Seit vielen Monaten lese ich Kommentare unter Veröffentlichungen verschiedener Art zur „Lage der Situation“, zum Weltgeschehen oder zum politisch – gesellschaftlichen Leben in unserem Land. Ich sammle auch Informationen aus den Erzählungen anderer und natürlich meine eigenen Erfahrungen aus Begegnungen, Schriftverkehr und Gesprächen.

Im ersten Halbjahr des Geschehens im Jahr 2020 waren dies noch sehr vielgestaltige, energiegeladene und lebendige Bilder, die sich zeigten. Zum Herbst und Winter hin wurden die Bilder jedoch immer einheitlicher und mittlerweise scheinen sie sich nicht mehr zu verändern, sie sind irgendwie statisch geworden. Es kommt mir so vor, als könnte man die Kommentare etwa unter diversen Veröffentlichungen aus Februar 2021 eins zu eins kopieren und unter ähnliche Veröffentlichungen setzen in diesem Monat und umgekehrt. Das würde nicht auffallen. Es ist identisch.

Stagnation

Die Menschen drücken meistens ihr Leid aus. Dasselbe Leid wie seit vielen vielen Monaten. Oder sie empören sich. Manche stellen verzweifelte Forderungen oder machen Vorschläge, wie eine Änderung herbeigeführt werden könnte. Dieselben Vorschläge, die seit über einem Jahr kursieren und nicht ergriffen wurden, für welche es jetzt meist schon längst zu spät ist. Andere wieder bieten weitere Informationsquellen an, in welchen dieselben Informationen stehen wie anderswo seit langem schon. Wenige sind es, die hoffen, worauf auch immer.

Ewiges Leid

Die Kinder werden gequält, was wohl auch deren Eltern quält. Familien und Freundschaften zerbrechen. Das zwischenmenschliche Umfeld ist vergiftet, was in allen Lebensbereichen spürbar ist. Persönliche Notlagen haben sich eingestellt, etwa durch Arbeitslosigkeit aufgrund des aktuellen Geschehens oder Verlust des eigenen Betriebes. Hunderte von verschiedenen Arten des Leidens könnte man hier auflisten, sie sind allen Menschen bekannt, die meisten davon erleben ihr eigenes Cocktail daraus. Sämtliche Kanäle und Kommentare, manche Mails oder die seltenen Briefe quellen geradezu über mit diesen Berichten, es sind immer dieselbe Berichte und es sind manchmal seit fast einem Jahr dieselben Menschen mit denselben Berichten.

Noch mehr davon wird irgendwann helfen

Manche schwören auf ihr eigenes „Erfolgsrezept“. Tu noch mehr von dem, was nicht funktioniert, irgendwann wird es helfen. Dazu muß ich mich wohl auch zählen. Ich hätte vor vielen Wochen schon aufhören können, auf diesem Blog zu schreiben, es war zu der Zeit bereits genügend gesagt. Aufklärung ist das wichtigste, heißt es in dieser Strategie etwa. Eine andere Strategie heißt „der Rechtsweg“: Anzeigen erstatten für den großen Stapel oder den großen Schredder. „Der Bandwurm-Appell“ ist eine weitere Strategie: Schreiben Sie Ihren Volksvertretern, unterschreiben Sie bei dieser Petition, schreiben Sie an die Rektoren der Schulen und Schulbehörden,…! „Setze auf die richtigen Leute“ ist eine weitere Strategie, die ist am bequemsten: „Vertraue x und y, …, wähle uns! Und falls du unsere Arbeit unterstützen möchtest, …“. Diese kleine Liste ist bei weitem nicht erschöpft.

Prinzip Hoffnung

Es ist alles demnächst vorbei! Lange kann es ja nicht mehr gehen. Man kann die Anzeichen schon erkennen. Sie rudern doch schon zurück! Sogar die Mainstreammedien haben jetzt veröffentlicht, dass…! Trump wird siegen (der letzte hierfür vorgesehene Zeitpunkt war Mitte August 2021, da waren sie sich, wie die vorangegangenen 7 mal auch, alle einig). Gerichte in soundso haben diesunddas gekippt, das wird der Anfang vom Ende sein. Außerdem wurde eine Anklage erhoben von xy gegen z in ganz großem Stil. Jetzt bröckelt das Narrativ! Es kam etwas ans Tageslicht, nun wird er oder sie oder sie alle abdanken müssen. Bald ist ohnehin Wahl, sie werden ihre Quittung bekommen, danach sieht alles ganz anders aus. Außerdem siegt das Licht und die Rettung ist nahe.

