Eigentlich könnte es das goldene Zeitalter der Anthroposopie sein, diese Corona-Wüstenei, die wir gerade erleben. Jetzt könnten sie sagen: „Wir haben es doch immer schon gesagt, wir haben doch immer schon gewarnt, wir haben doch die Strukturen längst aufgebaut, die jetzt dringlicher denn je gebraucht werden. Es ist doch alles da, erprobt und bewiesen, dass es funktioniert und dass es alles in die Gesundung bringt, sogar diese ganze verbogene und verlogene Gesellschaftstruktur!“ Die Anthroposophie hätte jetzt ihre „Sternstunde“, wenn sie nicht auf Abwege gekommen wäre.

Dunkler Sumpf

Doch was geschieht seit langem und vor allem seit einem Jahr? Namhafte Verbände dieser „Bewegung“, die sich so gar nicht bewegen wollte die letzten Jahrzehnte, haben offenbar ihre eigenen Wurzeln und ihre eigenen Grundsätze vergessen. Wieder einmal, wie damals auch, biedern sie sich an das System an, zünden Nebelkerzen und bleiben stecken in vorauseilendem Staatsgehorsam, alles vom Tisch fegend, was sie als Auftrag für die Welt hätten, würden sie ihren Gründer auch nur für fünf Pfennig ernst nehmen. Das „Goetheanum“, als Bild für das Herzstück der Anthroposophie, scheint ein zweites mal zu brennen, und wer zündelt da? Die eigene Sippe! Und der Gründer Rudolf Steiner muß sich im Grabe herumdrehen. Es gibt in dieser „Corona-Zeit“ nichts enttäuschenderes und peinlicheres als diese institutionelle anthroposophische Bewegung, die sich selbst und alles, was ihr eigentlich „heilig“ sein müßte, und das zu Recht, aufs schlimmste verrät. Das setzt „Corona“ noch die Krone auf.

Vor lauter Anbiederung an das System wurde seit Jahrzehnten von den übergeordneten Entscheidern einiges verraten und verkauft, anscheinend mit dem Gedanken der „Bestitzstandswahrung“, doch geht es hier nicht um Geistiges, was bewahrt werden sollte, leider, denn genau das könnte die Welt jetzt dringlicher gebrauchen als irgend etwas sonst, wenn ich einmal die Dreigliederung des sozialen Organismus erwähnen darf, oder die Grundsätze der Waldorfpädagogik, oder die eigentliche Anthroposophische Medizin, oder die wichtigste Aufgabe der Demeterbewegung. Nein, es ging um Besitzstandswahrung im Materiellen, ausgerechnet! Hat sich da etwa Herr Ahriman in diese Institutionen eingeschlichen? Es geht um interne Macht, um Posten, um den „sicheren Stand“, der sogar in einer Diktatur konform genug sein kann, um „zu überdauern“ und natürlich auch um Geld. Es ist zum Heulen und zum Fremdschämen.

Lichtstreif am Horizont durch Ausgestoßene

Die lauten und öffentlichkeitswirksamen Statements der Verbandssprecher mit ihren nicht zu überbietenden Peinlichkeiten und selbstzerstörerischen Heucheleien täuschen darüber hinweg, dass es doch auch andere gibt: Einzelne aufrechte Menschen nämlich, die, alleingelassen und kriminalisiert von ihrer eigenen „Bewegung“ hinter ihren Grundlagen stehen, für die Gesundheit und menschengemäße Entwicklung der ihnen anvertrauten Kinder oder Patienten stehen. Diese Aufrechten mit vertikalem Rückrad werden nicht erst jetzt doch jetzt umso deutlicher von ihrer eigenen Gruppe drangsaliert, unter Druck gesetzt, von ihren Posten oder Arbeitsstellen gekündigt, weil sie nicht bereit sind, sich selbst und ihre Ideale und Überzeugungen zu verraten und zu verkaufen. Sie werden hinausgebissen von der Elite der anthroposophischen Gemeinschaften, weil sie nicht bereit sind, sich dem staatlichen Zwang und dem Zwang aus eigenen Reihen zu unterwerfen. Will man also wirkliche Anthroposophen treffen, die das, was die Geistesschulung und ihre Erkenntnisse bringt und anbietet, wirklich leben und tun und das gerade jetzt auch weiterhin wollen, dann muß man wohl eher auf der Strasse suchen als in den erlauchten Etagen der Verbände und Gremien und sonstigen Einrichtungen.

