Es hat auch seine guten Seiten, wie ich immer wieder zu hören bekomme. So ganz verstehe ich das nicht, wie man so denken kann und versuche verzweifelt zu verstehen, wie sie das meinen, diese Leute, und ob sie das wirklich denken.

Na ja, es ist schon einiges anders geworden die letzte Zeit, das sagte ich, glaube ich, schon mal. Spontan fällt mir der Paketdienst ein. Was war das „früher“ für ein Theater. Wenn man bei Auslieferung nicht da war, wurde das Paket wieder mitgenommen, als hätte man keine Nachbarn, aber gut, jeder so, wie er kann. Manchmal kam der Paketfahrer aber nicht und klingelte auch nicht und es ging ein mail ein mit den freundlichen, doch leicht klagenden Worten: „Wir haben Sie leider nicht angetroffen…“, und wo und ab wann man das Paket abholen könne. Das ist, bei uns hier, drei Dörfer weiter. Alles wegen der Unterschrift auf dem kleinen Kasten mit einem Stift, der keiner ist.

Heute ist das nicht mehr so problematisch. Das Paket wird vor die Tür gestellt, kurz geklingelt oder auch nicht, und tschüß!

Was mir auch auffällt: es gibt keine „Burka-Diskussionen mehr. Heute ist jeder verhüllt, sogar Männer. Bloß, wie das jetzt gehen soll mit den FFP-2-Masken, zumindest im Söderland, das weiß ich nicht so genau. Man darf keinen Bart haben. Gut, hab ich nicht, aber es gibt „bärtige Einkaufende“, oder darf ich hier einfach noch sagen: bärtige Männer? Ist das ok? „Die schicken ihre Frauen,“ meint mein Mann. Ich habe da meine Zweifel. Wie geht das dann im Baumarkt, frage ich mich? Reinhard Mey müßte ja grad sein Lied komplett umschreiben: „Frauen im Baumarkt, während draussen der Mann parkt…“ oder so ähnlich. Er hat ja jetzt Zeit. Ich glaube, die letzte Zeit hatte er nicht so viel zu tun, denn nach seiner Glanzleistung im Frühjahr 2020 („Wir bleiben zu Haus…“) hab ich nichts mehr mitbekommen, wie es ihm so geht, zu Haus, meine ich jetzt.

Das Maskentheater ist auch eine Sache für sich. Doch gerade, wo ich so viel über Fälle von Gesichtslähmungen nach der Impfung lese, denke ich, ob es nicht tatsächlich was gutes hat. Ich meine, wenn jetzt bei so vielen Menschen das Gesicht total verzogen ist, wie sieht das denn aus? Ist es da nicht hilfreich, so eine Maske, da sieht das ja wenigstens keiner. Und da man mit Gesichtslähmung schlecht reden kann, ohne dass da gleich was auffällt, gibt es jetzt ja auch schon Läden, in denen das Sprechen verboten ist. Aus Solidarität, nehme ich an.

Aber ich kam vom Thema ab, es ging ja um den Postmann. Denn das jetzige Neue Normal ändert sich ja auch laufend und Paketdienste haben wahnsinnig viel zu tun, es wird ja hauptsächlich online gekauft, schon weil man zu Hause nicht so leicht umkippt wegen CO2-Überschuß im Hirn. Das kommt am heimischen PC ja nicht vor, vor allem auch deshalb nicht, weil wir uns angewöhnt haben, oft und lang zu lüften, wegen der Aerosole, und wir stehen doch jetzt auch immer wieder vom Schreibtisch auf und klatschen und machen Kniebeugen. Jedenfalls wir es wohl noch schlimmer werden, das Normale. Vielleicht kommt eine Zeit, wo man vorher per mail informiert wird, wann genau das Paket kommt, ähnlich wie bei Telekom: „Unser Kundenservice kommt am soundsovielten zwischen 8 und 15 Uhr. ….“. Also vielleicht wird das Paket auch so angekündigt, und alle betroffenen Bewohner der Strasse müssen dann zwischen 8 und 15 Uhr vor dem Haus stehen, dann kommt der Lieferwagen und wirft die Pakete raus. Dann darf man, nach Hausnummer aufsteigend, hingehen und das seine herausziehen.

