Man wird ja immer wieder überrascht. Ich hatte schon so manchen seltsamen Besuch. Meistens zu den Nachtstunden. Am häufigsten in den ganz frühen Morgenstunden. Genau dann, wenn ich nicht mehr tief schlafe und gleichzeitig noch nicht ganz wach bin. Treue Leser kennen das schon – die Kanalratte zum Beispiel.

Dieses Mal aber war ich dann doch ziemlich geplättet. Seltsame Wesen standen da plötzlich in meinem Zimmer rum und schauten mich an. Sie warteten offenbar, bis sie erkennen konnten, dass ich sie erkenne. Oder sagen wir besser, bis ich sie wahrnehme. Denn ich wußte zuerst nicht, wer das jetzt sein soll. Sie waren ein wenig schattenhaft – durchscheinend. Sie sahen ernst aus aber nicht unfreundlich.

Was wollt ihr? Und vor allem: wer seid ihr?

Sie wollten wissen, was mit uns los sei. Sie würden schon so lange warten, aber wir kämen nicht in die Gänge und das sei nicht richtig so. Wir hätten es doch versprochen, meinten sie. Wir hätten doch alles ganz genau vereinbart zuvor und sie könnten aber nicht erkennen, dass wir unser Versprechen halten. Wir würden doch ganz genau wissen, dass sie auf uns angewiesen wären, sonst könnten sie nicht hier her kommen. Das wüßten wir doch! Wir sollten es doch vorbereiten und hätten aber nichts, gar nichts bisher unternommen und die Zeit würde doch davonlaufen, auch das wüßten wir doch ganz genau!

Jetzt mal langsam, sagte ich, welches Versprechen, welche Vorbereitungen?

Na, die Zukunft vorbereiten, sagten sie. Die neue Art, wie Menschen zusammenleben und zusammenarbeiten sollen. Wenn das jetzt nicht gemacht wird, so wie geplant, dann wird da nichts draus. Sie könnten dann nicht kommen und die Zukunft, tja, die würde es halt dann einfach nicht geben. Nur etwas, was sich keiner vorstellen und keiner wünschen könnte. Wir seien arg in Verzug, sagten sie, sie Sollten schon längst inkarniert sein und am Aufbau arbeiten, es verwirklichen, umsetzen.

Wie jetzt, fragte ich nochmal, was denn genau vorbereiten und vor allem: wer überhaupt?

Na du, und die anderen. Wir waren schon einmal bei dir, schon öfter, nur nicht so deutlich. Immer haben wir dich erinnert und angestupst. Die anderen auch. Wir wissen, dass du dich anstrengst, aber da ist trotzdem nichts passiert. Du mußt dir noch mehr mühe geben!

Aber womit denn, Herrschaftzeiten, womit?

Na, das Ding mit den Gemeinschaften, das weißt du doch, sagten sie dann.

Sie wußten, dass ich mich bemühe, und dass die Menschen nichts davon hören und wissen wollen. Sie wußten auch, dass die Menschen damit beschäftigt sind, jede Zukunft zu zerstören, mit allem, was sie so tun. Doch solle ich trotzdem welche finden, die das kapieren, sagten sie mir jetzt. Wenigstens sollen sie das mal kapieren und in kleinen Dingen anfangen. Es leben, was sie kapiert haben, nicht bloß schön reden drüber.

Wen genau soll ich denn jetzt noch ansprechen? Wie soll ich das denn bloß machen? Sie wollen nicht, das müßt ihr doch sehen! Ich hab doch alles versucht was ich kann!

Ich hab meinen Besuchern dann versprochen, dass ich es nochmal versuche. Zum soundsovielten mal. Sogar mit dem soundsovielten Artikel. Wenigstens schreiben soll ich, wenn schon keiner hört, dann lesen sie vielleicht und fangen endlich an, hofften sie dann, kurz bevor sie wieder gingen.

Sie bräuchten Menschen, die anfangen. Und sie haben sehr viele genaue Details genannt. Ich hoffe, ich bringe sie alle noch zusammen. Diese Menschen, die sollten dann endlich anfangen, so zu leben, jetzt sofort, ohne auf etwas zu warten, ohne auf ein Objekt oder eine Gruppe von Menschen zu warten. Sie sollten jetzt anfangen, noch heute, auch wenn sie ganz allein seien. Es ginge jetzt um jeden Tag. Kein einziger Tag dürfte mehr verloren gehen.

Das sind die Menschen, die offenbar ganz dringend gebraucht werden und die jetzt sofort beginnen sollen:

  • Menschen, die “Überschuß” haben und selbst den Willen haben, etwas auf die Beine zu stellen, etwas anzupacken

  • Menschen, die es schaffen, über ihr eigenes “ich-will-für-mich” hinausblicken können auf ein “was-brauchst-du-und-was-braucht-die-Welt”

  • Menschen, denen ihre Vision eines menschlicheren Lebens ein Anliegen ist mit hoher Priorität in ihrem Leben, welche, die evtl sogar “brennen” für ihre Vision!

  • Menschen, die etwas einbringen wollen in eine Gruppe, Eigeninitiative ergreifen können, Kreativität entwickeln, Impulse setzen, dafür arbeiten und Mühe auf sich nehmen können

  • Menschen, die nicht bei jeder kleinen Mißstimmung davonlaufen sondern sich auch Konflikten stellen können, um sie zu lösen (wie sonst soll Gemeinschaft gelingen können?)

  • Menschen, die sich freuen und es unterstützen, wenn jemand aktiv die Welt gestaltet und sich auf den Weg macht. Menschen, denen es nicht reicht, im Leben nur zu konsumieren und abzuwarten

  • Menschen, die die Schieflage unserer Gesellschaft und unserer Welt erkennen und ein Gegengewicht setzen wollen, aktiv und eigenverantwortlich

  • Menschen, die mit anderen in Kommunikation treten wollen, sich aktiv darum bemühen, dass dies gelingt

  • Menschen, die sich darauf einlassen können, dass die anderen anders sind als man selbst und diese Verschiedenheit feiern können als Bereicherung für die Gruppe, für die Gemeinschaft

  • Menschen, denen es ein Anliegen ist, gut miteinander umzugehen, mit Achtung, Würdigung und Respekt, und die es wagen und erlauben, dass man auch seine Schwächen und Fehler zeigen kann

  • Menschen, die sich sehr für andere Menschen interessieren, mit ihnen sein wollen, an ihrem so-sein teilnehmen wollen, andere unterstützen wollen in ihrem Sein und Werden

  • Menschen, die über sich selbst hinauswachsen wollen, niemals aufhören wollen, zu lernen

  • Menschen, die wissen, dass das Leben in einer selbst gewählten Gruppe nicht rosarot verklärt ist sondern jeden Tag eine Herausforderung ist, die zur Weiterentwicklung zwingt

  • … Und die auch wissen, dass dabei etwas herauskommt, erlebbar wird, was man in dieser vereinzelten  Konsumwelt niemals erleben kann, … und dass sich all die Mühe lohnt

  • Menschen, die bodenständig sind, in der Lage sind, ihr Leben zu handhaben, mit beiden Beinen im Leben stehen, die wachen Geistes sind.

  • Menschen, die jetzt anfangen, eine neue Mitmenschlichkeit zu leben, Fürsorge leben

So, ich hoffe, ich hab wenigstens das meiste jetzt aufgeschrieben. Ich soll euch sagen, dass ihr heute noch anfangen sollt, ganz dringend.

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