Die Not überall – überwinden!

Da sind die Kinder in den Waldorfschulen, mit Masken und Abstand,  Zwangsmaßnahmen und Einschüchterungen in Klassenzimmern und auf dem Schulhof, da sind entsetzte und verzweifelte Eltern, die fassungslos vor einem Scherbenhaufen aller Ideale stehen. Da sind Waldorflehrer, denen die praktische Umsetzung der Waldorfpädagogik per Dekret untersagt wird, und nicht erst seit „Corona“. Doch „Corona“ hat die Eigenart, nun all den Schlamm der letzten Jahrzehnte ans Tageslicht zu spülen in allen Bereichen. Das muß jetzt angeschaut werden, und nicht, wie seit Jahrzehnten, verschämt unter den Teppich gekehrt. So viele Menschen wissen nun, geistig und seelisch heimatlos geworden, nicht mehr, wohin. Und auch nicht, wohin mit ihren Kindern.

Eines muß klar sein, spätestens jetzt: die Dreigliederung des sozialen Organismus jetzt immer noch zu ignorieren, ist nicht möglich. Wohl kann man noch eine Weile Notprogramme laufen lassen, die Kinder etwa noch eine Zeit lang ruhigstellen, abstellen, parken, doch lange geht das nicht. Jetzt ist das Zeitfenster noch offen, doch es schließt sich bereits langsam. Es gilt jetzt, in die Puschen zu kommen, auch geistig, vor allem geistig, möchte ich sagen. Nur so geht Wandlung und Erneuerung, nur so kann man eine neue Zukunft, die sich lohnt, zu leben und zu erleben, aufbauen. Alles andere ist Augenwischerei, Selbstbetrug und Betrug an der Welt.

Es geht nun darum, die Dreigliederung des sozialen Organismus wirklich zu begreifen und sofort in die Tat umzusetzen, ja, ganz konkret von jedem Einzelnen in seinem Alltag, in seinem Denken, Reden und Handeln. Das ist möglich! Es formieren sich kleine Gruppen überall, die jetzt, durch die von oben verordnete „Schockstarre“ aufgeweckt, sich an diese Dreigliederung erinnern und verstehen: diese muß jetzt, jahrzehntelang verschmäht, gelebt werden, jetzt sofort. Und ja, sogar in Waldorfschulen, was ja aus oben genannten Gründen nicht möglich ist, weil es dort nicht gewünscht ist. Gehorsam und Anbiederung steht stattdessen im Vordergrund. Nun denn, es geht auch ohne Waldorfschulen!

Anthroposophie selber machen, selber leben, Waldorfpädagogik selber machen!

Vor allem angeregt durch ein öffentliches sogenanntes „Webinar“ des Bundes der Freien Waldorfschulen am 19.2.21, welches wohl der Wiederherstellung der Friedhofsruhe in den Schulen dienlich sein sollte, entstehen jetzt Gruppen von ent-täuschten Eltern, Lehrern, Freunde der Waldorfschulen, die ratlos nach Auswegen suchen. Man möchte ihnen zurufen: Ent-Täuschung tut weh, ist aber prinzipiell oft nötig, damit man aufhört, sich zu täuschen und sich täuschen zu lassen.