Gewöhnung

So war es schon immer, wie man sich etwa ans Älter werden gewöhnt: man benötigt immer wieder eine stärkere Brille, hat den dritten Stift-Zahn oder die zweite Teilprothese im Mund, dies und jenes geht nicht mehr so leicht oder so schnell wie früher oder gar nicht mehr, Zipperlein hier und da. Und so ist es auch in dieser Un – Zeit: man hat sich an die „Regeln“ gewöhnt, an die Maske, an die Testerei, an den Abstand, an regelmäßige Isolationen, an Daumenschrauben, an Verbote, an Staatsgewalt, an rauhe Sitten überall.

Man wächst mit seinen Aufgaben, hieß es früher. Heute schrumpft man in die Foltergerätschaften hinein. Zuerst waren es „Alltagsmasken“, gern auch selbst genäht in hübschem Dekor, heute ist es zwingend FFP-2. Zuerst war es die Zweifachimpfung, jetzt steht die Dritte an und man weiß, es wird nicht die letzte sein. Der Impfpass ist da, die Überwachungsvorrichtungen und -einrichtungen. Gesetze ändern sich wie das Wetter und keiner weiß oder will es wissen, wie sie entstehen, was sie bedeuten, wer sie eigentlich bestimmt und für wen. Das Wasser im sprichwörtlichen Topf wird langsam heißer, der Frosch merkt es nicht. Die enger werdende Schlinge um den Hals empfinden manche gar als angenehm. Und so schlimm ist es ja auch nicht. Es ist ja nur warmes Wasser, es ist ja nur ein Halsband und warum auch nicht?

Freude über die Wende zum Guten

Dies ist ein Phänomen, welches man nur unter ganz bestimmten Veröffentlichungen findet, doch auch dies hat sich nicht geändert seit über einem Jahr. Ja, es mußte etwas geschehen, so konnte es nicht weitergehen. Dankbarkeit macht sich breit, denn dies ist eine Reinigungsphase, es ist ein schmerzlicher Umbruch und führt zu einem Neuanfang ins Goldene Zeitalter. Ermutigung wird ebenso freudig begrüßt wie die geschilderten deutlichen Anzeichen des Bewußtseinssprunges. Freudig bis euphorisch teilt man einander gegenseitig mit, wie man diese besondere Zeit erlebt in ganzer Inniglichkeit, dekoriert mit zahllosen Herzchen, Blümchen, gefalteter Hände und Küsschen. Geh nach innen, spüre dich, atme das neue Zeitalter ein.

Vorsorge

Hiervon liest und hört man wenig, aber manche äußern sich diesbezüglich schon, obwohl es durchaus viele sein könnten. Heimlichkeit scheint hier ein gebotenes Gesetz. Man bunkert und rafft, was man zum Überleben in einem finalen Krieg und der anschließenden Zerstörung auf allen Ebenen benötigen wird. Land wird gekauft und bebaut, damit man genügend zum Essen hat. Mit der richtigen Gesinnung scheint das besser zu klappen als sonst überall. Sie scheinen keine Ernteausfälle zu haben, wie alle anderen, die diese Tätigkeit seit Jahrzehnten erfolgreich gemacht haben, bis auf dieses Jahr, wo alles mißlingt. Alles scheint zu gedeihen wie in einem Paradies.

Zudem wird auf autarke Energiequellen Wert gelegt und man legt sich eine Art Waffenarsenal an, um sich und seine Habseligkeiten zu verteidigen gegen die vielen Hungernden, die es geben wird.

Andere wiederum legen sich kleinere Vorräte an, um kürzere Notzeiten zu überstehen, welche selbstverständlich nicht lange dauern können. Wieder andere wollen von all dem nichts wissen. Wer will denn in einer solchen Welt, die keine Welt mehr ist, ums Verrecken weiterleben wollen?

Zorn

Das gibt es auch. Ich hätte gedacht, das würde im Laufe der Monate, oder man kann ja schon fast sagen, im Laufe der Jahre, zunehmen. Den Eindruck habe ich nicht. Jedenfalls nicht auf „dieser Seite des Mondes“. Auf der anderen Seite scheint der Zorn allerdings erheblich und exponentiell zuzunehmen. Es ist von Wegsperren, aufs Maul hauen, Vergasen und Erschießen die Rede. „Macht sie fertig, diese Nazis und Querdenker. Laßt sie verrecken, die Schwurbler und Impfverweigerer, prügelt sie nieder, diese Scheiß Demonstranten.“ Doch auch in kleinen, eher privaten Bereichen werden die Lippen vergekniffener, die Blicke gefährlicher, die Sprüche deftiger.

