Es geht mir inzwischen sehr auf die Nerven, immer das gleiche Thema, Corona, Diktatur, Massenvernichtung, mit all den zerstörerischen Begleiterscheinungen. So schreibe ich heute aus gegebenem Anlaß einmal über etwas anderes. Man soll ja hin und wieder seine „Blase“ verlassen, damit man sich nicht immer nur im Kreise dreht und im eigenen Saft brät.

So schaue ich ein Video, welches mir nahegelegt wurde, zum einen wohl deshalb, weil von dem entsprechenden Wissenschaftler endlich einmal die Wahrheit über dasjenige Thema gesagt würde und zum anderen, weil es wohl das Denken schulen würde. Also will ich nun endlich, in fortgeschrittenem Alter, das Denken schulen. Nun denn, Klimawandel steht auf der Tagesordnung. Ich höre und staune, begegnet mir hier etwas, was ich im vergangenen Jahr bis zum Überdruß erleiden mußte. Ein Thema, das inzwischen ähnlich pseudoreligiöse Züge aufweist wie jenes Thema, welchem ich heute doch einmal aus dem Weg gehen wollte. Die einen so, die anderen so. Ja, es gibt ihn, den Klimawandel und er ist sehr gefährlich, wir werden alle sterben, und zwar bald, und die Ursachen sind klar genannt. Nein, es gibt ihn nicht, nicht wirklich, es gibt lediglich Schwankungen, die für diese Welt seit undenklichen Zeiten üblich sind und nein, die genannten Ursachen sind keine Ursachen, was die Statistiken beweisen und werden es nie sein.
Ein Glaubenskrieg, der seine Beweise jeweils aus der Leistung unvorstellbarer Großrechner bezieht, die „heilige Schrift der Neuzeit“, und dessen Interpretation nur von ganz bestimmten wissenschaftlichen Experten vorgenommen werden kann und deshalb auch darf: den Hohepriestern der Neuzeit.

Und zack, ich lande wieder auf dem gleichen Altar der Anbetung, der Verherrlichung und der einzigen und absoluten, um nicht zu sagen alternativlosen Wahrheit, der bedingungslos und ohne zu Hinterfragen Folge zu leisten ist. Und auf der anderen Seite der Feind, der das Gegenteil behauptet. Beide Seiten zum Wohl der Menschheit, versteht sich, ganz ohne Eigennutz, neutrale, exakte Wissenschaft eben. Was mache ich jetzt? Klimaleugner, Klimaverschwörer, „die Zahlen belegen…“, „die Hochrechnung läßt befürchten“, von Kurven ist die Rede. Mir schwirrt der Kopf. Ich bin es leid, studierten Herren zuzuhören, ihren Studien zu lauschen, ihre Kurven zu betrachten, kenne ich doch zur genüge diverse „Studien und Kurven“ aus dem vergangenen Jahr.
ch möchte fragen, ob denn die Herren außerhalb ihrer Heiligen Stätten der Wissenschaft Erfahrungen haben mit Wetter, Natur, Pflanzen und Tieren, – nach Menschen frag ich jetzt nicht.
Der Professor fällt mir ein, der mir von seiner Forschungsarbeit erzählte, vor vielen Jahren beim Kaffee am frühen Morgen. Variationen des Ischiasnerves oder so etwas in der Art. Erwartungsvoll wartete er dann auf meine anerkennenden Worte, die ich ihm immerhin schuldete, so als kleine Laborangestellte. Ob er schon einmal einen Regenwurm in seiner Hand hatte, fragte ich ihn statt dessen, irgendwie vom Teufel geritten. Seinen fassungslosen Blick sehe ich immer noch.
Und ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich hier mein Denken schulen kann.

Ich frage lieber eine Freundin, die seit mehr als 35 Jahren in unmittelbarstem Kontakt zur Natur lebt und darin und mit ihr arbeitet. Sie lebt sehr einfach und abgeschieden, bewirtschaftet einen traumhaft schönen Selbstversorgergarten, hat Tiere und kümmert sich um Bienen. All das macht sie aus freiem Entschluß, auf so bewußte, liebevolle und schonende Weise, wie sich ein Stadtmensch das nicht vorstellen kann. Maschinen werden gemieden wo es geht, Luxus gibt es nicht in diesem Haus, auch kein Wasserspülklosett in geheiztem Raum. Geheizt und gekocht wird mit Holz. Sie hat Nachbarinnen, auch einige in sehr fortgeschrittenem Alter, mit ihnen ist sie im Gespräch. Sie tauschen sich aus über die wesentlichen Dinge, auch über die Beschaffenheit des Bodens und das Wohlbefinden der Bienen. Meine Freundin hat auch Nachbarn, männliche Nachbarn, will ich sagen, doch mit diesen ist sie nicht so sehr im Gespräch, worüber auch? Die Bauern sitzen seit nun 3 Generationen auf immer größer werdenden Traktoren oder Landmaschinen, verteilen Produkte aus großen Kanistern oder Säcken auf Wiesen und Felder, so wie von der Genossenschaft vorgeschieben aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, und sitzen einfach viel zu weit oben, um zu wissen, wie es um ihren Boden bestellt ist. Deren Kopf scheint auch blockiert zu sein von all den sogenannten wirtschaftlichen Zwängen, auch alternativlos, natürlich, und all dem Expertenwissen aus den Giftküchen.