Jetzt kann man aufräumen, ausmisten und neu gestalten. Elternhäuser können sich jetzt zusammentun, kleine Gruppen bilden, wechselweise die Kinder in diesen Gruppen unterrichten. Ja, auch klassenübergreifend, was viele ungeahnte Möglichkeiten hat und besondere, seit Jahrzehnten verkommene und ignorierte Fähigkeiten ausbildet, nicht nur bei den Kindern. Wer jetzt beim Ordnungsamt um Erlaubnis fragt, dem kann keiner mehr helfen. Abiturrelevanz sollte nicht im Vordergrund stehen, jetzt, wo es den Kindern an allem Kindgemäßen mangelt. Schule bedeutet nicht nur Wissensvermittlung, die ins Hirn zu trichtern ist. Soziales Lernen im Erleben von sich selbst im Zusammenhang mit einer realen Gruppe von Menschen/Kindern, Herzensbildung, die eigenen Fähigkeiten entdecken und entwickeln lernen, einen Platz in der Welt und im Leben finden, gehören ebenso dazu wie die Kenntnis davon, was Sinn des Lebens bedeutet, Glück und Selbstverwirklichung, und wie man da hin findet. Das alles wird seit langem, doch seit einem Jahr masivst untergraben bis abgetötet. Ein Jahr ist im Leben eines Kindes so lange wie ein Jahrzehnt eines Erwachsenen. Gebt euren Kindern eine Chance!

Holt euch dazu Rat bei Klagepaten und Eltern-stehen-auf! Nehmt die Dinge in die eigene Hand, ihr habt eine „Hol-Schuld“, die Zukunft ist kein Produkt, welches ihr käuflich erwerben könnt, per Post ungefragt an euch ausgliefert wird und welches man dann konsumieren kann. Das Konsumverhalten ist das Fehlverhalten der letzten Jahrzehnte, welches den jetzigen Zustand verursacht hat!

«Denn das Wichtigste, das Allerwichtigste, was für die Zukunft geschehen soll, wird nicht geschehen durch Institutionen, wird nicht geschehen durch allerlei Einrichtungen, so sehr man heute an Institutionen und Einrichtungen wie an ein Alleinseligmachendes überall glaubt, sondern das Wichtigste für die Zukunft wird geschehen durch die Tüchtigkeit des einzelnen menschlichen Individuums» Rudolf Steiner

Nehmt Kontakt auf in euren Kommunikationsportalen zu Lehrern, die kalt gestellt wurden oder sich von sich aus abwandten. Bindet sie mit ein. Ich möchte an alle appellieren, an Eltern und an Lehrer: Jetzt geht es eben nicht mehr darum zu fragen „Was habe ich davon? Wieviel bekomme ich dafür?“. Ihr seid nicht schlechter gestellt als alle anderen Menschen in diesem Land, die viel verloren haben! Ihr seid genauso gut oder nicht so gut versorgt wie eure Mitmenschen. Also gebt jetzt einfach einmal das, was ihr könnt, in eine kleine Gemeinschaft hinein. Das ist gelebte Anthroposophie! Und auch an die Eltern möchte ich appellieren: Überlegt euch, was das wichtigste ist in eurem Leben: das Glück und die geistig-seelische-körperliche Gesundheit und Zukunft eurer Kinder oder das Materielle und eure Karriere (was sich alles in wenigen Monaten sowieso in Schall und Rauch auflöst!). Wenn ihr euch also für eure Kinder entschieden habt, dann gibt es auch keine „Sachzwänge“, die euch „leider“ hindern, euch zu kümmern und einzubringen!

«Der Mensch kann, was er soll; und wenn er sagt: ich kann nicht, so will er nicht.» Johann Gottlieb Fichte«

Befasst euch auch mit den Grundlagen, macht euch selber und gegenseitig schlau, was die Dreigliederung betrifft oder holt euch Rat von Menschen, die sich schon lange damit beschäftigen. Diese warten sehnsüchtig darauf, dass ihr sie fragt! Sie sind Gold wert für euch! Befasst euch mit den Grundlagen der Waldorfpädagogik, so, wie sie ursprünglich gedacht war, und warum sie genau so gedacht war, nicht so, wie sie seit Jahrzenten verwässert wurde, bis nicht mehr davon übrig blieb als ein traurig trübes Wässerchen von Gefälligkeit und Bequemlichkeit. Das braucht viel Zeit? Ja, genau, denn die letzten jahre wurde zu viel versäumt, das muß man jetzt eben nachholen. Doch wie könntet ihr eure Zeit denn eigentlich besser, erfüllender und sinnstiftender nutzen als so?

