Da gibt es ein Thema, welches man tatsächlich nicht ungestraft ansprechen darf in unserer heutigen „aufgeklärten“ Gesellschaft. Betretenes Schweigen. Die sprichwörtlichen Rolladen gehen runter mit Getöse. Die Stimmung ist versaut. Man bekommt die Gelbe Karte gezeigt – nein, es ist gleich die rote Karte. Platzverweis, Strafbank. Und nein, es geht nicht um Sexualität, umgangssprachlich „Sex“ genannt, was ja, wie man sieht und spürt, nicht mehr viel mit Liebe zu tun hat, mit Zärtlichkeit, mit Hingabe, mit Verehrung, mit Treue, mit gegenseitiger Unterstützung, sondern wohl eher Ähnlichkeit hat mit einem zwielichten Handelsgeschäft: „Gibst du mir dies, gebe ich dir jenes, gibst du es mir nicht, schmeiß ich dich raus.“ Und das, was da als Handelsware eingesetzt wird, ist nicht die Liebe, es ist alles Mögliche und Unmögliche, doch um Liebe kann es nicht gehen, weiß doch jeder: Liebe ist nicht verhandelbar, Liebe stellt keine Bedingungen, Liebe kann weder gekauft noch erzwungen werden.

Es geht um das einzige, was wir wirklich sicher wissen, seit wir hier zur Welt gekommen sind. Der Tod. Wir wurden geboren und wir werden sterben. Am Ende wartet der Tod, wann auch immer das Ende sei. Bodenloses Nichts, der Schrecken der Menschheit, das Ende von allem und nichts von all unseren geliebten Dingen und Besitztümern kann man mitnehmen. Ist das so? War das immer so? Geht es allen so?

Wilde und Heiden

Sogenannte Wilde, also „unzivilisierte“ Naturvölker sehen das anders. Deren Gestorbene sind nicht tot. Sie sind ihre Ahnen, die zum Gemeinschaftsleben dazugehören, um Rat und Hilfe gebeten werden, die den Lebenden Kraft und Inspiration schenken. Die Alten ziehen sich in Gelassenheit zurück, wenn sie spüren, dass die Zeit gekommen ist, weiterzugehen. Ja, weiterzugehen. Sie gehen über eine Schwelle in die Anderwelt, einer ewigen Heimat. Dort sind sie verbunden mit dem Göttlichen, wie auch immer sie das nennen. Und sie nehmen sehr viel mit, allerdings nichts, was in „zivilisierten“ Gesellschaften von Bedeutung zu sein scheint. Sie nehmen ihre Lebenserfahrungen mit, ihr erworbenes Wissen, ihre erworbene Weisheit, die nicht-materiellen Früchte ihres Lebens. In manchen solcher Völker wird dieser Übertritt über die Schwelle gefeiert.

Wie die Alten so die Jungen

In unserer zivilisierten Gesellschaft ist das anders. Oftmals sind Eltern schon auf dem familiären Abstellgleis, sobald die Kinder „aus dem Haus“ sind, sofern sie nicht noch die Kinder finanziell unterstützen. Mit zunehmendem Alter nimmt oft auch die Isolation zu, bis zuletzt der Aufenthalt in einem Altersheim nötig scheint. Professionelle Pflege nennt man das, was die liebevolle Fürsorge im Kreis der Familie ersetzt. Und von Ahnen redet man hier nicht mehr. Von geistiger Heimat sowieso nicht. Alt werden wollen die meisten, doch alt sein wiederum ganz und gar nicht. Und sterben will sowieso keiner, das einzige, was ganz sicher geschieht.

Wie konnte das geschehen, dass aus einem natürlichen Umgang mit dem Tod etwas so Unaussprechliches, Undenkbares, unbedingt zu Vermeidendes wurde? Liegt das vielleicht an der „Zivilisation“, auf die wir so stolz sind?

Wir haben den Faden verloren, wir haben das Wissen über unsere geistige Natur und unsere geistige Heimat verloren, wir haben aufgehört, uns zu kümmern: um unsere Ahnen, unsere Familie, unsere Alten – und nun auch zumeist um unsere Kinder, die wir nun in „professionelle Hände“ geben – dem Staat, wer oder was auch immer das sein soll und welche Begehrlichkeiten und Ziele der hat.

Die rettende Religion

Doch halt Stopp! Wir sind doch eine christliche Kultur, oder nicht? Die Kirchen lehren uns doch, wer wir sind: Kinder Gottes. Und der Christus ist doch auferstanden, neulich schon wieder – an Ostern! Er verkündet doch damit die frohe Botschaft des ewigen Lebens im Himmelreich, unserer Heimat. All jene, die sich Christen nennen, fürchten sich also nicht! Halt, das stimmt nun auch nicht so ganz, es nennen sich die meisten nicht „Christen“, sondern sie sagen: „Ich bin katholisch“, oder sie sagen: „Ich bin evangelisch“. Oder sie sagen was anderes. Und der allergrößte Witz ist ja, wenn sie sagen: „Ich glaube gar nichts, ich verlasse mich nur auf das was ich sehe und weiß, denn ich bin Atheist!“. So viele Lügen und Selbstbelügereien in so einer kurzen Aussage. Aber lassen wir das, es ging ja um Christen. Wer Christ ist, kennt die frohe Botschaft und fürchtet den Tod nicht und freut sich auf das Himmelreich nach all der Plagerei hier. Richtig? Nein? Dann stimmt wohl was nicht mit unserer sogenannten Religion. Sie hält Menschen in Angst und Schrecken, beste Voraussetzung für Manipulation und Sklavenhalterei. Denn echte Religion sollte frei machen.

