Angenommen: Ich wollte ein Kino eröffnen, das beste Kino, eines, das genau meinen und nur meinen Interessen dient. Wie genau müßte ich das machen? Das Progamm ist das wichtigste, das Ambiente sollte mitberücksichtigt werden. Meine Ziele will ich unbedingt erreichen, dazu muß ich meine Interessen ganz genau kennen:

  • ich will sie alle an mich binden

  • sie sollen ihre freie Zeit nur in meinem Kino verbringen

  • sie sollen mir ihr Geld geben, alles, was sie gerade noch so entbehren können

  • sie sollen nicht mehr selber denken, das sollen sie verlernen, so gründlich, dass sie nicht mehr in der Lage dazu sind, selbst wenn sie es irgendwann einmal wollten

  • sie sollen handlungsunfähig werden, nicht mehr überlebensfähig sein ohne Angebote von außen oder oben oder von mir, ja, sie sollen hilflos werden

  • sie sollen vereinzelt werden, sie sollen nicht mehr miteinander zurechtkommen, sich nicht verbünden können

  • sie sollen absolut abhängig werden von mir und sich dabei wohl fühlen

  • sie sollen die Realität vergessen und nur noch in den Traumwelten der Filme (= Illusion) leben

  • sie sollen an meine Filme glauben, nicht mehr an sich selbst, an das Mensch – Sein oder gar an Gott

  • sie sollen die Illusion haben, sie hätten eine Wahl und könnten mitgestalten, sie wären frei

  • und sie sollen mir auch noch dankbar sein dafür, mir huldigen, mich als Helden feiern

  • und noch ein paar Kleinigkeiten dazu

     

Wie also sollte ich das machen? Da gibt es vieles zu berücksichtigen. Das wichtigste jedoch wird Folgendes sein:

Es muß für jeden etwas dabei sein in meinem Programm. Etwas, was seinen ursprünglichen Neigungen und Interessen entgegenkommt, so lange, bis es keine Neigungen und Interessen mehr gibt, nur noch der Wunsch, noch einen Film zu gucken und noch einen und noch einen und noch einen.

Es muß also Filme geben für junge Familien mit Kindern. Rührende Kinderfilme etwa. Filme über junge Familien und deren süßlich-heile Welten. Welche für Teenager mit ein wenig Rebellion und Action. Welche für erfolgreiche und auch weniger erfolgreiche Singles mitten im Leben und Berufsleben. Es muß Filme geben für Menschen mit hohen Idealen. Es muß Heldenfilme geben, in welchen das Gute immer siegt am Ende. Es muß welche geben, worin es Retter der Welten und der Menschheit gibt. Es muß Filme geben, die längst vergangene Erinnerungen der Älteren weckt, in welchen sie an Schönes in ihrer eigenen Vergangenheit erinnert werden, zum Erwärmen des Herzens.

Und so weiter.

Es muß für jeden etwas dabei sein.

Es muß also so ähnlich sein wie Telegram.

Es gibt unzählige Kanäle, es ist für jeden etwas dabei. Telegram funktioniert, man kann dort sein ganzes Leben verbringen und empfindet sich auch noch als gut informiert und als ein tätiger, sehr aktiver Mensch. Man empfindet sich zunehmend, je länger man sich dort aufhält, mit den anderen, die sich dort aufhalten, verbunden. Ja, man hat das Gefühl, man kennt einander, man hat viele viele gleichgesinnte Freunde. Die Realität allerdings, ja, die vergißt man komplett.

Genau wie in meinem Kino.

Es geht auch noch größer. Bald ist wieder mal Wahl. Eine wichtige Wahl. Der Kinobetreiber der Wahl- Illusion macht es ebenso wie ich es für mein Kino plane: es ist für jeden was dabei. Eines hat in der letzten Zeit allerdings gefehlt: ein Programm für die Verrückten, für die Widerständler, für die Verschwörungstheoretiker, für die Alles – Verweigerer und für die Straßenmarschierer. Doch auch dafür hat er eine Lösung gefunden, dieser Kinobetreiber, für den Endlos – Vorführer von Illusionen und Scheinwelten, für den Sklavenhalter der Menschheit: es gibt jetzt auch für jene eine nette Partei! Er hat das gut gemacht. Sein Ohr am Mund des Volkes, schnell reagiert, schnell und gut eingefädelt.

Fast hat es so ausgesehen, als würden die oben genannten die Illusionswelt durchschauen, ausbrechen, genau das tun, was der Kinobetreiber verhindern will: freie und selbstwirksame Menschen werden! Das will er verhindern, denn nur wenige, welche die Illusion durchschauen, könnten anderen die Augen öffnen, das Kino zum Einsturz bringen und den Kinobetreiber vernichten. Dieser große Kinobetreiber hat die gleichen Interessen wie ich es hätte mit meinem Kino:

  • ich will sie alle an mich binden

  • sie sollen ihre freie Zeit nur in meinem Kino verbringen

  • sie sollen mir ihr Geld geben, alles, was sie gerade noch so entbehren können

  • sie sollen nicht mehr selber denken, das sollen sie verlernen, so gründlich, dass sie nicht mehr in der Lage dazu sind, selbst wenn sie es irgendwann einmal wollten

  • sie sollen handlungsunfähig werden, nicht mehr überlebensfähig sein ohne Angebote von außen oder oben, ja, sie sollen hilflos werden

  • sie sollen vereinzelt werden, sie sollen nicht mehr miteinander zurechtkommen, sich nicht verbünden können

  • sie sollen absolut abhängig werden von mir und sich dabei wohl fühlen

  • sie sollen die Realität vergessen und nur noch in den Traumwelten der Filme (= Illusion) leben

  • sie sollen an meine Filme glauben, nicht mehr an sich selbst, an das Mensch – Sein oder gar an Gott

  • sie sollen die Illusion haben, sie hätten eine Wahl und könnten mitgestalten, sie wären frei

  • und sie sollen mir auch noch dankbar sein dafür, mir huldigen, mich als Helden feiern

  • und noch ein paar Kleinigkeiten dazu

Das perfekte Kino. Es funktioniert. Immer noch. Immer besser. Nie war Kino so gut wie heute. Es kann kaum noch einer entkommen. Der Hauptgrund hierfür ist:

Es will kaum noch einer entkommen. Es ist sooo schön im Kino!

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