Doch gibt es auch andere, den netten älteren Herrn etwa, der sie geduldig und mit seinem ganzen Fachwissen in das Zusammenleben mit den Bienen eingeführt hat. Er hat sie auch ermutigt, hier ihren besonderen Weg zu gehen, den sie sich wünschte: heilsamer und schonender mit den Bienenvölkern umzugehen, damit diese sich wieder kräftigen können und gesünder werden.

Oder der andere, der hervorragend ihre Sensenblätter dengeln kann, womit sie sich selbst schwer tut. Ein junger Mann hat für ihren Garten Hochbeete gebaut, die ihr die Arbeit erheblich erleichtern.

In den vergangenen Jahren hat sie immer wieder einmal dies und jenes berichtet, meine Freundin, daran erinnere ich mich heute. Sie berichtete, was die alten Frauen erzählten, über das Wetter etwa, wie es seit Generationen gewesen sei, die Alten hätten es erzählt, und wie es jetzt sei, anders, sehr anders. Was in den Wiesen gewachsen sei an Vielfalt, wie es mit den Insekten war, mit der Vogelwelt, mit den Früchten der Natur. Wie die Wälder einmal gewesen seien. Wie die Bäche und Flüsse gewesen seien, das Wasser überhaupt. Wie man gelebt habe. Und sogar über Politik sprechen sie das ein oder andere mal, vor allem die letzte Zeit. Und die alten Frauen sagen wenig darüber. Sie wüßten doch noch, wie es damals war, was damals gesagt und versprochen und angedroht war. Und wie es dann alles gekommen sei. Man habe sie ja nicht gefragt, die Frauen. Wie heute. Es habe sich nichts geändert.

Es ist anders und vieles ist nicht gut. Es macht meiner Freundin Sorgen. Sie erzählt, wie krank die Bienen sind seit vielen Jahren, ausgezehrt von all dem Gift und geschwächt von einem Leben mit leerem Zuckerwasser, bedroht von Schädlingen und Insekten, die es früher so nicht gab und nicht in diesem Mißverhältnis, gestört von durcheinander gekommenen Jahreszeiten. Was, wenn wir auch noch die Bienen verlieren, so sieht es nämlich aus, sagt sie. Vieles berichtet sie mir, über ihre Pflanzen, ihre Bäume, von den Wiesen, die auch von Schädlingen befallen seien, vom Fuchs, der kommt, nicht mehr nur in der Nacht, um nach ihren Hühnern zu schauen. „Auch er hat ein Recht zu leben“, sagt sie, „er war schon vor mir da, ich bin hier doch nur zu Besuch“. Sie gibt ihm ab und zu, doch darf er ihr nicht alles nehmen. Das geht nicht, sagt sie, hier soll ein jedes sein und leben dürfen, nicht nur einer.

Sie nimmt mich mit auf eine Reise in eine andere Welt. Hart ist die Arbeit, doch erfüllend und segensreich. Mir erscheinen die Tiere und Pflanzen plötzlich als Weggefährten, Lebensgenossen, Freunde gar, man gibt einander, man nimmt voneinander, man schützt und pflegt einander, so gut man kann. Und man lernt voneinander. Meine Freundin zeigt mir dies und jenes, erklärt hier und da, mal sehr besorgt, mal voller Freude. Sie erzählt, wie anders ein Boden im Frühjahr sei im Gegensatz zum spätherbstlichen Boden, der ohne Haltekraft sei, er lasse los, alle Kraft sei verbraucht. Er kommt zur Ruhe, sagt sie. Im Frühjahr aber sei er voller Leben, voll neuer Kraft, sie könne es fühlen, wenn sie in hält in ihren Händen. Na ja, der Boden deines Gartens lebt ja auch noch, sage ich. Sie erzählt auch von Schnecken, von Wühlmäusen. Der Hund fängt sie, die Wühlmäuse, gräbt sie aus dem Boden aus, im Spätherbst, wenn der Garten abgeerntet ist und er hinein darf. Ich konnte einmal zuschauen, wie er es macht. Jagdfieber, das ist, was es ist. Was für ein Tier, was für eine Schnüffelnase, was für eine Kraft, welche Geschwindigkeit und welch ein Eifer! Wie ist dieses Tier uns Menschen in so vielen Dingen überlegen, dachte ich.

