisches Mittel: Ignatia. Denn „Ignatia seufzt am frühen Morgen“! Oder sollte ich doch den Rat eines Anwaltes annehmen, der mir ein pflanzliches Beruhigungsmittel empfohlen hat, weil ich mich so aufregte über ein „Maskentheater“ mit allem drum und dran: Amtsanmaßung, Einschüchterung, Nötigung, Unterstellung einer Straftat, das war es genau genommen, was mir ein Herr auf einem Amt zugemutet hat, vollkommen zu Recht natürlich, denn immerhin ist er ein Herr, und auch noch Hausherr, mit Hausrecht. Und was verstehe ich als Frau schon von all diesen wichtigen Vorschriften! Der Anwalt empfahl mir, eine Dienstaufsichtsbeschwerde zu machen. Meine Bitte um Unterstützung hierfür hat er allerdings nicht beantwortet.

Doch, ich fühle mich ansonsten recht wohl in meinem Leben in dieser Gesellschaft. Ich fühle mich anerkannt, wertgeschätzt und zudem fühle ich mich, umgeben von all den männlichen kühnen Helden doch rundum sicher und beschützt, so als Frau.

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