Trefft euch, organisiert euch, arbeitet Hand in Hand – für das Kostbarste, was ihr habt!

Ihr werdet es nicht schaffen, wenn ihr jetzt monatelang vorbereitende Zoom-Meetings macht, welche Begegnung vortäuschen aber nichts weiter sind als das Rufen von anti-sozialen Geistern, wenn ihr Arbeitgruppen bildet, Vorsitzende wählt und all solche Nebelkerzen zündet, bloß, um nicht in die Tat kommen zu müssen vor lauter Angst, Fehler zu machen. Es ist besser, anzufangen, auch wenn man den ein oder anderen Fehler macht, den man im übrigen auch wieder korrigieren kann, es hernach besser zu machen, als gar nichts zu tun. Es ist ein Anfang, wenn es auch nur zwei Elternhäuser sind, die sich zusammentun, die offen sind für andere, dazuzustoßen und mitzumachen.

Was man heute bei den Kindern versäumt oder gar anrichtet, kann man später weder nachholen noch wieder gut machen. Es werden Entwicklungsstörungen verursacht, deren Folgen man noch gar nicht abschätzen kann, denn es sind noch nie da gewesene Angriffe und Übergriffe auf die Gesamtheit einer ganzen Generation. Deshalb sollte keine Zeit verloren werden, und übergriffe und Angriffe sofort entschieden abgewehrt werden. Die Kinder haben ein Anrecht auf unser aller Schutz! Das ist der eigentliche Schutz, um den es geht und nicht der verlogene Hohn, der uns mittels Gehirnwäsche eingetrichtert werden soll.

Zu eurer gemeinsamen Arbeit und eurem Bemühen um die Kinder (es geht nicht nur um das eigene Kind! Eure Aufgabe gilt „den Kindern“!), kommt noch etwas hinzu: ihr bildet eine Gemeinschaft. Da sind Elternhäuser, Familien, Lehrer, Helfer und Unterstützer. Hier ist ein weites Feld, um selbst an der Zukunft zu bauen, in dem man beginnt, mit echter Kommunikation, mit Interesse aneinander und füreinander, mit der Frage an den anderen: „Wie geht es dir? Was brauchst du?“, um die gegenseitige Wahrnehmung zu üben, um zu einem unterstützenden zwischenmenschlichen Leben in Gemeinsachaften zu finden. Jeder Mensch hat mehr Fähigkeiten und Begabungen als das, was wir gewöhnlich als unseren Beruf und unser Hobby angeben. Hier ist die echte Begegnung und die echte gegenseitige Wahrnehmung Bedingung. Wir müssen in echte Gespräche finden, dies wieder lernen. Darauf baut Zukunft auf, ohne das kann es für Wesen, die sich Mensch nennen wollen, keine Zukunft geben.

Das ist im übrigen völlig unabhängig von Sympathie oder Antipathie, welches eine böse Falle ist! Ihr müsst einander ja nicht heiraten. Ihr habt ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Sorge, eine gemeinsame Aufgabe, die wichtigste nämlich! Ihr seid zuerst einmal eine Notgemeinschaft und bildet daraus einen Freundeskreis, eine erweiterte Familie. Hat man das alles ein wenig geübt und erlebt, wie viel es uns allen schenkt, ist man gerne bereit, dies alles auf größere Gruppen auszudehnen, weil es nämlich glücklich macht. Da ist, was jetzt dran ist. Und hier gilt es, die Dreigliederung zu leben, hier in eurer neuen erweiterten Familie. Damit erschafft ihr nicht nur Kleinstschulen, die eure Kinder bilden, schützen und ihre Entwicklung ermöglichen, ihr schafft auch Zukunftsinseln, von welchen Licht in die Welt ausstrahlt, welches die Dunkelheit, die sich jetzt ausbreitet, in Schranken verweist. Nur so kann es gelingen.

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