Ach, ich erinnere mich noch an letztes Jahr, als das alles angefangen hat, aufzuhören. Das bisherige Leben, meine ich. Da konnten sich viele nicht vorstellen, was alles auf uns zukommt, obwohl manche das gesagt haben, aber das waren dann Verschwörungstheorien. Das hat doch kein Mensch geglaubt! Das alles ist heute Neu-Normal. Und es gibt immer noch Verschwörungstheorien, die glaubt wieder keiner. Deshalb denke ich, das Neu-Normal wird sich auch nochmal wandeln. Das will keiner wissen, ähnlich wie vor fast einem Jahr. Und heute will keiner wissen, dass er das vor gut einem Jahr nicht wissen wollte, was er genau heute genau die ganze Zeit macht. Klatschen und Kniebeugen etwa. Dauerwindel im Gesicht haben. Arbeitslos sein, weil die Existenz weggekracht ist. Mit den Kindern nicht mehr Schlittenfahren gehen können oder ins Schwimmbad oder eine Reise machen oder sonstiges. Abends zu Hause bleiben, sobald es dunkel wird. Tags nur rausgehen aus triftigen Gründen, und was triftig ist, ist fast gar nichts mehr. Arzt oder einkaufen, das ist triftig. Aber wenn man krank ist, soll man nicht zum Arzt. Aus Sicherheitsgründen. Das regt aber fast keinen großartig auf. Sie machen stattdessen Achtsamkeitsübungen. Sie achten auf ihre Nachbarn, ob die sich korrekt verhalten. Das ist die neue Mitmenschlichkeit, man sorgt sich um andere.

Also wegen der Impfung wollte ich noch sagen, das mir das wirklich total Leid tut um die Menschen, die deshalb sterben oder so schlimme Krankheiten bekommen. Wie kann man sich denn auch freiwillig so eine Impfung verpassen lassen? Na ja, so ganz freiwillig ist es ja gar nicht, vor allem wohl nicht bei Menschen, die sonst ihre Job verlieren würden, obwohl sie ihn demnächst ja sowieso verlieren, mit oder ohne Imfung. So wie die Gaststättenbetreiber, die verlieren ja jetzt auch alles trotz aller Hygienemaßnahmen und so weiter. Das hätte ja keiner gedacht, obwohl manche das schon dachten und sogar sagten, Verschwörer! Oder die Alten und Dementen. Ob die das so recht verstehen, was da so um ihnen und mit ihnen geschieht? Und diejenigen, die das verstehen könnten und sich informieren könnten?

Mit dem Informieren ist das nicht so einfach. Man sagt, man solle sich bei seinem Arzt informieren oder bei der Impf-Hotline. Das klappt auch nicht, wie einer geschildert hat. Er war beim Arzt, der hat auf die Impf-Hotline verwiesen. Dort stellte er dann zwei Fragen: „Schützt die Impfung wirklich vor Ansteckung und davor, krank zu werden?“ und „Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?“. Beide Fragen könne man ihm leider nicht beantworten. Also stellte er eine dritte Frage: „Wer kann mir Auskunft geben?“. Er solle sich ans Gesundheitsamt wenden. Ob er das getan hat inzwischen, weiß ich nicht, wahrscheinlich hätte man ihn in guter deutscher Bürokratiemanier auf die Impf-Hotline verwiesen. Und was soll ich nun tun? Zum Arzt kann ich ja nicht, denn ich bin nicht krank und dann ist das ja kein triftiger Grund, das Haus zu verlassen und mich mehrere Kilomenter von meiner Wohn-Haft-Anstalt fortzubewegen. Hotline?, Neeee.

Mir kommt das alles ein wenig wie so ein Kreislauf vor, oder wie ein mentales Hamsterrad, man rennt und rennt und kommt nicht vom Fleck. Und fliegt man irgendwann aus der Kurve, landet man in seinem Käfig. Doch eigentlich wollte ich ja herausfinden, was denn genau das ist, die „guten Seiten“, von denen so viele sprechen. Es gelingt mir nicht so recht.

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