Die Haut wird dünner

Es gibt gesegnete Leute, welche versichern, es sei ja alles schlimm, was hier läuft, doch im Grunde sei bei ihnen selbst Gott sei Dank alles in Ordnung und der Rest würde sie gar nicht wirklich betreffen und schon gar nicht berühren oder allzusehr beunruhigen. Sie seien gelassen, es sei halt, wie es sei, Krisen gab es immer seit Menschengedenken und es würde immerhin eine Änderung geben, welche ja schon lange überfällig sei.

Sehr viele andere scheinen allmählich auf allen Ebenen dünnhäutig zu werden. Nerven liegen schmerzhaft blank, man kann kaum noch was aushalten oder „wegstecken“. Sie werden krank. Traurigkeit, Anfälligkeiten oder Schmerzen hier und da, Verschlechterung von chronischen Erkrankungen und vieles mehr. Das Fass ist voll, übervoll, es geht nicht mehr, nichts kann mehr gepuffert werden. Überreaktionen aus Verzweiflung. Es wird immer schwerer, sich aufzuraffen, sich selbst zu ermutigen, sich selbst in eine zuversichtliche Haltung zu begeben, sich zu beruhigen und zu heilen nach wieder einmal einem der zahlreicher werdenden Übergriffe aus der nahen oder ferneren Umgebung, aus dem persönlichen Umfeld oder aus der Gesellschaft.

Resignation

Manche haben schon zu oft gehofft, sich verausgabt und erschöpft mit Aktionen und Tätigkeiten, womit sie dachten, es könnte die Änderung herbeiführen. Es mußte die Änderung herbeiführen! Sie führten aufklärende Gespräche mit zahllosen Beweisen und Quellenagaben mit Menschen, die ihnen am Herzen liegen. Kleine Anzeichen des Umdenkens von den so mit Wahrheit versorgten Leuten wurden gefeiert, um hernach festzustellen: sie sind geimpft. Die ganze Familie ist geimpft!

Sie haben sich geweigert, sich „spalten“ zu lassen, haben sich dabei aufgerieben bis zur Selbstverleugnung, gelernt, mit der Schere im Kopf und dem Knebel im Mund zu Einladungen oder Treffen zu gehen. Sie sind liebevoll, einfühlsam und achtsam geblieben und müssen sich nun anhören, sie seien schuld daran, dass es immer noch kein „Normales Leben“ geben kann, sie seien Schmarotzer, die davon profitieren, dass andere sich impfen lassen, sie seien eine Gefahr für andere und für die Demokratie im Lande. Ja, sie seien Schuld daran, dass immer noch so viele Menschen sterben müssen.

Erschöpft, erschüttert und bis ins tiefste hinein verwundet haben sie nun resigniert und hoffen gar nichts mehr, glauben gar nichts mehr, tun gar nichts mehr und ziehen sich in sich selbst zurück, still vor sich hin weinend und blutend.

Sie sind weg

Manche sind verschwunden. Ja, ins Ausland, irgendwo hin. Einige von ihnen funken aus der Ferne noch dies und jenes, schicken Berichte vom sorgenlosen, freien Leben in mehr oder weniger exotischen Ländern, formulieren Durchhalteparolen und geben Rat, was man hier nun zu tun habe. Bleibt stark! Ja!

Andere wiederum sind einfach weg. Keine Nachrichten mehr von ihnen auf ihren Kanälen oder diversen anderen Portalen. Manche schalten einfach ihre Portale ab. Sie schreiben keine Kommentare mehr, man sieht sie nicht mehr an den gewohnten Orten, sie sprechen von keiner Bühne, geben kein Interview mehr.

Mürbe

Viele sind inzwischen mürbe geworden. Nur wenige können sich dieser so lange schon anhaltenden Quälerei entziehen oder von dieser unberührt, unbeschädigt bleiben. Auch das ist eine Art Gehirnwäsche und Zermürbung. Wenn man sich auch noch so bewußt ist über die Waffen der psychologischen Kriegsführung und dagegen mit allen Mitteln ankämpft, so wirkt dieser ewige und erfolglose Kampf auf seine ganz eigene Weise. Ich vermute, keiner ist unbeschädigt geblieben in welcher Form auch immer in dieser Zeit.