Der rettende Fortschritt

Wenn die Religion also nicht nur nichts nützt und sogar augenscheinlich ungesund ist, verlassen wir uns doch lieber auf unseren Fortschritt. Die Wissenschaft etwa. Niemand muß sterben. Das ist die frohe Botschaft. Der Christus ist überholt. Wer alt ist, bekommt Medikamente und wenn der Tod an die Türe klopft, wird er weggeschubst vom Notarzt. Der reanimiert, dass sich die Balken biegen und ein Weiterleben ist gesichert – bis zu nächsten Reanimation. Wenn man das in so manchem Fall „weiterleben“ nennen kann. An Maschinen angeschlossen in irgendeinem Krankenhaus oder – professionell rundumversorgt – in einem Pflegeheim. Alles ist besser, als nach Hause zu gehen zum liebenden Vater im Himmelreich. Denn der soll laut Priesterkaste gar nicht liebend sein sondern strafend, auf übelste Weise. Denn man hat sich versündigt im Leben, hat wohl das, was der Christus gelehrt hat, mißachtet. Man hat andere geschädigt und damit auch sich selbst bzw seine Seele. Wie ungerecht, eine Strafe dafür erwarten zu müssen, wo man doch nichts wußte von all dem, andere nicht zu schädigen und so was. Und dass man einmal wird sterben müssen und sich verantworten müssen – wer denkt auch an sowas?

Gibt es ein Leben vor dem Tod?

Nun, darüber läßt sich seit mehr als 2 Jahren streiten, denn alles, was das echte Leben ausmacht, wurde ja aus Sicherheitsgründen verboten und ist nach wie vor immer noch eingeschränkt. Und sei es nur durch die Schere im eigenen Kopf. Das Leben nicht zu leben, um nicht sterben zu müssen. Das scheint die neue Religion unserer Zivilisation zu sein.

In meinen Artikeln der letzten 3 Wochen habe ich über das Leben geschrieben. Darüber, wie man ein gutes und erfülltes Leben führen kann, welches im Einklang ist mit den natürlichen Gesetzen, die wohl die sogenannten Wilden und Heiden noch verstanden haben, weil sie verschont wurden von organisierten sogenannten Religionen und von unserem sogenannten Fortschritt und Materialismus. Ihr Leben war karger und beschwerlicher als das unsere, vielleicht lebten sie nicht so lang wie wir, sie haben sicher nicht annähernd so viel Besitz gehabt wie wir. Sie konnten jedoch sicher ein glücklicheres Leben führen. Und: Nein, ich will nicht zurück in eine Bambushütte und wilde Beeren sammeln müssen und 3 mal am Tag mit einem alten Krug zum Fluß marschieren, um Wasser zu holen. Doch wir müssen uns nicht unbedingt wie die allerletzten Deppen verhalten, bloß weil das Wasser bei uns aus dem Wasserhahn kommt.

Der Tod ist Dein Freund

Stell dir vor, du hättest keine Angst vor dem Tod. Stell dir vor, es wäre dir jeden Tag bewußt, dass er einmal an deine Türe klopft und du weißt nicht, wann. Du weißt, was das ändern würde. Wir würden anders leben. Ganz anders. Wir würden anders miteinander umgehen und auch mit uns selbst. Wir würden uns nicht mehr manipulieren und verblöden lassen. Wir würden keine Lügner und goldene Kälber anbeten. Wir würden uns nicht versklaven lassen, denn die Zeit ist zu kurz für solche Dummheiten.

Du kannst es doch sehen in deinem Leben. Vielleicht hast auch du schon so manche kleine Tode erlebt. Der Tod ist nicht ein einmaliger Prozess, sondern ein fortlaufender. In einem Leben stirbt man normalerweise mehrmals. Umzüge, Trennungen, Schicksalsschläge, danach ist alles anders, die Seele ist wie gestorben und wieder geboren. Manchmal wird nach schweren Erkrankungen auch der Körper wie neugeboren, jedenfalls wird er ganz neu erlebt und wertgeschätzt. Die neue Achtung vor dem Leben löst die Angst vor dem Tod auf, wenn man sich dieser Prozesse bewußt wird, wenn man sie nicht nur beiseite schiebt sondern sie wirklich auch innerlich bearbeitet.

Der Tod, das Wissen um unsere Endlichkeit, um Vergänglichkeit, das Wissen um unsere seelisch – geistige Natur, das, was wir wirklich sind, macht unser Leben erst kostbar und es führt auch dazu, dass wir uns wieder daran erinnern, was es bedeutet. Wir werden uns daran erinnern, wie es geht, ein gutes Leben zu führen im Einklang mit der Welt und unseren Mitmenschen. Wir wissen genau, was „richtig“ und was „falsch“ ist, dazu brauchen wir weder einen Staat noch eine Priesterkaste. Wir werden uns daran erinnern, was wirklich glücklich macht, dieses Leben wirklich lebenswert macht. Wir werden uns nicht mehr fremdbestimmen lassen, nicht mehr manipulieren lassen. Wir werden uns befreien – endlich – und der Tod, unser Wissen um ihn, und dass er ein Freund ist, wird uns helfen.

 

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