In manchen Jahren gibt es kaum Obst, dann wiederum kaum Nüsse. Nicht immer sei das Obst gleich gut. Ihr Saatgut muß stimmen, das meiste zieht sie sich selbst, nur wenig Saat kauft sie hinzu, doch es muß gut sein, kein modernes Zeug. Es muß geeignet sein für ihren Boden, für dieses Klima hier, wo sie lebt. Das Saatgut muß Leben in sich haben. Das Gartenjahr beginnt, noch bevor der letzte Schnee verschwunden ist. Ansaat auf der Fensterbank und all das. Wie viel braucht sie von welcher Sorte, wer wird kommen und was holen wollen, so viel muß durchdacht sein.

Im Einklang mit der Natur. Wie es oft süßlich verklärt wird von Menschen, die nichts davon wissen, von diesem mühsamen und fast kargen Leben. Bilder aus diversen Zeitschriften fallen mir ein. Wie schön es immer aussieht: Bauernstube, alles in Holz, ältere gut frisierte Dame in altmodisch gestärkter Schürze mit dem Brotteig beschäftigt, wie im Mittelalter, wo die Welt noch in Ordnung war. Ok, da waren die Scheiterhaufen, darf man nicht vergessen, und auch da gab es Seuchen, die Pest, meine ich, nicht Corona. Also doch nicht alles nur schön gewesen, früher
Das ist, wonach man sich sehnt vielleicht, müde von der Stadt. Und sie kommen zu ihr, die Freundinnen meiner Freundin, aus der Stadt, um bei ihr eine Erholungspause zu finden, von all der Schinderei, den Wunden der Seele, und suchen Heilung hier. Und finden sie auch, ich spüre es doch selbst jedesmal. „Sie wissen nicht, woher das kommt“, sagt meine Freundin, und meint die Heilung, die Erholung. „Es kommt von all dem, was du hier siehst und von dem was du nicht siehst.“ Es ist vieles, was ich nicht sehe, aber manches, was ich spüre. Wesenheiten, unsichtbar, hier in ihrem Garten, in ihrem Haus. Meine Freundin bei ihrer Arbeit begleitend und unterstützend. Sie helfen ihr manchmal, sagt sie, wenn sie ruft in der Not, und es nicht weitergehen will. Dann schicken sie ihr manchmal Hilfe. Sie erzählt mir davon und ich werde still und habe Tränen in den Augen. Die Not meiner Freundin, das harte Leben, der Ruf, die Hilfe.
„Bist du nicht manchmal einsam, so allein, wie du hier lebst?“ Nein, das ist sie nicht, sagt sie. Sie sei gern allein, zwischendurch, doch einsam sei sie nie, sie habe doch ihre Tiere, und die Pflanzen, und all das hier.

An die neue Menschheitsfamilie denke ich, falls das alles einmal vorbei sein sollte. Und dass es dann genau so sein müßte, so, oder so ähnlich, in verschiedensten Lebensbereichen, so ähnlich. Doch wie soll man das können, so von null auf hundert, frage ich sie. Und sie meint, das kann sie sich nicht vorstellen. Sie selbst habe sich viele Jahre eher unbewußt auf das hier vorbereitet, auf dieses Leben hier. Langsam, Stück für Stück sich selbst verändert, ihren Konsum, ihre Lebensweise und Lebenseinstellung geändert. Sie sei hineingewachsen über die Jahrzehnte.

So denke ich an all die Menschen, die auf Erlösung dieser Tyrannei warten und hoffen, auf ein neues, besseres Leben im Einklang mit der Natur. Sie müßten doch spätestens jetzt beginnen, sich zu wandeln, sich vorzubereiten, selbst das wäre doch jetzt reichlich spät. Sie müßten den ganzen modernen Kirmeskram und ihre ganzen Spielsachen loslassen, ihre Luxusbedürfnisse und Lebensnotwendigkeiten hinterfragen, ihre innere Einstellung ändern zu sich selbst, zu ihren Mitmenschen, zu ihrer Mitwelt. Sie müßten sich Gedanken darüber machen, wofür sie leben möchten, wofür und was sie arbeiten möchten. Sie müßten in die reale Welt zurückkommen.

„Ähnlich oder nicht ähnlich“ war der „Arbeitstitel“ für diesen Artikel. Eigentlich müßte der Artikel heißen: „Ein Liebeslied an meine Freundin, an ihre Arbeit, an ihr Wirken, an die Heilarbeit, die sie macht für diese Welt“. Ich kenne persönlich keine Frau, die mir so weise erscheint, so gütig, so fürsorglich, so schützend und liebevoll, so fest in ihrem Wissen und in ihrer Überzeugung, die der Garten ihr täglich bestätigt.
Ich wünschte, es gäbe noch viel viel mehr solcher Frauen, die, dort wo sie sind und wirken, so sind wie meine Freundin. Es gibt keine besseren und kompetenteren Experten. Dort liegt die Lösung von all den Problemen, die wir den Herren Experten zu verdanken haben.

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