Verdrehungen

Niemand ist ein Superheld und ich weiß keine Erleuchteten, obwohl ich das früher, also vor Corona, mal behauptet habe. Es gibt Tage oder Zeiten, in welchen man für nichts und niemanden mehr Kraft hat. Da schweigt man, wo man den Mund auftun müßte, man läßt die Hände in den Hosentaschen und bleibt sitzen, obwohl man handeln müßte. Wenige schaffen es, zu sagen, dass man im Moment einfach nicht kann, wund und elend, wie man gerade ist. Oft hört sich das anders an. Um des Friedens willen, um Spaltung zu vermeiden. Um es nicht noch schlimmer zu machen. Frieden und Zusammengehörigkeit, Treue und Umsicht sind immerhin edle Güter und Tugenden.

Niemand muß sich in diesen Zeiten selbst klein machen, mit Selbstvorwürfen kasteien und sich Asche aufs Haupt streuen. Wer ohne Schuld (Versäumnisse, Schwächen…) ist, werfe den ersten Stein! Vielleicht schafft man es, trotz der Konditionierungen von Geburt an, gütiger mit sich selbst zu sein, damit man sich selbst nicht zu allem Überfluß auch noch mit Verdrehungen entwürdigen muß.

Gibt es eine Vergangenheit, wenn es schon keine Zukunft zu geben scheint?

So lange ist es ja tatsächlich noch gar nicht, von Februar 2020 bis heute. Doch das Empfinden von Ewigkeit in Verbindung mit dem fehlenden Licht am Ende des Tunnels wirkt verheerend. Ich erinnere mich an mein Leben vor Corona. Doch die Bilder und Gefühle, welche damit verbunden sind oder sein könnten, werden blasser. Es kommt mir vor wie eine Geschichte, welche ich vor langer Zeit gelesen oder erlebt habe und nun nicht mehr so ganz genau weiß. Was mich nährte, was mich glücklich machte, mein Mensch – Sein ausmachte, versinkt ganz langsam in lauwarmen Treibsand des Vergessens umhüllt von einem dichter werdenden Nebel.

Mit großer Anstrengung versuche ich, dies innerlich wiederzubeleben, was mir mal mehr und meistens weniger gelingt. Ich nähre meine Ideale, so gut es mir möglich ist und halte daran fest, ja, machmal klammere ich mich daran, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Woran soll ich mich ausrichten, wenn nicht an meinen Idealen, an dem Idealbild des Menschen, wie er sein könnte, wie ich werden möchte? Doch die Realität ist so übermächtig wie noch nie in meinem ganzen Leben. Regelmäßig gibt es einen sogenannten Tritt in die Knie, einen Schlag auf den Kopf, einen Dolch in den Rücken oder ins Herz.

Was ist eigentlich Wahrheit und gibt es sie noch?

Wer weiß schon sicher, was wahr ist? Wer weiß schon sicher, was „der richtige Weg“, was gut oder falsch ist, in diesen Zeiten?

Vielleicht wird sich am Ende alles gelohnt haben, all das Durchhalten, all die Anstrengung, all das „Steh-auf-Männchen“ machen. Ich weiß es nicht. Im Moment denke und fühle ich, ich muß es trotzdem tun. Egal, ob sich – an welchem Ende auch immer – was auch immer gelohnt haben wird oder nicht. Ich denke, das sogenannte Ende und das Ergebnis ist jetzt nicht wichtig. Man weiß es ja eh nicht.

Doch solange man noch so etwa weiß, wer man ist und werden will, muß man sich dementsprechend verhalten, muß man danach leben, so gut man es nur irgendwie kann, ungeachtet schwacher Tage oder Rückschläge oder Verletzungen. Vielleicht ist dies die einzige Wahrheit, derer ich mir zur Zeit sicher bin. Alles andere ist eine schwammig-schleimige, sich stets verändernde unkenntliche stinkende Masse aus Irrtümern, Unsicherheiten, Teilwahrheiten und Lügen und Betrügereien.

Dies über alles: Sei dir selber treu! Und daraus folgt, so wie die Nacht dem Tage, du kannst nicht falsch sein gegen irgendwen.“

“Verrat deiner selbst,
um nicht einen anderen zu verraten,
ist trotz allem Verrat.
Es ist der höchste Verrat.”

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